– Eigenschaften und Verwendung
Steckbrief
| Merkmal | Bedeutung für die Pflege |
|---|---|
| Isoton | Ähnlicher effektiver osmotischer Druck wie Blutplasma; Zellen schwellen normalerweise nicht wesentlich an oder schrumpfen. |
| Hypoton | Wasser kann in die Zellen einströmen; Zellen können anschwellen. |
| Hyperton | Wasser kann aus den Zellen austreten; Zellen können schrumpfen. |
| Kristalloide | Lösungen mit kleinen gelösten Teilchen, z. B. Elektrolyten oder Glukose. |
| Balancierte Elektrolytlösung | Enthält mehrere Elektrolyte in einer Zusammensetzung, die dem Plasma ähnlicher ist als reine NaCl-Lösung. |
| Wichtigste Regel | Nicht jede sterile Lösung ist für jede Anwendung geeignet. Produkt, Konzentration, Applikationsweg und ärztliche Anordnung beachten. |
Inhaltsverzeichnis
- Osmose, Osmolarität und Tonizität
- Wasser für Injektionszwecke – Aqua ad iniectabilia
- Natriumchlorid 0,9 % – physiologische Kochsalzlösung
- Elektrolytlösungen: Ringer, Jonosteril und Sterofundin ISO
- Glukoselösungen
- Lösungen zur Wundreinigung und Inhalation
- Dauerkatheter: Spülen und Blocken
- Vergleichstabelle der wichtigsten Lösungen
- Merksätze für die Pflege
Osmose, Osmolarität und Tonizität
Osmose ist die Bewegung von Wasser durch eine semipermeable Membran. Wasser bewegt sich dabei vereinfacht gesagt in Richtung der höheren Konzentration osmotisch wirksamer Teilchen, sofern diese Teilchen die Membran nicht frei passieren können.
Die Osmolarität gibt an, wie viele osmotisch wirksame Teilchen in einem Liter Lösung enthalten sind. Die Einheit ist mOsm/L. Die Osmolalität bezieht sich dagegen auf ein Kilogramm Lösungsmittel und wird in mOsm/kg angegeben.
Für die Wirkung auf Zellen ist zusätzlich die Tonizität entscheidend: Sie beschreibt, ob eine Lösung Wasser in Zellen hinein- oder aus ihnen herausbewegt. Osmolarität und Tonizität sind daher nicht identisch.
| Lösung | Wirkung auf Zellen – vereinfacht |
|---|---|
| Hypoton | Wasser strömt eher in die Zellen; sie schwellen an. |
| Isoton | Kein ausgeprägter Netto-Wasserstrom über die Zellmembran. |
| Hyperton | Wasser strömt eher aus den Zellen; sie schrumpfen. |
Blutplasma hat typischerweise eine Osmolalität von ungefähr 275–295 mOsm/kg. Eine ähnliche rechnerische Osmolarität bedeutet allerdings nicht automatisch, dass zwei Lösungen im Körper gleich wirken.
Beispiel Glukose 5 %: Die Lösung hat im Infusionsbeutel eine Osmolarität in der Nähe des Plasmas. Nachdem die Glukose von den Zellen aufgenommen und verstoffwechselt wurde, bleibt überwiegend Wasser zurück. Dieses wirkt im Körper wie freies Wasser und kann sich auch innerhalb der Zellen verteilen.
Wasser für Injektionszwecke – Aqua ad iniectabilia
Aqua ad iniectabilia, kurz Wasser für Injektionszwecke, ist besonders reines Wasser zur Herstellung oder Verdünnung geeigneter Arzneimittel. Ampuwa ist ein bekanntes Produkt dieser Art.
Wasser für Injektionszwecke ist keine gebrauchsfertige Infusionslösung. Es enthält praktisch keine Elektrolyte und ist stark hypoton.
Wichtig:
- Nicht unverdünnt intravenös infundieren.
- Nur entsprechend der Produktinformation zur Herstellung oder Verdünnung geeigneter Arzneimittel verwenden.
- Nicht automatisch als Wund-, Inhalations- oder Katheterspüllösung einsetzen. Dafür müssen die jeweilige Produktzulassung und der vorgesehene Anwendungszweck passen.
Natriumchlorid 0,9 % – physiologische Kochsalzlösung
NaCl 0,9 % enthält 0,9 g Natriumchlorid pro 100 ml, also 9 g pro Liter. Das entspricht ungefähr 154 mmol/L Natrium und 154 mmol/L Chlorid. Die theoretische Osmolarität beträgt rund 308 mOsm/L.
Typische Anwendungen sind:
- Flüssigkeits- und Elektrolytersatz bei geeigneter Indikation
- Verdünnung oder Trägerlösung für kompatible Medikamente
- Spülung bestimmter Wunden, sofern dafür vorgesehen
- Blasenspülung bei entsprechender urologischer Indikation mit einer geeigneten sterilen Spüllösung
NaCl 0,9 % wird häufig als „physiologische Kochsalzlösung“ bezeichnet. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie in ihrer Zusammensetzung exakt dem Blutplasma entspricht. Insbesondere enthält sie kein Kalium, Calcium oder Magnesium. Bei größeren Infusionsmengen kann die relativ hohe Chloridzufuhr den Säure-Basen-Haushalt beeinflussen.
Elektrolytlösungen: Ringer, Jonosteril und Sterofundin ISO
Elektrolytlösungen ersetzen Wasser und gelöste Salze. Sie werden beispielsweise bei Flüssigkeitsverlusten, Dehydratation und im perioperativen Bereich eingesetzt. Welche Lösung geeignet ist, hängt unter anderem von Flüssigkeitsstatus, Elektrolytwerten, Nierenfunktion und Säure-Basen-Haushalt ab.
Ringer-Lösung und Ringer-Laktat
Die klassische Ringer-Lösung enthält vor allem Natrium, Kalium, Calcium und Chlorid. Ringer-Laktat enthält zusätzlich Lactat und hat eine andere Elektrolytzusammensetzung. Lactat kann im Stoffwechsel zu Bicarbonat umgesetzt werden und dadurch zur Pufferwirkung beitragen.
Die genaue Zusammensetzung und Osmolarität hängen vom konkreten Präparat ab. „Ringer“ und „Ringer-Laktat“ sollten deshalb nicht ohne Weiteres als identisch behandelt werden.
Jonosteril
Jonosteril ist eine balancierte kristalloide Elektrolytlösung. Die klassische Jonosteril-Infusionslösung enthält Natrium, Kalium, Calcium und Magnesium sowie Chlorid und Acetat. Die theoretische Osmolarität beträgt ungefähr 291 mOsm/L.
Acetat kann im Stoffwechsel zur Bicarbonatbildung beitragen. Jonosteril wird unter anderem zum Flüssigkeits- und Elektrolytersatz eingesetzt. Es gibt weitere Jonosteril-Varianten, deren Zusammensetzung deutlich abweichen kann. Die folgenden Werte gelten für die klassische Jonosteril-Infusionslösung, nicht automatisch für jedes Produkt mit diesem Namen.
Sterofundin ISO
Sterofundin ISO ist ebenfalls eine balancierte kristalloide Elektrolytlösung. Sie enthält Natrium, Kalium, Calcium und Magnesium sowie Chlorid, Acetat und Malat. Die theoretische Osmolarität beträgt ungefähr 309 mOsm/L.
Acetat und Malat sind metabolisierbare Anionen. Sie können im Stoffwechsel zur Pufferwirkung beitragen. Sterofundin ISO ist damit eine weitere gängige Alternative zu Jonosteril – allerdings mit einer anderen Elektrolytzusammensetzung.
Vergleich der Elektrolytzusammensetzung
Die Angaben beziehen sich auf die jeweils genannte Standardlösung. Alle Elektrolytwerte sind in mmol/L angegeben.
| Bestandteil | Ringer-Laktat, typisch | Jonosteril klassisch | Sterofundin ISO |
|---|---|---|---|
| Natrium (Na⁺) | ca. 130 | 137 | 145 |
| Kalium (K⁺) | ca. 4 | 4 | 4 |
| Calcium (Ca²⁺) | ca. 1,5 | 1,65 | 2,5 |
| Magnesium (Mg²⁺) | normalerweise keines | 1,25 | 1,0 |
| Chlorid (Cl⁻) | ca. 109 | 110 | 127 |
| Lactat | ca. 28 | keines | keines |
| Acetat | keines | ca. 36,8 | 24 |
| Malat | keines | keines | 5 |
| Theoretische Osmolarität | ca. 273 mOsm/L | ca. 291 mOsm/L | ca. 309 mOsm/L |
Hinweis: Die Werte für Ringer-Laktat sind typische Orientierungswerte und können je nach Präparat abweichen. Bei Jonosteril und Sterofundin ISO beziehen sich die Werte auf die genannten Standardformulierungen. Für die praktische Anwendung ist immer die aktuelle Fachinformation des konkreten Produkts maßgeblich.
Was bedeutet „balanciert“?
Balancierte Lösungen haben eine Elektrolytzusammensetzung, die dem Plasma in wichtigen Punkten ähnlicher ist als NaCl 0,9 %. Das bedeutet nicht, dass sie mit Blutplasma identisch sind oder bei jedem Patienten automatisch die beste Wahl darstellen.
Die ältere Vergleichstabelle der PhysioKlin-Seite zur Beurteilung von Infusionslösungen ist als historischer Hintergrund interessant. Sie bezieht sich unter anderem auf Tabellen aus den Jahren 2004 und 2006. Ihre damaligen Bewertungen sollten nicht ungeprüft auf heutige Präparate übertragen werden.
Glukoselösungen
Glukoselösungen enthalten Traubenzucker in Wasser, beispielsweise Glukose 5 %. Sie dienen je nach Präparat und klinischer Situation unter anderem als Wasser- und Energieträger oder als Bestandteil einer Infusionstherapie.
Wichtig ist der Unterschied zwischen der rechnerischen Osmolarität im Beutel und der späteren Wirkung im Körper: Nach dem Glukoseabbau wirkt eine Glukose-5-%-Lösung im Wesentlichen wie freies Wasser. Sie ist daher nicht einfach mit NaCl 0,9 % oder einer balancierten Elektrolytlösung austauschbar.
Glukoselösungen können den Blutzucker erhöhen. Bei Diabetes mellitus, Hyperglykämie oder bestimmten Stoffwechselstörungen sind Indikation, Menge und Verlaufskontrollen besonders wichtig.
Lösungen zur Wundreinigung und Inhalation
Wundreinigung
Für die Reinigung von Wunden werden je nach Wunde und Produkt beispielsweise sterile NaCl-0,9-%-Lösung oder dafür zugelassene Wundspüllösungen verwendet. Nicht jede sterile Flüssigkeit ist automatisch für offene Wunden geeignet.
Antiseptische Lösungen sind von einfachen Spüllösungen zu unterscheiden. Sie werden nur bei entsprechender Indikation und nach den jeweiligen Vorgaben eingesetzt.
Inhalation
Für die Verneblung müssen ausdrücklich geeignete Inhalationslösungen verwendet werden. Dazu gehören beispielsweise sterile NaCl-0,9-%-Inhalationslösungen in dafür vorgesehenen Einzeldosisbehältnissen.
Ampullen oder Flaschen mit Wasser für Injektionszwecke sind nicht automatisch als Inhalationslösung zugelassen. Entscheidend sind die Produktinformation und das verwendete Inhalationsgerät.
Dauerkatheter: Spülen und Blocken
Beim Dauerkatheter muss zwischen zwei Maßnahmen unterschieden werden:
- Spülen: Flüssigkeit wird in das Katheter- beziehungsweise Blasensystem eingebracht, beispielsweise um Blutkoagel oder Rückstände zu entfernen.
- Blocken: Der Ballon am Katheter wird mit der vorgeschriebenen Flüssigkeit gefüllt, damit der Katheter in der Blase gehalten wird.
Mit welcher Lösung spült man einen Dauerkatheter?
Eine routinemäßige oder prophylaktische Blasenspülung ist bei einem liegenden Dauerkatheter grundsätzlich nicht vorgesehen. Sie kann das geschlossene Drainagesystem unterbrechen und das Infektionsrisiko erhöhen. Eine Spülung erfolgt daher nur bei entsprechender Indikation und nach ärztlicher Anordnung beziehungsweise geltendem Standard.
Wenn eine Blasen- oder Katheterspülung erforderlich ist, wird häufig eine sterile NaCl-0,9-%-Spüllösung verwendet. Das konkrete Produkt muss für diesen Zweck vorgesehen sein.
Ein Beispiel ist B. Braun Uro-Tainer M 0,9 % NaCl: ein gebrauchsfertiges, steriles Einmalsystem zur Spülung von Harnröhren- und suprapubischen Kathetern. Laut Gebrauchsanleitung ist es unter anderem zur Entfernung kleiner Blutgerinnsel, von Gewebe und Rückständen vorgesehen.
Bei Verkrustungen gibt es spezielle Produkte wie Uro-Tainer Suby G oder Solutio R auf Zitronensäurebasis. Diese sind keine gewöhnlichen Kochsalzlösungen und dürfen nicht beliebig als Ersatz verwendet werden. Sie kommen nur bei entsprechender Indikation und nach Produktvorgabe infrage.
Wichtig für die Pflege:
- Nicht routinemäßig spülen, nur weil ein Dauerkatheter liegt.
- Bei fehlendem Urinfluss zuerst Knicke, Lage, Abfluss und mögliche mechanische Ursachen prüfen.
- Bei Verdacht auf Verlegung, Schmerzen, Blasenüberdehnung oder Blutkoagel ärztlich rückkoppeln und nach Standard vorgehen.
- Steril und aseptisch arbeiten; den Urinabfluss nicht durch unnötige Manipulationen am geschlossenen System gefährden.
- Bei Widerstand niemals mit Kraft spülen.
Womit blockt man den Katheterballon?
Für den Ballon eines Dauerkatheters wird in der Regel steriles Wasser verwendet – entsprechend der Gebrauchsanweisung des jeweiligen Katheters. Das erforderliche Füllvolumen ist auf dem Katheter beziehungsweise in der Produktinformation angegeben.
Beispiel: Die Gebrauchsanleitung eines Foley-Ballonkatheters von GHC Medical beschreibt das Befüllen des Ballons mit sterilem Wasser und verlangt, das angegebene Volumen einzuhalten.
NaCl 0,9 % ist nicht automatisch ein geeigneter Ersatz für steriles Wasser zum Blocken. Es kann je nach Katheter und Hersteller zu Problemen führen; deshalb gilt ausschließlich die Herstelleranweisung.
Das Blockvolumen ist außerdem nicht mit dem Spülvolumen zu verwechseln: Die Flüssigkeit zum Blocken verbleibt im Ballon. Eine Spüllösung wird dagegen – bei entsprechender Indikation – in das Katheter- oder Blasensystem eingebracht.
Vergleichstabelle der wichtigsten Lösungen
| Lösung | Typische Eigenschaft | Häufige Verwendung | Wichtige Einschränkung |
|---|---|---|---|
| Wasser für Injektionszwecke (Ampuwa) | Stark hypoton, praktisch keine Elektrolyte | Herstellung oder Verdünnung geeigneter Arzneimittel | Nicht unverdünnt intravenös infundieren |
| NaCl 0,9 % | Na⁺ und Cl⁻, ca. 308 mOsm/L | Infusion, geeignete Medikamentenverdünnung, bestimmte Spülungen | Nicht identisch mit Plasma; hohe Chloridzufuhr bei großen Mengen beachten |
| Ringer-Lösung | Elektrolytlösung mit Na⁺, K⁺, Ca²⁺ und Cl⁻ | Flüssigkeits- und Elektrolytersatz nach Indikation | Nicht mit Ringer-Laktat gleichsetzen |
| Ringer-Laktat | Elektrolyte plus Lactat | Flüssigkeits- und Elektrolytersatz | Zusammensetzung produktabhängig; Lactat-Stoffwechsel beachten |
| Jonosteril klassisch | Balancierte Elektrolytlösung mit Acetat | Flüssigkeits- und Elektrolytersatz nach Indikation | Andere Varianten können eine deutlich andere Zusammensetzung haben |
| Sterofundin ISO | Balancierte Elektrolytlösung mit Acetat und Malat | Flüssigkeits- und Elektrolytersatz nach Indikation | Elektrolytwerte und klinische Situation beachten |
| Glukose 5 % | Glukose in Wasser; nach Verstoffwechselung überwiegend freies Wasser | Je nach Indikation Wasser-/Energiezufuhr und Bestandteil der Infusionstherapie | Blutzucker und Flüssigkeitsbilanz beachten |
| Sterile NaCl-0,9-%-Inhalationslösung | Für die Inhalation vorgesehenes steriles Produkt | Verneblung nach Produkt- und Geräteanweisung | Nicht mit beliebigen sterilen Flüssigkeiten ersetzen |
| Sterile NaCl-0,9-%-Katheterspüllösung | Für die jeweilige Katheter- oder Blasenspülung vorgesehen | Gezielte Spülung bei Indikation | Keine routinemäßige prophylaktische Blasenspülung |
Merksätze für die Pflege
- Steril bedeutet nicht automatisch für jeden Anwendungsweg geeignet.
- Ampuwa ist kein Ersatz für NaCl 0,9 % und darf nicht unverdünnt intravenös infundiert werden.
- NaCl 0,9 % ist nicht identisch mit Blutplasma.
- Jonosteril und Sterofundin ISO sind beide balancierte Elektrolytlösungen, haben aber unterschiedliche Elektrolytzusammensetzungen.
- Die Bezeichnung allein reicht nicht: Varianten und Herstellerinformationen prüfen.
- DK-Spülung ist nicht gleich DK-Blockung: Spülen nur bei entsprechender Indikation; den Ballon mit der vom Hersteller vorgesehenen Flüssigkeit und Menge füllen.