Pneumotorax


Pneumothorax – Pathophysiologie, Formen, Diagnostik und Therapie

Zusammenfassung

Der Pneumothorax bezeichnet das Vorhandensein von Luft im Pleuraspalt, was zu einem partiellen oder vollständigen Kollaps der Lunge führen kann. Abhängig von Ursache, Ausprägung und Dynamik reicht das klinische Bild von asymptomatisch bis hin zu einem lebensbedrohlichen Notfall. Der folgende Artikel gibt einen Überblick über Entstehung, Klassifikation, Diagnostik und Therapie des Pneumothorax.


1. Definition

Ein Pneumothorax ist definiert als eine pathologische Ansammlung von Luft im Pleuraspalt zwischen viszeralem und parietalem Pleuraanteil. Durch den Verlust des physiologisch negativen intrapleuralen Drucks kommt es zu einer verminderten Lungenausdehnung bis hin zum Kollaps.


2. Anatomische und physiologische Grundlagen

Im gesunden Zustand sorgt der negative Druck im Pleuraspalt dafür, dass die Lunge der Thoraxwand anliegt und sich bei der Inspiration entfalten kann. Gelangt Luft in diesen Raum, wird dieser Unterdruck aufgehoben, wodurch elastische Rückstellkräfte der Lunge zu einem Kollaps führen.


3. Klassifikation des Pneumothorax

3.1 Spontanpneumothorax

  • Primärer Spontanpneumothorax
    Tritt ohne erkennbare Lungenerkrankung auf, häufig bei jungen, schlanken Männern. Ursache sind meist subpleurale Bullae.

  • Sekundärer Spontanpneumothorax
    Folge einer bestehenden Lungenerkrankung wie COPD, Lungenemphysem, Asthma bronchiale oder Lungenfibrose.

3.2 Traumatischer Pneumothorax

Entsteht infolge eines stumpfen oder penetrierenden Thoraxtraumas, z. B. durch Rippenfrakturen, Stichverletzungen oder Verkehrsunfälle.

3.3 Iatrogener Pneumothorax

Verursacht durch medizinische Maßnahmen, etwa bei:

  • ZVK-Anlage
  • Pleurapunktion
  • invasiver Beatmung (Barotrauma)

3.4 Spannungspneumothorax

Sonderform mit Ventilmechanismus, bei der Luft in den Pleuraspalt eintritt, aber nicht entweichen kann. Dies führt zu:

  • zunehmendem intrathorakalen Druck
  • Mediastinalverlagerung
  • vermindertem venösem Rückstrom → akuter vitaler Notfall

4. Klinische Symptomatik

Die Symptome hängen von Größe und Geschwindigkeit der Luftansammlung ab:

  • plötzliche Dyspnoe
  • stechender Thoraxschmerz
  • Tachypnoe
  • Tachykardie
  • verminderte Atemgeräusche auf der betroffenen Seite
  • hypersonorer Klopfschall

Beim Spannungspneumothorax zusätzlich:

  • Hypotonie
  • Halsvenenstauung
  • Zyanose
  • Bewusstseinsstörung

5. Diagnostik

5.1 Klinische Untersuchung

  • Inspektion: asymmetrische Thoraxbewegung
  • Palpation: verminderter Stimmfremitus
  • Perkussion: hypersonorer Klopfschall
  • Auskultation: fehlende oder abgeschwächte Atemgeräusche

5.2 Bildgebende Verfahren

  • Röntgen-Thorax: Standarddiagnostik
  • CT-Thorax: Goldstandard bei unklaren Befunden
  • Sonographie: schnell und bedside-fähig (fehlendes Lungengleiten)

6. Therapie

Die Therapie richtet sich nach Ausmaß, Ursache und klinischem Zustand des Patienten.

6.1 Konservativ

  • Beobachtung
  • Sauerstoffgabe
  • geeignet bei kleinem, asymptomatischem Pneumothorax

6.2 Interventionell

  • Nadeldekompression (Notfallmaßnahme)
  • Thoraxdrainage (Bülau-Drainage)

6.3 Operativ

  • VATS (videoassistierte Thorakoskopie)
  • Pleurodese bei Rezidiven

7. Prognose und Komplikationen

Die Prognose ist bei rechtzeitiger Behandlung meist gut. Rezidivraten sind insbesondere beim primären Spontanpneumothorax erhöht. Mögliche Komplikationen umfassen:

  • Rezidivpneumothorax
  • Infektionen
  • Lungenödeme nach Reexpansion

8. Bedeutung für Pflege und klinische Praxis

Pflegefachkräfte spielen eine zentrale Rolle bei:

  • Überwachung der Atmung und Vitalparameter
  • Drainagenmanagement
  • Früherkennung von Komplikationen
  • Patientenedukation (z. B. Rauchstopp)

Fazit

Der Pneumothorax ist ein häufiges und potenziell lebensbedrohliches Krankheitsbild, dessen rasche Erkennung und adäquate Behandlung entscheidend für die Prognose sind. Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Medizin und Pflege ist dabei essenziell.

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