Nancy Roper (* 29. September 1918 in Wetheral, Cumberland, England; † 5. Oktober 2004 in Edinburgh, Schottland) war eine britische Pflegewissenschaftlerin. Zusammen mit Winifred W. Logan und Alison Tierney gehörte sie zu den Schöpfern eines an der Universität von Edinburgh entwickelten Pflegemodells der Lebensaktivitäten (LA). Pflegemodell der Lebensaktivitäten

Ausgangspunkt und pflegetheoretischer Ansatz von Roper, Logan und Tierney (auch als RLT-Pflegemodell bekannt, nach den Anfangsbuchstaben der Autorennamen) ist ein auf Handlungen ausgerichtetes Lebensmodell. Diese Handlungen vollzieht jeder Mensch tagtäglich und zeitlebens und können zwölf Aktivitätsbereichen zugeordnet werden – den Lebensaktivitäten. Die zwölf Lebensaktivitäten sind:
Für eine sichere Umgebung sorgen
Kommunizieren
Atmen
Essen und Trinken
Ausscheiden
Sich sauber halten und kleiden
Körpertemperatur regeln
Sich bewegen
Arbeiten und Spielen
Sich als Mann, Frau fühlen und verhalten
Schlafen
Sterben
Zum anderen gingen die Theoretikerinnen um Roper davon aus:
dass die Durchführung von Handlungen durch verschiedene körperliche, psychische, sozio-kulturelle, umgebungsabhängige und politisch-ökonomische Faktoren in der Art beeinflusst wird
dass dadurch ein individueller Grad an Abhängigkeit bzw. Unabhängigkeit von pflegerischer Unterstützung entsteht.
Konzeptionell zeigen die Lebensaktivitäten eine starke Ähnlichkeit gegenüber den 14 Grundbedürfnissen des Pflegemodells von Virginia Henderson auf. Andere Pflegetheoretiker (zum Beispiel Monika Krohwinkel, Liliane Juchli, Christoph Abderhalden) haben den Ansatz von Roper, Tierney und Logan aufgegriffen, weiterentwickelt und präzisiert. Ab dem Jahr 1961 verbanden die Pflegewissenschaftlerin Antje Grauhan sowie die Medizinhistoriker Heinrich Schipperges und Eduard Seidler die alte hippokratische Tradition sukzessive mit den Pflegetheorien von Faye Glenn Abdellah, Virginia Henderson sowie Roper, Logan, Tierney. Nicht zuletzt durch die Arbeiten von Ruth Schröck, Monika Krohwinkel und Liliane Juchli hat der Theorieansatz von Roper, Logan und Tierney den größten Bekanntheitsgrad in der heutigen Kranken- und Altenpflege im deutschsprachigen Raum erlangt. Die Pflegetheorie von Virginia Henderson wurde allerdings Teil der Statuten des International Council of Nurses (ICN).
Nancy Roper – Modell der Aktivitäten des täglichen Lebens
Nancy Roper war eine britische Pflegewissenschaftlerin, die gemeinsam mit Winifred W. Logan und Alison J. Tierney ein Pflegemodell entwickelte, das bis heute in der Ausbildung und Praxis weit verbreitet ist: das Modell der Aktivitäten des täglichen Lebens (ATL).
Im Zentrum steht eine eigentlich ziemlich simple, aber geniale Idee: Pflege richtet sich danach, wie selbstständig ein Mensch seinen Alltag bewältigen kann.
Grundidee
Das Modell beschreibt 12 grundlegende Lebensaktivitäten, die jeder Mensch – mehr oder weniger selbstständig – ausführt. Ziel der Pflege ist es, diese Selbstständigkeit zu erhalten, zu fördern oder wiederherzustellen.
Dabei wird immer berücksichtigt:
- Wie abhängig ist der Patient?
- Was kann er noch selbst?
- Wo braucht er Unterstützung?
Kurz gesagt: Nicht „Was hat der Patient?“, sondern „Was kann der Patient (noch)?“
Die 12 Aktivitäten (ATL)
- Für eine sichere Umgebung sorgen
- Kommunizieren
- Atmen
- Essen und Trinken
- Ausscheiden
- Sich waschen und kleiden
- Körpertemperatur regulieren
- Sich bewegen
- Arbeiten und spielen
- Sich als Mann/Frau fühlen und verhalten
- Schlafen
- Sterben
Einflussfaktoren
Die ATL werden nicht isoliert betrachtet. Sie hängen immer von verschiedenen Faktoren ab:
- Biologische Faktoren (Alter, Erkrankungen)
- Psychologische Faktoren (Angst, Motivation)
- Soziokulturelle Faktoren (Gewohnheiten, Werte)
- Umweltfaktoren (Wohnsituation, Hilfsmittel)
- Politisch-ökonomische Faktoren (z. B. Zugang zu Pflege)
Pflegepraxis – was bedeutet das konkret?
Das Modell hilft dir dabei, strukturiert zu denken (und nicht im Pflegealltag komplett im Chaos zu versinken 😄):
Beispiel: Ein Patient mit Pneumonie → Problem nicht nur „Lunge entzündet“, sondern:
- ATL „Atmen“ eingeschränkt
- ATL „Bewegen“ reduziert
- ATL „Essen/Trinken“ evtl. beeinträchtigt
👉 Pflege wird dadurch automatisch ganzheitlicher.
Ziele des Modells
- Förderung der Selbstständigkeit
- Erhaltung der Lebensqualität
- Individuelle Pflege statt „Schema F“
- Besseres Verständnis für den Menschen hinter der Diagnose
Das Modell von Nancy Roper beschreibt Pflege anhand von 12 Aktivitäten des täglichen Lebens. Es stellt die Selbstständigkeit des Menschen in den Mittelpunkt und hilft Pflegekräften, Bedürfnisse systematisch zu erkennen und individuell darauf zu reagieren.
AEDL nach Monika Krohwinkel
Die 13 AEDL (Aktivitäten und existenzielle Erfahrungen des Lebens):
- Kommunizieren können
- Sich bewegen können
- Vitale Funktionen aufrechterhalten
- Sich pflegen können
- Essen und trinken können
- Ausscheiden können
- Sich kleiden können
- Ruhen und schlafen können
- Sich beschäftigen können
- Sich als Mann/Frau fühlen und verhalten können
- Für eine sichere Umgebung sorgen können
- Soziale Bereiche sichern können
- Mit existenziellen Erfahrungen des Lebens umgehen können
Zum Vergleich: Die 12 Aktivitäten des täglichen Lebens (ATL) nach Nancy Roper sind etwas „körperlicher“ und strukturierter aufgebaut – stark an beobachtbaren Aktivitäten orientiert.
Krohwinkel (AEDL):
- → stärker ganzheitlich & pflegewissenschaftlich erweitert
- → betont existenzielle Erfahrungen (z. B. Angst, Abhängigkeit, Sterben)
- → Fokus auf Selbstständigkeit & Ressourcen
Roper (ATL):
- → eher funktional & beobachtbar
- → klar strukturierte Lebensaktivitäten
- → mehr Fokus auf das „Was kann der Patient konkret tun?“
Pflegerisch gedacht:
Roper = super für Basics & Struktur („kann er essen, atmen, sich bewegen?“)
Krohwinkel = besser für Tiefe & Pflegeplanung („wie geht er mit Krankheit, Angst, Abhängigkeit um?“)
Roper fragt: „Was macht der Mensch?“
Krohwinkel fragt: „Wie erlebt der Mensch das Ganze?“