Blut

Teil 1: Die gängigsten Blutbestandteile (kleines Blutbild)

Parameter Normalwert Erwachsene
Erythrozyten (rote Blutkörperchen) Männer: 4,5–5,9 Mio./µl
Frauen: 4,1–5,1 Mio./µl
Hämoglobin (Hb) Männer: 13,5–17,5 g/dl
Frauen: 12–16 g/dl
Hämatokrit (Hkt) Männer: 40–52 %
Frauen: 36–47 %
Leukozyten (weiße Blutkörperchen) 4.000–10.000/µl
Thrombozyten (Blutplättchen) 150.000–400.000/µl

Kurz erklärt

Erythrozyten

  • Transportieren Sauerstoff.
  • Niedrig → Anämie.
  • Hoch → Flüssigkeitsmangel, selten Polyglobulie.

Hämoglobin

  • Sauerstofftragender Farbstoff.
  • Wichtigster Wert zur Beurteilung einer Anämie.

Hämatokrit

  • Anteil der Blutzellen am Gesamtblut.
  • Hoch bei Exsikkose.
  • Niedrig bei Anämie.

Leukozyten

  • Teil des Immunsystems.
  • Hoch bei Infektionen, Entzündungen.
  • Niedrig z. B. bei Virusinfekten oder Knochenmarksschädigung.

Thrombozyten

  • Blutgerinnung.
  • Niedrig → Blutungsrisiko.
  • Hoch → meist reaktiv nach Infekten oder Entzündungen.

Teil 2: Differentialblutbild

Hier schaut man genauer auf die Leukozyten.

Zelltyp Anteil
Neutrophile 50–70 %
Lymphozyten 20–45 %
Monozyten 2–8 %
Eosinophile 1–6 %
Basophile <1 %

Typische Merkhilfen

Neutrophile

  • Bakterienjäger.
  • Hoch bei bakteriellen Infektionen.

Lymphozyten

  • Virenabwehr.
  • Oft erhöht bei Virusinfekten.

Monozyten

  • "Müllabfuhr" und Fresszellen.
  • Erhöht bei chronischen Entzündungen.

Eosinophile

  • Allergien und Parasiten.
  • Merksatz: "Eosinophile mögen Exoten."

Basophile

  • Histaminfreisetzung.
  • Spielen bei Allergien eine Rolle.

Teil 3: Häufig bestimmte Zusatzwerte

Parameter Normalwert
CRP < 5 mg/l
BSG Männer < 15 mm/h
Frauen < 20 mm/h
Retikulozyten 0,5–2 %
Ferritin ca. 15–300 ng/ml
Transferrin 200–360 mg/dl

Klar, Don. Das CRP ist einer dieser Werte, die auf Station ständig genannt werden, aber oft missverstanden werden.

Was ist CRP?

CRP steht für C-reaktives Protein. Es wird von der Leber gebildet, wenn im Körper eine Entzündung stattfindet.

Wichtig: CRP zeigt nicht die Ursache der Entzündung an. Es sagt nur: "Irgendwo ist das Immunsystem aktiv."


Normbereich

  • < 5 mg/l → normal
  • 5–10 mg/l → leicht erhöht
  • 10 mg/l → Entzündungsreaktion wahrscheinlich


Wie schnell steigt CRP?

Nach Beginn einer Entzündung:

  • Anstieg nach etwa 6–12 Stunden
  • Maximum nach 24–48 Stunden
  • Halbwertszeit etwa 19 Stunden

Deshalb ist der Verlauf oft wichtiger als ein einzelner Wert.


Typische Größenordnungen

CRP Mögliche Bedeutung
< 5 mg/l normal
5–40 mg/l leichte Entzündung, oft viral
40–100 mg/l stärkere Entzündung
> 100 mg/l häufig bakterielle Infektion
> 200 mg/l schwere bakterielle Infektion, Sepsis möglich

Das sind aber nur Faustregeln.


Viren oder Bakterien?

Hier wird es interessant.

Virale Infektionen

Oft:

  • CRP normal oder leicht erhöht
  • etwa 5–40 mg/l

Beispiele:

  • RSV
  • Influenza
  • Adenoviren
  • viele Erkältungsviren

Ein Kind mit 39°C Fieber und CRP 15 mg/l kann durchaus einen heftigen Virusinfekt haben.


Bakterielle Infektionen

Oft:

  • deutlich höhere Werte
  • häufig > 50–100 mg/l

Beispiele:

  • bakterielle Pneumonie
  • Pyelonephritis
  • Streptokokken-Angina
  • Osteomyelitis

Ein CRP von 150 mg/l lässt einen eher an Bakterien denken.


Aber Vorsicht!

Es gibt Ausnahmen.

Niedriges CRP trotz schwerer bakterieller Infektion

Ganz am Anfang der Erkrankung kann das CRP noch niedrig sein.

Beispiel:

  • Kind kommt morgens mit Fieber und Schüttelfrost.
  • CRP nur 8 mg/l.
  • 24 Stunden später 120 mg/l.

Deshalb wird oft kontrolliert.


Hohes CRP ohne Bakterien

Auch möglich bei:

  • schweren Virusinfekten
  • Operationen
  • Verbrennungen
  • Autoimmunerkrankungen
  • Trauma

Kleine Stations-Merkhilfe

CRP niedrig + Lymphozyten hoch → eher viral

CRP hoch + Neutrophile hoch → eher bakteriell

CRP steigt täglich weiter → Entzündung läuft noch

CRP fällt deutlich → Therapie wirkt wahrscheinlich


Retikulozyten

Das sind junge Erythrozyten.

Hohe Werte

  • Blutverlust
  • Erholung nach Eisenmangel

Niedrige Werte

  • Knochenmark produziert zu wenig

Für die Anämiediagnostik sind Retikulozyten oft sehr hilfreich.


Teil 4: Elektrolyte

Parameter Normalwert
Natrium 135–145 mmol/l
Kalium 3,5–5,0 mmol/l
Calcium 2,2–2,6 mmol/l
Magnesium 0,7–1,1 mmol/l
Chlorid 98–107 mmol/l

Diese Werte sind besonders auf Station ständig relevant.


Teil 5: Seltener angeforderte Blutbestandteile

Parameter Normalwert
Fibrinogen 200–400 mg/dl
D-Dimere < 0,5 mg/l
Haptoglobin 30–200 mg/dl
LDH 135–250 U/l
Bilirubin gesamt < 1,2 mg/dl

Wozu braucht man die?

Fibrinogen

  • Gerinnung.

D-Dimere

  • Hinweis auf Thrombosen oder Embolien.

Haptoglobin

  • Sinkt bei Hämolyse.

LDH

  • Unspezifischer Zellzerfallsmarker.

Bilirubin

  • Entsteht beim Abbau von Erythrozyten.
  • Wichtig bei Ikterus.

Besonders nützlich für die Kinderklinik

Wenn du auf Visite oder bei Übergaben einen Laborzettel bekommst, sind meist diese Werte zuerst interessant:

  1. Hb
  2. Leukozyten
  3. Thrombozyten
  4. CRP
  5. Differentialblutbild
  6. Natrium
  7. Kalium
  8. Glukose
  9. Retikulozyten (bei Anämien)
  10. BSG (je nach Fragestellung)

Bei Kindern gelten allerdings oft deutlich andere Referenzwerte als bei Erwachsenen – besonders für Leukozyten, Lymphozyten und Hb. Das ist eine klassische Falle für Erwachsene, die neu in der Pädiatrie sind. Ein Wert, der beim Erwachsenen auffällig wäre, kann beim Kleinkind völlig normal sein.