"Mann kann nicht nicht kommunizieren!"
Kommunikationsmodelle
Das Modell von Claude Shannon und Warren Weaver entstand 1948 im technischen Kontext der Nachrichtentechnik. 
Kommunikation wird als linearer Prozess verstanden: Ein Sender kodiert eine Nachricht, übermittelt sie über einen Kanal, und der Empfänger dekodiert sie. Störungen („Rauschen“) können die Übertragung verfälschen. Ursprünglich für Telefon- und Funktechnik gedacht, wurde das Modell später auf menschliche Kommunikation übertragen. Kritik: Es berücksichtigt kaum Gefühle, Beziehung oder Kontext – also alles, was im Pflegealltag regelmäßig „dazwischenfunkt“.
Der Ansatz von Carl Rogers wurde 1951 im Rahmen der klientenzentrierten Gesprächstherapie veröffentlicht. Rogers betont drei Grundhaltungen: Empathie (einfühlendes Verstehen), Kongruenz (Echtheit) und bedingungslose Wertschätzung. Kommunikation ist hier kein Technikmodell, sondern eine Haltung. Ziel ist es, dem Gegenüber einen Raum zu schaffen, in dem persönliches Wachstum möglich wird. Gerade in Pflege und Beratung ist dieser Ansatz Gold wert.
Paul Watzlawick veröffentlichte 1967 mit Kollegen seine fünf Axiome der Kommunikation. Zentral ist: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Jede Mitteilung enthält einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt, wobei die Beziehungsebene meist entscheidend ist. Kommunikation ist immer Ursache und Wirkung zugleich (Interpunktion). Außerdem unterscheidet er zwischen digitaler (verbaler) und analoger (nonverbaler) Kommunikation. Besonders relevant: Missverständnisse entstehen oft nicht wegen des Inhalts, sondern wegen der Beziehungsgestaltung.
Das Kommunikationsmodell von Friedemann Schulz von Thun (1981) beschreibt, dass jede Nachricht vier Botschaften enthält: Sachinhalt, Selbstoffenbarung, Beziehung und Appell. Beispiel: „Es ist kalt hier.“ – Sachlich eine Temperaturangabe, aber vielleicht auch ein Appell („Mach das Fenster zu!“). Je nachdem, mit welchem „Ohr“ der Empfänger hört, entstehen unterschiedliche Interpretationen. Das Modell erklärt sehr anschaulich, warum Konflikte oft aus unterschiedlichen Wahrnehmungen entstehen.
Watzlawick sagt: Beziehung bestimmt Inhalt.
Schulz von Thun zeigt: Jede Nachricht hat eine Beziehungsseite.
Rogers sagt: Gestalte diese Beziehung bewusst wertschätzend.
Watzlawick erklärt, warum Kommunikation schieflaufen kann.
Schulz von Thun zeigt, was alles mitschwingt.
Rogers zeigt, wie man es menschlich und heilsam gestaltet.
Stärken in der Kommunikation
- klar und verständlich
- aktiv zuhören
- offene Körperhaltung
- Blickkontakt schafft vertrauen
- angemessene Distanz
Schwächen in der Kommunikation
- unklar und komplizierte Sprache
- dominantes oder belehrendes Verhalten
- verschränkte Arme, abgewandter Blick
- nicht zuhören
- ins Wort fallen
Erwartungen
- klare Anleitungen und Rückmeldungen
- offene, respektvolle Kommunikation
- Geduld, Respekt, Klarheit und Untertützung
- einfache, verständliche Sprache
Ängste
- Angst vor Kritik, Mißverständnissen
- sprachliche Unsicherheiten
- etwas nicht verstehen
- Entblößung, Scham
Kommunikation
- Kommunikation bedeutet: "teilen, mitteilen, teilnehmen lassen, gemeinsam machen"
- Prozess zum Austausch zwischen Sender und Empfänger
- verbale, paraverbale und nonverbale Botschaften bilden eine Nachricht
- Austausch kann durch Worte, Gesten, Zeichen usw. mitgeteilt werden
Sender -> Empfänger
Signal (kodiert, Botschaft)
Feedback (dekodiert, Reaktion)
Kommunikationsebenen
verbal
- lautsprachlich / schriftsprachlich
- Sachinfos, Fragen, Aufforderungen, Fakten
- „Ich habe Schmerzen.“
- „Könnten Sie mir bitte helfen?“
- „Das Medikament nehme ich nicht.“
- „Ich habe Angst vor der Untersuchung.“
- „Mir ist kalt.“
- „Ich verstehe das nicht.“
- „Danke für Ihre Hilfe.“
- „Ich möchte heute meine Ruhe.“
- „Das fühlt sich besser an.“
- „Wann darf ich nach Hause?“
- → Hier zählt der Inhalt der Worte.
Was ist verbale Kommunikation
Informationsaustausch über Laut- und Schriftsprache
Sprache gibt Auskunft über Herkunft, Bildung und Beziehung zum Gesprächspartner
paraverbal
- Tonfall, Lautstärke, Stimmlage = Stimmeigenschaften
- Laut oder leise sprechen
- Schnell oder langsam sprechen
- Betonung einzelner Wörter
- Zittrige Stimme
- Ironischer Unterton
- Monotones Sprechen
- Langes Zögern vor einer Antwort
- Genervter Klang
- Freundlicher, warmer Ton
- Sehr kurze, abgehackte Antworten
nonverbal
- nicht sprachlich, Sprache des Körpers
- Körper, Objekte (Berufsbekleidung), Raum, Gestik, Kleidung, räumliche Distanz, Mimik, Spielzeug
- Lächeln
- Stirnrunzeln
- Verschränkte Arme
- Zittern
- Blickkontakt vermeiden
- Aufrechte vs. zusammengesunkene Haltung
- Seufzen
- Erröten
- Distanz oder Nähe suchen
- Tränen in den Augen
häufig unbewusst gesendet
geben Auskunft über Befinden, Art und Tiefe der Beziehung
nonverbale Ausdruckformen müssen interpretiert werden
→ Gerade in der Pflege extrem wichtig: Patienten sagen oft „Alles gut“, während ihr Körper schreit: „Ist es nicht!“
Kongruenz ist die Übereintimmung zwischen verbalem und nonverbalem Ausdruck
wenn sie nicht zusammenpassen, ist die Kommunkation inkongruent
reine Information wirkt u.U. distanzierend
„Ich habe keine Zeit.“
Das klingt schnell nach: „Sie sind gerade nicht wichtig.“
👉 Besser:
„Ich bin gerade noch bei einem anderen Patienten, komme aber so bald wie möglich zu Ihnen.“
„Geben Sie mir bitte ein paar Minuten, ich bin gleich für Sie da.“
„Ich sehe, dass Sie etwas brauchen – ich kümmere mich gleich darum.“
→ Du nimmst den Patienten wahr, auch wenn du gerade im Stress bist.
„Sie müssen warten.“
Klingt nach Amtsschalter 1987.
👉 Besser:
„Ich bitte Sie noch um einen kleinen Moment Geduld.“
„Ich bin gleich bei Ihnen, danke fürs Warten.“
„Es dauert noch ein paar Minuten, aber ich habe Sie im Blick.“
→ Gleiche Botschaft, aber mit Respekt verpackt.
„Ich verstehe Sie nicht.“
Das kann schnell wie ein Vorwurf wirken.
👉 Besser:
„Könnten Sie das bitte noch einmal anders formulieren?“
„Ich bin mir gerade nicht sicher, ob ich Sie richtig verstanden habe.“
„Meinen Sie, dass …?“ (und dann paraphrasieren)
→ Das signalisiert Interesse statt Abwehr.
Einflussfaktoren
Biologische Faktoren
Hier geht’s um körperliche Voraussetzungen.
Beispiele:
Ein 85-jähriger Patient mit Hörminderung versteht dich schlecht → du musst lauter oder deutlicher sprechen.
Ein Schlaganfall-Patient mit Aphasie kann Worte nicht richtig bilden.
Ein dementer Mensch verarbeitet Sprache langsamer.
Schmerzen beeinflussen Konzentration – jemand hört dir zu, kann aber nichts aufnehmen.
Ein Kind im Kleinkindalter hat schlicht noch nicht den Wortschatz.
→ Körper beeinflusst Kommunikation direkt.
Soziokulturelle Faktoren
Hier spielt Prägung eine große Rolle.
Beispiele:
Patient mit anderer Muttersprache versteht medizinische Begriffe nicht.
Fachjargon wie „Mobilisation“ verwirrt Angehörige.
Manche Kulturen vermeiden direkten Blickkontakt – was wir fälschlich als Unsicherheit deuten.
Ältere Generationen sprechen Pflegekräfte mit „Fräulein“ an.
Unterschiedliche Rollenbilder (z. B. Mann entscheidet für Ehefrau).
→ Missverständnisse entstehen oft nicht aus böser Absicht, sondern aus Prägung.
Psychische Faktoren
Hier wird’s emotional.
Beispiele:
Ein ängstlicher Patient hört nur Risiken heraus.
Jemand mit geringem Selbstwert fragt nicht nach, obwohl er nichts versteht.
Wut oder Trauer blockieren sachliche Gespräche.
Eigener Stress im Spätdienst → du klingst schärfer als beabsichtigt.
Sympathie oder Antipathie beeinflussen deine Geduld.
→ Stimmung färbt Botschaften ein.
Umgebungsfaktoren
Das unterschätzt man brutal.
Beispiele:
Fernseher läuft, Mitpatient hört mit.
Piepsender Monitor stört Konzentration.
Gespräch im Türrahmen statt auf Augenhöhe.
Angehörige mischen sich ein.
Zeitdruck erzeugt Hektik im Tonfall.
→ Gleicher Satz, anderes Setting = völlig andere Wirkung.
Fragen
🔓 Offene Fragen
(Ermöglichen ausführliche Antworten.)
„Wie fühlen Sie sich heute?“
„Was macht Ihnen im Moment am meisten Sorgen?“
„Wie erleben Sie die Schmerzen?“
👉 Gut für Anamnese, Beziehung, Exploration.
🔒 Geschlossene Fragen
(Nur Ja/Nein oder kurze Fakten.)
„Haben Sie Schmerzen?“
„Ist Ihnen schwindelig?“
„Haben Sie heute gegessen?“
👉 Gut für schnelle Klärung, weniger für Beziehung.
🔀 Alternativfragen
(Zwei Optionen zur Auswahl.)
„Möchten Sie jetzt gewaschen werden oder nach dem Frühstück?“
„Lieber Tee oder Wasser?“
👉 Gibt Struktur, aber trotzdem Mitbestimmung.
🎯 Suggestivfragen
(Lenken in eine bestimmte Richtung.)
„Sie möchten doch bestimmt, dass die Wunde gut heilt, oder?“
„Das war doch gar nicht so schlimm, oder?“
👉 Vorsicht: Kann manipulativ wirken.
🕵️ Detailfragen
(Präzisieren Angaben.)
„Wo genau sitzen die Schmerzen?“
„Seit wann besteht das Problem?“
„Wie stark auf einer Skala von 0–10?“
👉 Wichtig für Pflegeplanung.
🔎 Problem-Analyse-Fragen
(Hintergründe verstehen.)
„Was glauben Sie, warum Sie nachts so unruhig sind?“
„In welchen Situationen tritt die Atemnot besonders auf?“
👉 Ursachen erkennen statt nur Symptome behandeln.
🧭 Zielfragen
(Richten den Blick nach vorn.)
„Was wäre heute ein gutes Ergebnis für Sie?“
„Was müsste passieren, damit Sie sich sicherer fühlen?“
👉 Sehr motivierend und ressourcenorientiert.
🔁 Kontrollfragen / Paraphrasieren
(Sicherstellen, dass man richtig verstanden hat.)
„Wenn ich Sie richtig verstehe, haben die Schmerzen gestern begonnen?“
„Sie sagen, dass Ihnen vor allem die Unsicherheit Angst macht – stimmt das?“
👉 Verhindert Missverständnisse und zeigt Zuhören.
🎭 Taktische Fragen
(Oft strategisch eingesetzt.)
„Was würde passieren, wenn wir das Medikament weglassen?“
„Wie wichtig ist Ihnen Ihre Selbstständigkeit?“
👉 Können Motivation oder Einsicht fördern.
Personenzentrierter Ansatz
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22nd Feb 2026
nach Carl Rogers
Jeder Mensch trägt alles, was er zur Entwicklung braucht bereits in sich, man muss ihm nur helfen, es zu entdecken.
Carl Ransom Rogers (* 8. Januar 1902 in Oak Park, Illinois; † 4. Februar 1987 in La Jolla, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Psychologe und Psychotherapeut,...
Vier-Seiten-Modell
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22nd Feb 2026
Friedemann Schulz von Thun: Die Geheimnisse guter Kommunikation
tolles Interview bei Hotel Matze
Podcast - ca. 23 min
Besser kommunizieren - mit Prof. Dr. Schulz von Thun | Podcast
Friedemann Schulz von Thun (* 6. August 1944 in Soltau) ist ein deutscher Kommunikationspsychologe,
Profes...
Paul Watzlawick
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22nd Feb 2026
Man kann nicht Nicht kommunizieren
Paul Watzlawick
Paul Watzlawick - Wenn die Loesung das Problem ist (1987)
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Paul Watzlawick - Die Therapie des "Als-Ob" (Vortrag, 1998)
Audio eines Vortrags
Paul Anton Watzlawick (* 25. Juli 1921 in Villach, Kärnten; † 31. März 200...
Shannon-Weaver-Modell
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22nd Feb 2026
5 Elemente
Botschaft (der Inhalt, also das, was gemeint ist)
Signal (die technische Übertragungsform dieser Botschaft)
Kanal
Decodierung
Störung
7 Elemente
Informationsquelle (Sender)
Transmitter (Encoder)
Signal
Kanal
Störquelle (Noise)
Receiver (Decoder)
Ziel (Emp...