EMG

Was genau macht das EMG?

Beim EMG wird eine feine Nadelelektrode in einen Muskel eingeführt.

Gemessen wird:

  • Aktivität in Ruhe
  • Aktivität bei leichter Anspannung
  • Aktivität bei maximaler Anspannung

Damit kann man unterscheiden, ob eine Muskelschwäche durch:

  • einen geschädigten Nerv,
  • den Muskel selbst oder
  • die Verbindung zwischen Nerv und Muskel (z. B. bei Myasthenia gravis)

verursacht wird.


EMG und ENG werden oft zusammen durchgeführt

Das ist wichtig zu wissen.

ENG → untersucht den Nerv

Fragen:

  • Leitet der Nerv richtig?
  • Wie schnell leitet er?
  • Ist er geschädigt?

EMG → untersucht den Muskel

Fragen:

  • Kommt das Nervensignal im Muskel an?
  • Reagiert der Muskel normal?

Ja, Don. Das EMG ist vor allem dann sinnvoll, wenn man wissen möchte:

"Funktioniert der Muskel selbst nicht oder bekommt er nur keine richtigen Nervensignale?"

Es wird deshalb hauptsächlich bei Erkrankungen des peripheren Nervensystems und der Muskeln eingesetzt – weniger bei Erkrankungen des Gehirns.

Typische Einsatzgebiete

Erkrankung EMG sinnvoll? Warum?
Polyneuropathie ⭐⭐⭐ zeigt Nervenschäden und Muskelreaktion
Karpaltunnelsyndrom ⭐⭐⭐ zusammen mit ENG Standarddiagnostik
Bandscheibenvorfall ⭐⭐⭐ Nachweis einer Nervenwurzel-Schädigung
ALS ⭐⭐⭐⭐⭐ eines der wichtigsten Diagnoseverfahren
Muskeldystrophien ⭐⭐⭐⭐ unterscheidet Muskel- von Nervenerkrankungen
Myositis ⭐⭐⭐⭐ typische Veränderungen im Muskel
Myasthenia gravis ⭐⭐⭐⭐⭐ spezielle EMG-Techniken sehr wichtig
Botulismus ⭐⭐⭐⭐ zeigt gestörte Reizübertragung
Guillain-Barré-Syndrom ⭐⭐⭐⭐ zusammen mit ENG sehr hilfreich

Vids

Nadel-EMG

Und Parkinson?

Hier wird es interessant.

Ein EMG kann zwar den Tremor (das Zittern) aufzeichnen, ist aber keine Standarduntersuchung zur Diagnose von Parkinson.

Warum?

Parkinson entsteht durch den Untergang dopaminproduzierender Nervenzellen in der Substantia nigra des Gehirns.

➡️ Die Muskeln und die peripheren Nerven sind zunächst völlig gesund.

Das Problem liegt also im Gehirn, nicht im Muskel.

Ein EMG würde deshalb nicht die eigentliche Ursache zeigen.


Wie wird Parkinson diagnostiziert?

Vor allem durch:

1. Klinische Untersuchung ⭐⭐⭐⭐⭐

Der Neurologe prüft:

  • Tremor
  • Rigor (Muskelsteifigkeit)
  • Bradykinese (Bewegungsverlangsamung)
  • Gleichgewicht
  • Gangbild

Das ist die wichtigste Diagnostik.


2. L-Dopa-Test

Verbessern sich die Symptome deutlich?

Ja → spricht stark für Parkinson.


3. DaTSCAN

Den kennst du schon aus euren Neurologie-Themen.

Er zeigt:

➡️ wie viele Dopamintransporter noch vorhanden sind.

Dadurch kann man Parkinson oft von anderen Tremor-Erkrankungen unterscheiden.


4. MRT

Nicht um Parkinson direkt zu sehen.

Sondern um andere Ursachen auszuschließen:

  • Schlaganfall
  • Tumor
  • Normaldruckhydrozephalus

Wann macht man bei Parkinson trotzdem ein EMG?

Es gibt einige Situationen.

1. Unklarer Tremor

Zum Beispiel:

Ist es

  • Parkinson?
  • Essenzieller Tremor?
  • psychogener Tremor?

Dann kann ein EMG den Tremor analysieren.

Es misst:

  • Frequenz
  • Rhythmus
  • beteiligte Muskeln

2. Verdacht auf mehrere Erkrankungen

Ein älterer Patient hat:

  • Parkinson
  • Diabetes

Kribbeln in den Füßen.

Jetzt stellt sich die Frage:

Kommt die Gangstörung nur vom Parkinson?

Oder zusätzlich von einer Polyneuropathie?

Dann helfen ENG und EMG weiter.


3. Verdacht auf Muskelerkrankung

Hat jemand Parkinson und zusätzlich Muskelschwäche, die sich nicht allein durch die Erkrankung erklären lässt, kann ein EMG klären, ob noch eine zweite neuromuskuläre Erkrankung vorliegt.


Warum hilft das EMG bei ALS, aber nicht bei Parkinson?

Das ist ein schöner Vergleich:

Parkinson ALS
Gehirn betroffen (Basalganglien) Motorische Nervenzellen betroffen (Gehirn und Rückenmark)
Muskel erhält grundsätzlich normale Nervenimpulse Muskel verliert nach und nach seine Nervenversorgung
EMG meist unauffällig oder nur Tremoranalyse EMG zeigt typische krankhafte Veränderungen
Diagnose hauptsächlich klinisch EMG ist ein zentraler Bestandteil der Diagnostik

Merksatz 🧠

Man kann sich merken:

  • EMG beantwortet die Frage: „Arbeiten Muskel und peripherer Nerv richtig zusammen?“
  • MRT/CT beantworten: „Wie sehen Gehirn, Rückenmark oder andere Strukturen aus?“
  • DaTSCAN beantwortet: „Funktioniert das dopaminerge System der Basalganglien noch?“

Deshalb ist das EMG bei Erkrankungen wie ALS, Myasthenia gravis oder Polyneuropathie ein Schlüsselverfahren, während es bei Parkinson eher eine ergänzende Rolle spielt und nur in speziellen Fragestellungen eingesetzt wird.