Bedarfmedikation

Bedarfmedikation (PRN – „pro re nata“)

Bedarfmedikation sind Medikamente, die nicht regelmäßig, sondern nur bei Auftreten bestimmter Symptome gegeben werden. Der Arzt ordnet sie vorher an – inklusive Indikation, Dosierung und maximaler Tagesmenge. Pflegekräfte entscheiden dann situativ, ob der Bedarf wirklich besteht und dokumentieren jede Gabe.

Typische Beispiele

  • Schmerzmittel (z. B. Ibuprofen, Paracetamol)
  • Schlafmittel
  • Bedarfs-Sedativa bei Unruhe
  • Antiemetika bei Übelkeit
  • Laxantien bei Obstipation

Wichtige Bestandteile der ärztlichen Anordnung

  • Medikament + Stärke
  • Indikation („bei Schmerzen > NRS 4“)
  • Einzeldosis
  • Zeitabstand / maximale Tagesdosis

Beispiel: „Ibuprofen 400 mg bei Schmerzen, max. 3× täglich, Abstand mind. 6 h“


Wie entsteht der Medikamentenplan?

Wenn ein Patient aufgenommen wird, passiert normalerweise Folgendes:

  1. Medikationsanamnese → Welche Medikamente nimmt der Patient zu Hause?

  2. Ärztliche Bewertung → Was wird weitergeführt, abgesetzt oder neu angesetzt?

  3. Eintragung in den Plan

Dann gibt es zwei Kategorien:

1. Dauermedikation

Das sind Medikamente, die regelmäßig gegeben werden.

Beispiele:

  • Blutdrucksenker
  • Insulin
  • Schilddrüsenmedikamente
  • Antikoagulantien

Die stehen fest im Plan (z. B. 1-0-1).


2. Bedarfmedikation

Die wird nur gegeben, wenn ein Symptom auftritt.

Beispiele:

  • Ibuprofen bei Schmerzen
  • MCP bei Übelkeit
  • Tavor bei starker Unruhe

Pflege entscheidet hier: Ist der Bedarf da?


Wichtige Regel: Ohne ärztliche Anordnung keine Gabe

Wenn kein Bedarfsmedikament angeordnet ist und der Patient z. B. Kopfschmerzen hat:

👉 Arzt kontaktieren

Denn Pflegekräfte dürfen keine Medikamente eigenständig anordnen.

Es gibt manchmal Ausnahmen durch:

  • Standardanordnungen
  • Stationsstandards

Aber auch diese sind ärztlich abgesegnet.

Wenn nicht: dann muss die Pflege:

  • ➡️ Arzt kontaktieren
  • ➡️ oder eine ärztliche Telefonanordnung bekommen.

Warum nicht einfach vorsorglich Schmerzmittel eintragen?

Eigentlich wird das oft genau so gemacht.

Bei vielen Patienten schreibt der Arzt prophylaktisch z. B.:

  • Paracetamol bei Schmerzen
  • Ibuprofen bei Schmerzen

Warum?

Weil Schmerzen sehr häufig auftreten und man sonst ständig den Arzt anrufen müsste.

Aber: Der Arzt entscheidet Indikation und Dosierung.


Wichtiger Punkt für Prüfungen

Bei Bedarfmedikation muss Pflege immer:

  1. Bedarf prüfen (z. B. Schmerzskala)
  2. Medikament geben laut Anordnung
  3. Wirkung kontrollieren
  4. Dokumentieren

Beispiel Ibuprofen

Ärztliche Anordnung könnte so aussehen:
Ibuprofen 400 mg bei Schmerzen, max. 3× täglich
Dann prüft die Pflege:
Hat der Patient Schmerzen?
Wann war die letzte Gabe?
Ist die Höchstdosis erreicht?
Gibt es Kontraindikationen?
Wenn alles passt → Medikament geben und dokumentieren.

Next