Schock
Was ist ein Schock
Der Schock ist ein lebensbedrohlicher Zustand.
Er entsteht durch eine Kreislaufstörung mit einer Verminderung der Blutzirkulation in den Kapillaren.
Dadurch ensteht eine Minderversorgung der Gewebe / Organe mit Sauerstoff und Nährstoffen bis hin zum totalen Organversagen.
Pathohysiologie
Die Zellen können ihren Soffwechsel nicht mehr aufrecht erhalten.
Gewebeperfusion = ausreichende Durchblutung des Gewebes
Hypoperfusion = zu geringe Durchblutung
Die Ursachen dafür sind:
- Blut- oder Flüssigkeitsverlust
- Das Herz pumpt nicht mehr ausreichend, Blut bleibt eher zentral / Peripherie nicht mehr versorgt
- Gefäß sind stark geweitet (Sepsis, Anaphylaxie, Neurogen), ein Versagen der Kreislaufregulation in der Körperperipherie
- Der Blutfluss ist mechanisch behindert (z.B. Lungenembolie)
=> Vermindertes Herzzeitvolumen oder verminderte effektive Durchblutung
=> Die Kapillare werden nicht mehr ausreichend durchblutet
=> Sauerstoffmangel der Zellen
=> Anaerober Stoffwechsel
Die Zelle versucht trotzdem ATP herzustellen. -> wenig ATP -> viel Laktat
=> Laktatanstieg
Symptome
- kalte, blasse Haut
- Tachykardie
- schnelle Atmung
- niedrieger Blutdruck
- Unruhe, Angst
- Verwirrtheit
- Bewusstseinsstörung
Pathophysiologie des Schocks
1. Der Auslöser
Je nach Schockform geschieht zunächst etwas Unterschiedliches:
| Schockform | Auslöser |
|---|---|
| Hypovolämisch | Blut- oder Flüssigkeitsverlust |
| Kardiogen | Das Herz pumpt nicht mehr ausreichend |
| Distributiv | Gefäße erweitern sich stark (Sepsis, Anaphylaxie, Neurogen) |
| Obstruktiv | Der Blutfluss wird mechanisch behindert (z. B. Lungenembolie) |
Alle führen letztlich zum gleichen Problem.
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2. Vermindertes Herzzeitvolumen oder verminderte effektive Durchblutung
Die Organe erhalten weniger Blut.
Man kann sich den Kreislauf wie eine Stadt vorstellen:
- Das Herz ist die Pumpe.
- Das Blut sind die Lieferwagen.
- Sauerstoff ist die Ware.
Jetzt kommen zu wenige Lieferwagen am Ziel an.
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3. Gewebehypoperfusion
Die kleinsten Gefäße (Kapillaren) werden nicht mehr ausreichend durchblutet.
Dadurch gelangen weniger:
- Sauerstoff
- Glukose
- Nährstoffe
zu den Zellen.
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4. Sauerstoffmangel der Zellen
Jetzt beginnt das eigentliche Problem.
Normalerweise gewinnen die Mitochondrien Energie aerob:
Glukose + Sauerstoff → viel ATP
Fehlt Sauerstoff:
➡️ aerober Stoffwechsel stoppt
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5. Anaerober Stoffwechsel
Die Zelle versucht trotzdem ATP herzustellen.
Jetzt entsteht:
- nur wenig ATP
- dafür viel Laktat
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6. Laktatanstieg
Laktat sammelt sich im Blut.
Dadurch sinkt der pH-Wert.
➡️ metabolische Azidose
Diese Azidose verschlechtert wiederum:
- Herzfunktion
- Gefäßreaktionen
- Enzymfunktionen
Es entsteht ein Teufelskreis.
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7. Energiemangel der Zellen
ATP fehlt.
Damit funktionieren wichtige Pumpen nicht mehr, vor allem die Natrium-Kalium-ATPase.
Folgen:
- Natrium bleibt in der Zelle.
- Wasser folgt dem Natrium.
- Die Zelle schwillt an.
Gleichzeitig gelangt Kalzium in die Zellen und aktiviert Enzyme, die Zellbestandteile schädigen.
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8. Zellschädigung
Nun beginnen:
- Zellmembranen undicht zu werden,
- Mitochondrien auszufallen,
- Enzyme ihre Funktion zu verlieren.
Ein Teil der Zellen stirbt ab.
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9. Entzündungsreaktion
Geschädigte Zellen setzen zahlreiche Botenstoffe frei.
Diese führen zu:
- Entzündung
- Gefäßschäden
- erhöhter Gefäßdurchlässigkeit
Es tritt Flüssigkeit aus den Gefäßen ins Gewebe aus.
➡️ Das Blutvolumen sinkt weiter.
Der Schock verstärkt sich.
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10. Organversagen
Nun werden lebenswichtige Organe nicht mehr ausreichend versorgt.
Typische Reihenfolge:
🧠 Gehirn → Verwirrtheit
🫀 Herz → Pumpleistung nimmt weiter ab
🫁 Lunge → Gasaustausch verschlechtert sich
🩸 Nieren → kaum noch Urin
🍺 Leber → Stoffwechsel entgleist
➡️ Multiorganversagen
Parallel laufen Kompensationsmechanismen
Schon sehr früh versucht der Körper gegenzusteuern.
Sympathikus
Adrenalin und Noradrenalin steigen an.
Folgen:
- Tachykardie
- stärkere Herzkontraktion
- Vasokonstriktion der Haut, Muskulatur und des Darms
Deshalb:
- kalte Haut
- Blässe
- kalter Schweiß
Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS)
Die Nieren bemerken den verminderten Blutfluss.
Es kommt zu:
- Angiotensin II → Gefäßverengung
- Aldosteron → Natrium- und Wasserretention
Antidiuretisches Hormon (ADH)
ADH wird ausgeschüttet.
Die Nieren halten Wasser zurück.
➡️ Urinausscheidung sinkt.
Der Teufelskreis des Schocks
Auslöser
↓
verminderte Gewebeperfusion
↓
Sauerstoffmangel
↓
anaerober Stoffwechsel
↓
Laktat ↑
↓
metabolische Azidose
↓
weniger ATP
↓
Zellschädigung
↓
Entzündungsreaktion
↓
Gefäßleckage + Mikrozirkulationsstörung
↓
noch schlechtere Durchblutung
↓
Multiorganversagen
Merksatz
Die Pathophysiologie des Schocks lässt sich auf einen zentralen Satz reduzieren:
Unabhängig von der Ursache führt jeder Schock zu einer unzureichenden Gewebeperfusion. Dadurch erhalten die Zellen zu wenig Sauerstoff, wechseln in den anaeroben Stoffwechsel, produzieren Laktat, entwickeln eine metabolische Azidose, erleiden einen Energiemangel und werden schließlich geschädigt. Bleibt dieser Zustand bestehen, kommt es zum Organversagen.
Das Schöne daran ist: Wenn du diese Kette verstanden hast, kannst du praktisch alle Schockformen herleiten. Der Unterschied liegt hauptsächlich im Auslöser, die nachfolgenden pathophysiologischen Prozesse sind weitgehend dieselben.