Pflegeprozess in 6 Stufen

Pflege als Prozess betrachten
Pflege planen und überprüfbar durchführen

Ein Prozes ist eine strukturierte Abfolge von Schritten, die auf ein konkretes ziel ausgerichtet sind, ein Ableufplan oder ein System um Ziele zu erreichen

Was ist ein (Pflege-)Prozess?

Vorgang in dem sich eine Veränderung ereignet
festgelegte Ordnung als Abfolge einzelner Schritte
Verfahrensregelung
planhaftes Handeln
Handlung wird in Teilschritte zerlegt um das Ziel effektiver zu erreichen
um eine individuelle Pflege zu praktizieren
physiche und psychosoziale Probleme der Menschen zu erkennen um ihm bei der Bewältigung helfen zu können
den wissenschaftlichen Aspekt der Pflege hervorzuheben
systematischer und zielgerichteter Arbeitsablauf
Gundlage für das Verstehen und die Verfassung der Pflegeplanung

Der Krankenpflegeprozess besteht aus einer Reihe von logischen, voneinander abhängigen Überlegungs-, Entscheidungs- und Handlungsschritten, die auf eine Problemlösung, also auf ein Ziel hin aus gerichtet sind und im Sinne eines Regelkreises einen Rückkopplungseffekt in form von Beurteilung und Neuanpassung enthalten.

Pflegeprozess als Beziehungsprozess

der Beziehungsprozess verfeinert den Problemlösungsprozess zum eigentlichen Pflegeprozess
durch Integration individueller Wünsche und Bedürfnisse im Rahmen einer ganzheitlichen Sicht
zwischenmenschlicher Prozess: Pflegeempfänger und Pflegende treten in Kontakt und möchten gemeinsam ein Ziel erreichen
gezielte Beobachtungen, Erfahrungen, Fachwissen helfen, individuelle Bedürfnisse und Probleme, unter Berücksichtigung von Ressourcen, Gewohnheiten und Individualität, zu erfassen

Empathie: sich in die Lebenswelt, Bedeutung der Gefühle, Bedürfnisse des Gebenüber einfühlen

Compliance: Übereinstimmung des Patientenverhaltens mit medizinischen oder pflegerischen Empfehlungen

Ahärenz: einhalten des geminsam vereinbarten Behandlungsweges

Der in der Medizin gebräuchliche Begriff der Compliance spricht den Umstand an, dass für die Heilung vieler Krankheiten ein kooperatives Verhalten des Patienten vorausgesetzt wird.Therapietreue im Sinne von Compliance meint also, dass der Patient tut, was der Arzt von ihm verlangt. Wir haben es hier also mit einem paternalistischen Modell zu tun, welches durch die Autorität und alleinige Entscheidungshoheit des Arztes charakterisiert ist (Gray, et al., 2002).

Die Verantwortung für die Nichteinhaltung eines Planes läge demnach einseitig bei dem Patienten und der Aspekt einer gemeinsamen Entscheidungsfindung im Rahmen eines Arbeitsbündnisses kommt nur unzureichend zum tragen. Ein solches Modell muss nicht in jedem Falle schlecht sein, v. a. im Rahmen von Notfallsituationen oder z. B. bei operativen Eingriffen stellt es häufig einen sinnvollen und zielführenden Ansatz dar.

Demgegenüber steht bei dem Begriff Adherence die aktive Zusammenarbeit von Arzt und Patient im Sinne einer gemeinsamen Entscheidungsfindung und Therapiezielvereinbarung im Vordergrund, d.h. die aktiv erfragte Patientenmeinung wird bei der Behandlungsplanung mitberücksichtigt.

13 AEBDLs die sich gegenseitig bedingen und in Wechselbeziehung stehen ohne Hierarchie

  1. Kommunizieren können
  2. Sich bewegen können
  3. Vitale Funktionen des Lebens aufrecht erhalten können
  4. Sich pflegen können
  5. Essen und Trinken können
  6. Ausscheiden können
  7. Sich kleiden können
  8. Ruhen und schlafen können
  9. Sich beschäftigen können
  10. Sich als Frau oder Mann fühlen und verhalten können
  11. Für eine sichere Umgebung sorgen können
  12. Soziale Bereiche des Lebens sichern können
  13. Mit existentiellen Erfahrungen des Lebens umgehen können

Plegeprozess in 6 Stufen nach Fiechter & Meier (1981)

1️⃣ Informationssammlung
dient dazu, den zu Pflegenden kennenzulernen und Gesundheits- und Krankheitssituation vollständig zu erfassen
Sammlung aller Infos die für die zukünftige Betreuung bedeutsam sein könnten
Sichtung schriftlicher Unterlagen
Erst-, Aufnahmegespräch
Beobachtung
Körperliche Untersuchung
Angehörige und Bezugspersonen
Assesmentinstrumente (Barthel, Braden)
Pflegevisite
Sonstige Gespräche
spontane Äußerungen des Pflegebed.
oder der Teammitglieder
Direkte Informationen: direkt vom Pat. durch Gespräch, Inspektion, Untersuchung
Indirekte Informationen: Aussagen von andeen über den Pat. wie Arztbrief, Überleitungsbogen, Angehörige
Subjektive Informationen: wie sich der Pat. fühlt oder wirkt
Objektive Informationen: messbares

zum Beispiel

Immobilität
Hautrötung sakral
BMI 18
geringe Trinkmenge
Kein Wort „Dekubitus“.

2️⃣ Problemformulierung
Hier steht:
zum Beispiel
Dekubitusrisiko aufgrund Immobilität und Mangelernährung
ODER
Gefahr eines Dekubitus im Sakralbereich
Hier taucht es das erste Mal auf.
Ein Pflegeproblem beschreibt eine Beeinträchtigung oder ein Risiko.
Ein Pflegeziel beschreibt den gewünschten Zustand.

3️⃣ Ziel
zum Beispiel
Haut bleibt intakt
Rötung bildet sich zurück

1 Problem → 1 Ziel (klassisch & übersichtlich)

Problem: Ineffektives Atemmuster
→ Ziel: AF im Normbereich1 Problem
→ 1 Ziel (klassisch & übersichtlich)

1 Problem → mehrere Ziele (realistisch)

Problem: Ineffektives Atemmuster
→ Ziel 1a: SpO₂ stabil im Zielbereich
→ Ziel 1b: Patient kann Lippenbremse anwenden
→ Ziel 1c: Dyspnoe subjektiv reduziert
Das ist absolut korrekt und oft sogar professioneller gedacht.

Problem 1:

  • → Ziel 1a (kurzfristig)
  • → Ziel 1b (mittelfristig)
  • → Ziel 1c (langfristig)

Mehrere Probleme → 1 übergeordnetes Ziel

Problem 1: Aktivitätsintoleranz
Problem 2: Erschöpfung
Problem 3: Dyspnoe
→ Übergeordnetes Ziel: Verbesserung der Belastbarkeit
Das ist besonders im Langzeitverlauf sinnvoll.

4️⃣ Maßnahmen
zum Beispiel
Lagerung
Hautpflege
Mobilisation
Trinkförderung

5️⃣ Durchführung
zum Beispiel
Lagerung dokumentiert
Haut täglich kontrolliert

6️⃣ Evaluation
zum Beispiel
Haut reizlos → Ziel erreicht
Rötung verschlechtert → Maßnahmen intensivieren

🎯 Ganz wichtig für deine ursprüngliche Frage:
Heißt es in der SIS schon „Dekubitus“ oder „Dekubitusrisiko“?

👉 Nein.
In der SIS wird nicht diagnostiziert.
Es werden nur Daten gesammelt.

Wo taucht „Dekubitusrisiko“ das erste Mal auf? 👉 In Stufe 2 – beim Erkennen von Problemen.

Stufe Denken erlaubt? Interpretieren?
1. SIS ❌ Nein ❌ Nein
2. Probleme ✅ Ja ✅ Ja
3. Ziele nur lösungsorientiert keine Analyse
4. Maßnahmen nur Handlungen keine Zielbeschreibung
5. Durchführung umsetzen nichts Neues
6. Evaluation vergleichen Anpassung

1. Informationssammlung

Posted on 15th Feb 2026

Informationssammlung 👉 Es ist eine reine Datensammlung. Noch keine Bewertung. dient dazu, den zu Pflegenden kennenzulernen und Gesundheits- und Krankheitssituation vollständig zu erfassen Sammlung aller Infos die für die zukünftige Betreuung bedeutsam sein könnten Direkte Informationen: direk...

2. Ressourcen & Pobleme

Posted on 19th Feb 2026

Erkennen von Problemen und Ressourcen Hier beginnt die Analyse. Jetzt darfst – und musst – du denken Probleme formulieren: Aktuelle Probleme Potenzielle Probleme (Risiken!) Jetzt darf stehen: „Gefahr eines Dekubitus aufgrund eingeschränkter Mobilität, Mangelernährung und reduzierter Flüssi...

3. Festlegen der Pflegeziele

Posted on 19th Feb 2026

Festlegen der Pflegeziele Pflegeziel = kann man als Soll-Zustand auffassen, den der Patient innerhalb einer vorgegebenen Zeit durch die Pflegemaßnahmen erreichen soll. Das Pflegeziel gibt die Richtung, sowie Art und Umfang der Pflegemaßnahmen vor. Häufiger Fehler: „Dekubitus vermeiden“ → Das ist...

4. Planung der Maßnahmen

Posted on 13th Feb 2026

Planung der Maßnahmen Hier steht: 👉 Was tun wir konkret, um das Ziel zu erreichen? Keine Wiederholung des Problems. Keine Zielbeschreibung. Nur Handlungen. Beispiel: Lagerungswechsel alle 2 Stunden Druckentlastung durch Wechseldruckmatratze tägliche Hautinspektion Mobilisationsförder...

5. Durchführung der Maßnahmen

Posted on 13th Feb 2026

Durchführung Hier passiert die Praxis. Maßnahmen werden umgesetzt dokumentiert angepasst Wichtig: Hier wird nichts Neues geplant.

6. Evaluation der Pflege

Posted on 13th Feb 2026

Evaluation Hier kommt die entscheidende Frage: Wurde das Ziel erreicht? Ja → Maßnahmen beibehalten Nein → Ziel anpassen oder Maßnahmen ändern Bewertung des Pflegeziels und somit die Wirksamkeit der Pflegemaßnamen wird bewertet. Je nachdem ob das Pflegeziel erreicht werden konnte, müssen die...

Fallbeispiel 01 deku

Posted on 13th Feb 2026

🧑‍⚕️ Fallbeispiel Herr Karl M., 78 Jahre alt, verwitwet, lebt allein in einer Mietwohnung im 2. Stock ohne Aufzug. Er wurde nach einem Sturz in der Wohnung mit einer medialen Schenkelhalsfraktur rechts ins Krankenhaus eingeliefert und operativ mittels Hüft-TEP versorgt. Postoperativ ist Herr M....

Fallbeispiel 02 COPD

Posted on 14th Feb 2026

Teil 1: Schriftliche Informationen (wie im Stationsalltag) a) Patientenakte / Arztbrief / vorhandene Dokumente 🗂️ Patientenstammdaten Name: Becher, Anna Alter: 69 Jahre Familienstand: verwitwet Wohnsituation: alleinlebend, 2-Zimmer-Wohnung, 3. Stock mit Aufzug Aufnahmegrund: akute Exazerba...

Fallbeispiel Hr. Weiss

Posted on 15th Feb 2026

Erstgespräch – nach AEDL strukturiert (unsichtbar im Hintergrund) Beteiligte: PK Stephie Azubi Herr Weiss Tochter Frau Weiss Zimmernachbar Herr Berg 🟢 Ankommen & Beziehung (Kommunizieren können) PK: Guten Tag, Herr Weiss. Mein Name ist Schneider, ich bin hier eine der Pflegefachkräfte...

Zusatzinfos

Posted on 19th Feb 2026

Problemlösungsprozess Das ist das „Denksystem“ hinter dem Pflegeprozess: Problem erkennen Ursachen analysieren Ziele festlegen Maßnahmen planen Ergebnis überprüfen Also im Prinzip: klinisches Denken in strukturierter Form. Der Problemlösungsprozess stammt nicht ursprünglich aus de...