Blutkonserven

verschiedene Blutkonserven als Gruppen:

1. Erythrozytenkonzentrat (EK)

Der absolute Klassiker.

Was ist drin

  • konzentrierte rote Blutkörperchen
  • kaum Plasma

Wofür

  • Anämie
  • Blutverlust (OP, Trauma)
  • Hb zu niedrig

Besonderheiten

  • verbessert Sauerstofftransport
  • Standardprodukt in Krankenhäusern

➡️ mit Abstand am häufigsten transfundiert


2. Thrombozytenkonzentrat (TK)

Blutplättchen.

Was ist drin

  • konzentrierte Thrombozyten

Wofür

  • Thrombozytopenie
  • Blutungsgefahr
  • häufig bei Chemotherapie

Besonderheiten

  • sehr kurze Haltbarkeit (ca. 4–5 Tage)
  • Lagerung bei Raumtemperatur

3. Frischplasma (FFP)

auch Fresh Frozen Plasma.

Was ist drin

  • Gerinnungsfaktoren
  • Albumin
  • Plasmaeiweiße

Wofür

  • Gerinnungsstörungen
  • massive Blutungen
  • Leberversagen

4. Kryopräzipitat

In Deutschland seltener als in manchen anderen Ländern.

Was ist drin

  • Fibrinogen
  • Faktor VIII
  • von-Willebrand-Faktor

Wofür

  • Fibrinogenmangel
  • bestimmte Gerinnungsstörungen

5. Granulozytenkonzentrat

Sehr selten.

Was ist drin

  • Granulozyten (Abwehrzellen)

Wofür

  • schwere Infektionen bei extremem Neutrophilenmangel

➡️ eher Spezialtherapie


Übersicht (Häufigkeit)

Rang Blutprodukt Einsatz
1 Erythrozytenkonzentrat sehr häufig - 80%
2 Thrombozytenkonzentrat häufig
3 Frischplasma (FFP) regelmäßig
4 Kryopräzipitat selten
5 Granulozytenkonzentrat sehr selten

Pflegerisch wichtig

Vor jeder Transfusion immer:

  • Identitätskontrolle
  • Blutgruppe / Kreuzprobe
  • Vitalzeichenkontrolle
  • auf Transfusionsreaktionen achten

z. B.:

  • Fieber
  • Schüttelfrost
  • Dyspnoe
  • Hautreaktionen

Blutkonserven nach Art der Additivlösungen / Konservierungsmittel**, nicht nur das reine Blutprodukt.
Das ist für Klinik, ICU und auch Rettungsdienste relevant, weil die Lagerung, Haltbarkeit und Einsatzgebiete unterschiedlich sind.

1. Erythrozytenkonzentrate – Additivlösungen

Zusatz / Konservierung Inhalt / Besonderheit Haltbarkeit Besonderheit
CPD (Citrat-Phosphat-Dextrose) Na-Citrat → Antikoagulation, Phosphat → ATP, Dextrose → Energie 21 Tage Standard, einfach
CPDA-1 (Citrat-Phosphat-Dextrose-Adenin) wie CPD + Adenin → verlängert ATP-Bildung 35 Tage Längere Lagerung, oft in Blutbanken
Additivlösungen SAG-M, SAG-K, AS-1, AS-3, AS-5 Salze + Adenin + Glukose 42 Tage Reduzierte Hämolyse, bessere Lagerung, mehr Volumen → größere Erythrozytenmenge im Endprodukt

💡 Merksatz:

  • CPD / CPDA → eher klassisch
  • SAG / AS → moderner, längere Lagerung, bessere Qualität

2. Thrombozytenkonzentrat

  • werden nicht gekühlt (Raumtemperatur, 20–24 °C)
  • Stabilisatoren / Plasma enthalten
  • Haltbarkeit: 4–5 Tage
  • Additive: oft Plasma oder spezielle Thrombozyten-Additivlösungen (PAS) → verlängern Lebensdauer, senken Volumen von Fremdblutplasma

3. Frischplasma (FFP)

  • wird schnell eingefroren (<–30 °C)
  • Additiv: meist keine, reines Plasma
  • Haltbarkeit: 12 Monate tiefgefroren
  • kann bei Bedarf aufgetaut und sofort transfundiert werden

4. Kryopräzipitat

  • entsteht durch Auftauen von FFP bei 1–6 °C, dann Zentrifugation
  • enthält: Fibrinogen, Faktor VIII, vWF
  • Additiv: keine, konzentriert sich auf Gerinnungsfaktoren
  • Haltbarkeit: 12 Monate tiefgefroren

Warum unterschiedliche Zusätze?

  • ATP- und Energieversorgung der Erythrozyten verlängern → verhindert Hämolyse
  • Volumenanpassung → mehr Zellen pro Einheit
  • Gerinnung / Stabilität → Plasma/Thrombozytenprodukte
  • Lagerungstemperatur / Haltbarkeit → ICU, Transport, Notfallversorgung

💡 Klinik-Funfact, Don: Wenn ein Rettungswagen z. B. Erythrozytenkonzentrate mit CPDA-1 mitführt, kann man sie über 5 Wochen lagern, ohne dass die Zellen groß an Sauerstofftransportfähigkeit verlieren. Moderne SAG-M / AS-Lösungen halten noch länger, fast wie Tiefkühlpizza für Blut 😄


Blutgruppen und Kompatibilität

1. ABO-System

Patient Darf erhalten Nicht erlaubt Kurzbegründung
A A, O B, AB Anti-B-Antikörper im Plasma → würden B-Zellen angreifen
B B, O A, AB Anti-A-Antikörper im Plasma
AB A, B, AB, O kein Anti-A oder Anti-B → „universal recipient“
O O A, B, AB Anti-A + Anti-B vorhanden → nur O sicher

💡 Merksatz ABO:

  • O = Universalspender (Erythrozyten)
  • AB = Universalempfänger (Erythrozyten)

2. Rhesus-System (D-Antigen)

Patient D-Rh Darf erhalten
RhD+ RhD+ oder RhD–
RhD– nur RhD–

💡 Merksatz Rh:

  • RhD– Patient darf kein RhD+ Blut bekommen → Risiko Sensibilisierung
  • RhD+ Patient → kein Problem

3. Zusammengefasst (Erythrozytenkonzentrat)

Patient Notfall universal EK Sicher nach Labor
O– O– O–
O+ O– (wenn nichts anderes) O+, O–
A– O– A–
A+ O– A+, A–
B– O– B–
B+ O– B+, B–
AB– O– AB–
AB+ O– AB+, AB–

Funfact:

  • Im akuten Notfall (z. B. Rettungswagen) wird O– Erythrozytenkonzentrat bevorzugt, weil universell.
  • Danach wird auf passende Blutgruppe umgestellt, wenn Laborwerte und Blutbank verfügbar.

4. Plasma-Kompatibilität (umgekehrtes Prinzip!)

  • Plasma enthält Antikörper, keine roten Blutkörperchen
  • Universalspender für Plasma = AB (hat keine Anti-A/Anti-B)
  • Universalempfänger für Plasma = O (hat Anti-A und Anti-B, kann AB-Plasma nicht direkt bekommen)

💡 Merksatz Plasma:

Erythrozyten: O universal Plasma: AB universal


5. Notfallregel „eigentlich nicht, aber…“

Ja, in der Praxis:

  • Absolute Notfälle: Patient verliert lebensbedrohlich Blut
  • Dann: O– EK auch an RhD+ Patienten, O+ EK an RhD– nur wenn keine andere Option
  • Risiko: Sensibilisierung → zukünftige Transfusionen problematischer
  • Akut: rettet Leben, langfristig: Nachkontrolle + passende Blutgruppe nachholen

💡 Mini-Praxis-Tipp:

  • RTW / ICU / Notfall: immer O– vorrätig
  • Labor / Blutbank: schnell auf passende Gruppe umstellen

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