1. Informationssammlung


Informationssammlung (SIS)

👉 Es ist eine reine Datensammlung. Noch keine Bewertung.

Was gehört hinein?

  • Beobachtungen
  • Aussagen des Patienten
  • objektive Daten
  • Messwerte
  • ärztliche Diagnosen
  • Pflegeanamnese

Was gehört NICHT hinein?

  • keine Pflegediagnosen
  • keine Probleme
  • keine Interpretationen
  • keine Ziele
  • keine Maßnahmen

Informationssammlung – mehr als nur das Erstgespräch

Das Erstgespräch ist nur eine Quelle von vielen.
Weitere Informationsquellen im Pflegealltag:

📁 Dokumente
Krankenhaus-Überleitungsbogen
Arztbriefe
Medikamentenplan
Pflegeüberleitung vom ambulanten Dienst
Vorherige Pflegedokumentation
Diagnosenliste
Reha-Berichte

👥 Personen
Angehörige (Tochter)
Hausarzt
Therapeuten (Physio, Ergo, Logopädie)
Ambulante Pflege
Sozialdienst
Mitbewohner (z.B. Herr Berg – soziale Ressource!)

👀 Eigene Beobachtung
Mobilität
Hautzustand
Stimmung
Orientierung
Ess- und Trinkverhalten
Interaktion mit anderen
Selbstständigkeit im Alltag

🧠 Assessmentinstrumente
Mini-Mental-Status-Test
Barthel-Index
Sturzrisiko-Assessment
Dekubitus-Assessment
Schmerzskala
Ernährungsassessment (z.B. MNA)
👉 Ganz wichtig: Die Informationssammlung ist kein einmaliger Akt, sondern ein fortlaufender Prozess.

Beeinflusst die Theorie schon die Fragen im Erstgespräch?

Die Theorie bestimmt, worauf du deinen Blick richtest.

Beispiele:
🟢 13 AEDL (Krohwinkel) Du fragst gezielt nach:
Kommunizieren können
Sich bewegen können
Sich pflegen können
Essen und trinken
Sich beschäftigen
Mit existenziellen Erfahrungen umgehen
➡ Bei Herrn Weiss würdest du z.B. sehr bewusst nach Trauer, Rollenverlust und Sinn fragen.

🔵 ATL (Juchli) Sehr stark alltags- und grundpflegeorientiert:
Waschen
Ankleiden
Ausscheiden
Ruhen und schlafen
➡ Mehr Fokus auf funktionelle Selbstständigkeit.

🟡 Orem (Selbstpflege-Defizit-Theorie) Zentral: Wo besteht ein Selbstpflegedefizit?
➡ Du würdest konkret fragen:
Was können Sie selbst?
Wo brauchen Sie Unterstützung?
Wo möchten Sie Hilfe?
Sehr ressourcen- und autonomieorientiert.

🟣 Leininger (transkulturelle Pflege)
Fragen wären z.B.:
Welche Rituale sind Ihnen wichtig?
Gibt es religiöse Bedürfnisse?
Wie stehen Sie zu Pflege durch fremde Personen?

👉 Ja – schon im Erstgespräch setzt du unterschiedliche Schwerpunkte.

Passiert die Hauptarbeit beim Schreiben?

Teilweise.
Zwei Ebenen:
Gesprächsebene – hier steuerst du durch deine Fragen
Dokumentationsebene – hier ordnest du das Erhobene in die Struktur ein
Wenn du nach AEDL dokumentierst, merkst du beim Schreiben:
„Moment, ich habe noch nichts zu ‚Ruhen und Schlafen‘ erfragt.“
Dann musst du nacherheben.
Also ja: Die Struktur beeinflusst auch, was dir auffällt, was fehlt.

Gibt Fiechter/Meier eine Theorie vor?

Nein.
Fiechter & Meier beschreiben den Pflegeprozess in 6 Schritten

Sie geben keine Pflegetheorie vor.
Das Modell ist: 👉 theorieoffen 👉 kompatibel mit AEDL, ATL, Orem, Leininger usw.
Man kann sagen: Fiechter/Meier = Prozessrahmen Pflegetheorien = inhaltliche Struktur

Beispiel Dekubitus – korrekt in der SIS

Patient liegt seit 3 Tagen überwiegend im Bett
Mobilisation nur mit 2 Personen möglich
BMI 18
trockene, dünne Haut
Rötung sakral (nicht wegdrückbar?)
Patient klagt über Schmerzen im Sakralbereich
Trinkmenge 800 ml/Tag

⚠️ Hier darf noch NICHT stehen: „Dekubitusrisiko“ oder „Gefahr eines Dekubitus“

Das wäre bereits Interpretation.

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