Muskeln

Muskelarten

Die Skelettmuskulatur lässt sich nach ihrer Funktion, ihrem Aufbau und ihren physiologischen Eigenschaften einteilen.

1. Einteilung nach der Bewegungsfunktion

Muskeln werden häufig nach der Bewegung benannt, die sie ausführen. Dabei arbeiten sie meist mit anderen Muskeln zusammen.

Muskelgruppe Funktion Beispiel
Flexoren (Beuger) Beugen ein Gelenk M. biceps brachii (Armbeuger)
Extensoren (Strecker) Strecken ein Gelenk M. triceps brachii (Armstrecker)
Adduktoren Führen ein Körperteil zur Körpermitte hin Adduktorengruppe des Oberschenkels
Abduktoren Führen ein Körperteil von der Körpermitte weg M. gluteus medius (mittlerer Gesäßmuskel)
Levatoren (Heber) Heben ein Körperteil oder eine Struktur M. levator scapulae (Schulterblattheber)
Depressoren (Senker) Senken ein Körperteil oder eine Struktur M. depressor anguli oris (Mundwinkelsenker)
Sphinkter (Schließmuskeln) Verengen oder verschließen Körperöffnungen M. sphincter ani externus (äußerer Afterschließmuskel)
Hautmuskeln Bewegen die Haut M. orbicularis oculi (Augenringmuskel)

Ergänzung zu den Atemmuskeln: Die äußeren Zwischenrippenmuskeln (Mm. intercostales externi) heben bei der Einatmung die Rippen. Die inneren Zwischenrippenmuskeln (Mm. intercostales interni) unterstützen, insbesondere mit ihren knochennahen Anteilen, die forcierte Ausatmung durch Senkung der Rippen.

Merksatz

  • Flexion: Beugung

  • Extension: Streckung

  • Adduktion: Heranführen

  • Abduktion: Abspreizen

  • Elevation: Anheben

  • Depression: Absenken

2. Einteilung nach Muskelfasertypen

Die Skelettmuskulatur besteht aus unterschiedlichen Muskelfasertypen, die sich hinsichtlich ihrer Kontraktionsgeschwindigkeit, Ermüdungsresistenz und Energiegewinnung unterscheiden.

Physiology Series Part 8: Exercise Physiology & Adaptation - Wasil Zafar

Typ I – langsam zuckende Muskelfasern (Slow-Twitch)

  • Hoher Gehalt an Myoglobin (sauerstoffbindendes Muskelprotein).

  • Viele Mitochondrien und eine dichte Kapillarisierung.

  • Überwiegend aerobe Energiegewinnung durch oxidative Stoffwechselprozesse.

  • Langsame Kontraktion, hohe Ermüdungsresistenz.

  • Besonders geeignet für Ausdauerleistungen und die Aufrechterhaltung der Körperhaltung.

Beispiel: Langstreckenlaufen und Haltearbeit der Rückenmuskulatur.

Typ II – schnell zuckende Muskelfasern (Fast-Twitch)

  • Im Vergleich zu Typ I häufig weniger Myoglobin, Mitochondrien und Kapillaren, besonders bei Typ IIx.

  • Hohe Aktivität der Enzyme für die schnelle anaerobe Glykolyse.

  • Schnelle und kräftige Kontraktion, jedoch je nach Untertyp unterschiedlich schnelle Ermüdung.

  • Besonders geeignet für explosive und kurzfristig intensive Bewegungen.

Beispiel: Sprinten, Springen und schnelles Kraftheben.

Die Typ-II-Fasern werden weiter unterteilt:

  • Typ IIa: Schnell kontrahierend, mit sowohl oxidativer als auch glykolytischer Energiegewinnung; relativ ermüdungsresistent.

  • Typ IIx: Sehr schnell und kraftvoll, stark auf schnelle glykolytische Energiegewinnung ausgerichtet und rascher ermüdend.

Wichtig: Typ-II-Fasern enthalten nicht grundsätzlich mehr Glykogen oder Phosphat als Typ I in jeder Situation. Ihre besondere Leistungsfähigkeit beruht auf der schnellen Energiebereitstellung und den Eigenschaften ihrer kontraktilen Proteine.

3. Zusammenspiel der Muskeln

Bei Bewegungen arbeiten verschiedene Muskeln koordiniert zusammen. Man unterscheidet dabei insbesondere Agonisten, Antagonisten und Synergisten.

Begriff Erklärung Beispiel
Agonist (Spieler) Muskel, der die gewünschte Bewegung hauptsächlich ausführt. M. biceps brachii beim Beugen des Ellenbogens
Antagonist (Gegenspieler) Muskel, der die entgegengesetzte Bewegung ausführt und die Bewegung kontrollieren bzw. abbremsen kann. M. triceps brachii beim Beugen des Ellenbogens
Synergist (Mitspieler) Muskel, der den Agonisten unterstützt und zur gleichen oder einer unterstützenden Bewegung beiträgt. M. brachialis unterstützt den M. biceps brachii bei der Ellenbogenbeugung.

Beispiel Ellenbogenbeugung:

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  • Der Bizeps ist der Agonist und beugt den Ellenbogen.

  • Der Brachialis unterstützt als Synergist die Beugung.

  • Der Trizeps ist der Antagonist und entspannt sich während der Bewegung weitgehend oder arbeitet bremsend mit, je nach Bewegungsanforderung.

Bei der anschließenden Streckung wechseln die Rollen: Der Trizeps wird zum Agonisten und der Bizeps zum Antagonisten.

Merksatz für die Prüfung

  • Agonist: Führt die Bewegung aus.

  • Synergist: Unterstützt die Bewegung.

  • Antagonist: Wirkt der Bewegung entgegen.

Die Rollen sind bewegungsabhängig: Ein Muskel kann bei einer Bewegung Agonist und bei einer anderen Antagonist sein.

Pflegebezug und klinische Bedeutung

Das Wissen über Muskeln, Sehnen und Faszien ist für die Pflege besonders bei Mobilisation, Bewegungseinschränkungen und der Rehabilitation wichtig.

  • Immobilität: Längere Bewegungsarmut kann zu Muskelatrophie, Kraftverlust und Bewegungseinschränkungen führen.

  • Sehnenverletzungen: Können die Kraftübertragung beeinträchtigen und die aktive Bewegung einschränken.

  • Sehnenscheidenentzündung: Führt häufig zu Schmerzen bei Bewegung und kann die Mobilität beeinträchtigen.

  • Muskeltraining: Kann die Muskelkraft und die funktionelle Leistungsfähigkeit verbessern.

  • Physiologische Bewegungsabläufe: Das Verständnis von Agonisten und Antagonisten hilft bei der Unterstützung von Patienten mit neurologischen Erkrankungen, beispielsweise nach einem Schlaganfall.

Zusammenfassung

Thema Das Wichtigste
Sehnen Verbinden Muskeln mit Knochen und übertragen Muskelkraft.
Sehnenscheiden Ermöglichen reibungsarmes Gleiten und schützen bestimmte Sehnen.
Faszien Umhüllen und verbinden Gewebe und ermöglichen dessen Verschieblichkeit.
Muskelgruppen Werden unter anderem nach ihrer Bewegungsfunktion eingeteilt.
Muskelfasertyp I Langsam, ausdauernd und überwiegend aerob.
Muskelfasertyp II Schnell und kraftvoll, mit unterschiedlichen Ermüdungseigenschaften.
Agonist Hauptmuskel einer Bewegung.
Synergist Unterstützt die Bewegung.
Antagonist Wirkt der Bewegung entgegen.

Sehnen, Sehnenscheiden und Faszien

Sehnen

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Sehnen (Tendines) verbinden Muskeln mit Knochen und übertragen die bei der Muskelkontraktion entstehende Zugkraft auf das Skelett. Dadurch ermöglichen sie die Bewegung der Gelenke.

  • Aufgabe: Kraftübertragung vom Muskel auf den Knochen.

  • Aufbau: Straffes, parallel ausgerichtetes kollagenes Bindegewebe, das besonders zugfest ist.

  • Besonderheit: Sehnen können Zugkräfte sehr gut aufnehmen, sind jedoch nur begrenzt dehnbar und relativ schlecht durchblutet.

  • Sehnenverlauf: Manche Sehnen verlaufen durch enge Kanäle oder über Knochenvorsprünge und sind dort besonders auf Schutz und Führung angewiesen.

Sehnen können durch Einschnürungen und Haltebänder (Retinacula) in ihrer Position gehalten werden, damit sie bei Bewegungen nicht verrutschen oder von ihrer vorgesehenen Bahn abweichen.

Sehnenscheiden

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Sehnenscheiden (Vaginae synoviales tendinum) sind mit Synovialflüssigkeit gefüllte, röhrenförmige Gleitstrukturen, die bestimmte Sehnen umgeben, insbesondere dort, wo sie über Gelenke oder durch enge Kanäle verlaufen.

Aufgaben:

  • Reibungsarmes Gleiten: Die Synovialflüssigkeit ermöglicht ein nahezu widerstandsloses Gleiten der Sehne.

  • Schutz: Sie schützen die Sehne vor mechanischer Reibung und Belastung, beispielsweise an Knochenvorsprüngen.

  • Führung: Sie halten die Sehne in ihrer vorgesehenen Bewegungsbahn.

  • Erleichterung der Bewegung: Sie ermöglichen flüssige und koordinierte Bewegungen.

Klinischer Bezug: Bei einer Sehnenscheidenentzündung (Tendovaginitis) kommt es zu einer schmerzhaften Entzündung der Sehnenscheide, häufig infolge von Überlastung oder seltener durch eine Infektion.

Faszien

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Faszien (Fasciae) sind bindegewebige Hüllen und Schichten, die Muskeln, Muskelgruppen und weitere Strukturen des Körpers umgeben, voneinander abgrenzen und miteinander verbinden.

Aufgaben:

  • Ummantelung: Sie umhüllen einzelne Muskeln und Muskelgruppen.

  • Gleitfähigkeit: Sie ermöglichen das reibungsarme Verschieben benachbarter Gewebe und Muskeln.

  • Kraftübertragung: Sie unterstützen die Verteilung und Übertragung von Muskelkräften.

  • Stabilisierung: Sie tragen zur mechanischen Unterstützung und räumlichen Organisation des Bewegungsapparates bei.

  • Leitstruktur: Sie bilden Gewebeschichten und Räume, in denen unter anderem Blutgefäße und Nerven verlaufen.

Klinischer Bezug: Faszien können bei Verletzungen, Operationen oder entzündlichen Prozessen betroffen sein. Verklebungen oder Veränderungen ihrer Gleitfähigkeit können mit Bewegungseinschränkungen und Schmerzen einhergehen.

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