Miktion

Vorgang der Miktion

1. Blasenfüllung (Speicherphase)

Ablauf

  • Die Blase füllt sich → die Dehnungsrezeptoren im Detrusormuskel registrieren die Wandspannung.
  • Diese schicken afferente Signale ins Rückenmark (Segmente S2–S4).
  • Von dort gehen Infos aufsteigend ins Gehirn, besonders zum pontinen Miktionszentrum.

Nervensystem

  • Sympathikus (Th11–L2) aktiv

    • Detrusor → entspannt
    • innerer Sphinkter → kontrahiert
  • Somatisches Nervensystem (N. pudendus)

    • äußerer Sphinkter → willkürlich angespannt

👉 Ergebnis: Blase speichert Urin.


2. Entscheidungsphase (im Gehirn)

Jetzt kommt das ZNS wirklich ins Spiel.

Das Gehirn (Frontalhirn + pontines Miktionszentrum) entscheidet:

  • noch halten oder
  • entleeren

Darum können Erwachsene die Miktion bewusst kontrollieren.


3. Entleerungsphase (Miktion)

Wenn das Gehirn „OK“ gibt:

  • Aktivierung Parasympathikus (S2–S4)

Wirkung

  • Detrusor → kontrahiert
  • innerer Sphinkter → erschlafft
  • äußerer Sphinkter → willkürlich entspannt

👉 Urin fließt.


Deine Kernfrage

Läuft das über das ZNS oder direkt im Rückenmark?

Beides.

Es gibt zwei Ebenen:

  1. Spinaler Reflex (S2–S4) → funktioniert sogar ohne Gehirn → z.B. bei Querschnittslähmung

  2. Kontrolle durch das Gehirn → pontines Miktionszentrum + Großhirn → sorgt für willkürliche Kontrolle


Mini-Merkschema (Pflegeprüfung-tauglich)

Speichern

  • Sympathikus aktiv
  • Detrusor relaxiert
  • Sphinkter kontrahiert

Entleeren

  • Parasympathikus aktiv
  • Detrusor kontrahiert
  • Sphinkter relaxiert

Kleiner klinischer Bonus 🩺

Bei Querschnitt oberhalb S2–S4:

  • Reflex bleibt erhalten
  • aber keine Kontrolle durch das Gehirn
  • Ergebnis: Reflexblase

Bei Schädigung S2–S4:

  • Reflex fällt aus
  • Ergebnis: schlaffe Blase / Überlaufinkontinenz

Alles klar, Don – hier kommt die pflegeprüfungstaugliche Miktion in 6 Schritten. Wenn man das einmal verinnerlicht hat, versteht man plötzlich viele Krankheitsbilder viel besser. 🚽🧠


Miktion – 6-Schritte-Kette

1. Blasenfüllung

Urin fließt aus den Ureteren in die Harnblase.

Physiologie

  • Detrusormuskel entspannt
  • innerer Sphinkter kontrahiert
  • äußerer Sphinkter willkürlich angespannt

👉 Der Sympathikus dominiert → Speicherung.


2. Dehnung der Blasenwand

Mit zunehmender Füllung wird die Blasenwand gedehnt.

Rezeptoren

  • Dehnungsrezeptoren im Detrusor registrieren den Druck
  • afferente Nerven → Rückenmark (S2–S4)

3. Signal an Gehirn

Die Information steigt weiter auf zum:

  • pontinen Miktionszentrum
  • Großhirn (Frontalhirn)

👉 Jetzt entsteht das bewusste Gefühl: „Ich muss mal.“


4. Entscheidung

Das Gehirn prüft die Situation:

  • sozial passend?
  • Toilette vorhanden?

Dann zwei Möglichkeiten:

Halten

  • äußerer Sphinkter bleibt angespannt

oder

Entleeren


5. Aktivierung Parasympathikus

Wenn entleert werden soll:

  • Parasympathikus S2–S4 aktiviert

Wirkung

  • Detrusor kontrahiert
  • innerer Sphinkter erschlafft

6. Öffnung äußerer Sphinkter

Willkürlich wird der äußere Harnröhrensphinkter entspannt.

👉 Urin fließt → Miktion

Danach beginnt wieder die Speicherphase.


Der versprochene Merk-Trick 😄

Stell dir vor:

Sympathikus = Stressmodus

Wenn du vor einem Säbelzahntiger stehst, wäre es ungünstig:

„Moment bitte, ich muss noch kurz pinkeln.“

Darum:

Sympathikus → Blase speichern


Parasympathikus = Entspannungsmodus

Wenn du ruhig sitzt:

👉 „Jetzt kann der Körper loslassen.“

Parasympathikus → Blase entleeren


Klinischer Mini-Bonus (prüfungsbeliebt)

Reflexblase

  • Läsion oberhalb S2–S4
  • Miktion läuft nur reflexartig

Schlaffe Blase

  • Schädigung S2–S4
  • Detrusor arbeitet nicht → Überlaufinkontinenz

Ja, Don – exakt so ist es. 👍 Die beiden Sphinkter unterscheiden sich tatsächlich in der Muskelart, und genau das erklärt auch ihre unterschiedliche Steuerung.

Harnröhrensphinkter

Innerer Harnröhrensphinkter (M. sphincter urethrae internus)

Muskelart

  • glatte Muskulatur

Steuerung

  • vegetatives Nervensystem
  • nicht willentlich kontrollierbar

Funktion

  • hält die Harnröhre während der Speicherphase geschlossen
  • wird bei der Miktion durch Parasympathikus relaxiert

Besonderheit

Bei Männern verhindert er zusätzlich, dass Sperma in die Blase zurückfließt (retrograde Ejakulation).


Äußerer Harnröhrensphinkter (M. sphincter urethrae externus)

Muskelart

  • quergestreifte Skelettmuskulatur

Steuerung

  • somatisches Nervensystem
  • über den Nervus pudendus (S2–S4)

Funktion

  • willkürliche Kontrolle der Miktion
  • wir können ihn bewusst anspannen oder entspannen

Kurzvergleich (prüfungsfreundlich)

Struktur Muskelart Steuerung Kontrolle
innerer Sphinkter glatte Muskulatur vegetativ unwillkürlich
äußerer Sphinkter quergestreifte Muskulatur N. pudendus willkürlich

Kleiner physiologischer Trick

Warum braucht der Körper zwei Sphinkter?

Der innere arbeitet automatisch wie ein Grundverschluss. Der äußere ist die Notbremse für soziale Situationen.

Oder weniger akademisch gesagt:

Der innere sagt: „Blase bleibt zu.“ Der äußere sagt: „…auch wenn die Autobahnraststätte noch 5 km entfernt ist.“ 😄


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