Der Barthel-Index ist ein Verfahren zur systematischen Erfassung (Assessment) grundlegender Alltagsfunktionen (vgl. ADL-Score) – vor allem in der Geriatrie. Dabei werden vom Arzt oder vom Pflegepersonal 10 unterschiedliche Tätigkeitsbereiche mit Punkten bewertet.
Formulare zum Ausdrucken:
Barthel_Index.pdf
Barthel-Index.pdf
Beim Barthel-Index handelt es sich um einen Bewertungs-Index zur Beurteilung der Selbständigkeit von Patienten mit gesundheitlichen Störungen der Nerven, Muskeln und des Bewegungsapparates.
Diese Beurteilung ist unerlässlich, wenn das Potential eines erkrankten Patienten zur Wiedereingliederung in das alltägliche Leben eingeschätzt werden soll. Hierbei steht die Beurteilung der Fähigkeit, sich im Alltag selbst zu versorgen, im Vordergrund. Durch regelmäßiges, wiederholtes Durchführen des Tests ist eine Beurteilung von Fortschritten in der Selbstversorgung möglich.
Der BI bildet zudem die Grundlage zur Einstufung des Pflegegrades eines Patienten. Krankenkassen verwenden neben der Diagnose eines Patienten die im Barthel-Index ermittelte Punktzahl zur Festlegung der Rehabilitationsmaßnahmen, die der Patient erhalten soll.
Das Barthel-Bewertungsinstrument wurde bereits 1965 von der amerikanischen Physiotherapeutin Dorothea W. Barthel und der Ärztin Dr. Florence I. Mahoney entwickelt und seitdem in zahlreichen Studien eingesetzt und angepasst.4
Zudem ist der BI zum Standard-Bewertungsmaßstab im Bereich der medizinischen Pflege geworden und in Deutschland vor allem auch bei der Beurteilung durch Kostenträger und den Medizinischen Dienst der Krankenkassen relevant.5,6
Nach dem Hamburger Einstufungsmanual zum Barthel-Index wird dieser im klinischen Bereich primär in der Geriatrie eingesetzt, also einer medizinischen Fachdisziplin, die sich mit älteren Menschen beschäftigt. Mit dem BI können aber vor allem auch Langzeitfolgen eines Schlaganfalls beurteilt werden.7
Die Skala des Barthel-Index umfasst und beschreibt zehn Aufgaben, die nach Zeitaufwand und benötigter Hilfe des Patienten bewertet werden. Die Gesamtpunktzahl, die in diesem Testverfahren erzielt werden kann, beträgt 100. Niedrigere Gesamtpunktzahlen stehen hierbei für erhöhte Pflegebedürftigkeit.
| Funktion | Bewertung | Punkte |
|---|---|---|
| Essen | Unfähig, allein zu essen | 0 |
| Braucht etwas Hilfe, z.B. beim Fleisch schneiden oder Butter auftragen | 5 | |
| Selbständig, benötigt keine Hilfe | 10 | |
| Baden | Abhängig von fremder Hilfe | 0 |
| Selbständig, benötigt keine Hilfe | 5 | |
| Körperpflege (Rasieren, Kämmen, Zähneputzen) |
Abhängig von fremder Hilfe | 0 |
| Selbständig, benötigt keine Hilfe | 5 | |
| An- und Auskleiden (einschließlich Schuhe binden, Knöpfe schließen) |
Unfähig, sich allein an- und auszuziehen | 0 |
| Braucht etwas Hilfe, kann aber ca. 50 % allein durchführen | 5 | |
| Selbständig, benötigt keine Hilfe | 10 | |
| Stuhlkontrolle | Inkontinent | 0 |
| Gelegentlich inkontinent (max. 1x pro Woche) | 5 | |
| Ständig kontinent | 10 | |
| Urinkontrolle | Inkontinent | 0 |
| Gelegentlich inkontinent (max. 1x pro Tag) | 5 | |
| Ständig kontinent | 10 | |
| Toilettenbenutzung | Abhängig von fremder Hilfe | 0 |
| Benötigt Hilfe wg. fehlenden Gleichgewichts oder beim Ausziehen | 5 | |
| Selbständig, benötigt keine Hilfe | 10 | |
| Bett- bzw. Stuhltransfer | Abhängig von fremder Hilfe, fehlende Sitzbalance | 0 |
| Erhebliche physische Hilfe beim Transfer erforderlich, Sitzen selbständig | 5 | |
| Geringe physische bzw. verbale Hilfe oder Beaufsichtigung erforderlich | 10 | |
| Selbständig, benötigt keine Hilfe | 15 | |
| Mobilität | Immobil bzw. Strecke < 50 m | 0 |
| Unabhängig mit Rollstuhl, incl. Ecken, Strecke > 50 m | 5 | |
| Unterstütztes Gehen möglich, Strecke > 50 m | 10 | |
| Selbständiges Gehen möglich (Hilfsmittel erlaubt), Strecke > 50 m | 15 | |
| Treppensteigen | Unfähig, allein Treppen zu steigen | 0 |
| Benötigt Hilfe oder Überwachung beim Treppensteigen | 5 | |
| Selbständiges Treppensteigen möglich | 10 |
Der Aussagewert des Barthel-Index ist beschränkt. So gibt ein Score-Wert von 100 Punkten lediglich an, dass ein Patient in der Lage ist, alle im Score aufgeführten Aktivitäten durchzuführen. Daraus ergibt sich jedoch nicht zwangsläufig, dass der Patient in der Lage ist, sein Leben selbständig und eigenverantwortlich zu führen. Komplexe Tätigkeiten wie Einkaufen, Haushaltsführung, Behördengänge werden vom Barthel-Index nicht erfasst.
Eine Alltagstauglichkeit des BI ergibt sich dadurch, dass die Fragen des Barthel-Index sowohl bei einem persönlichen Gespräch mit dem Patienten oder dessen Angehörigen, als auch telefonisch und sogar in Briefform beantwortet werden können. Zudem kann der Test durch Beobachtung des Patienten innerhalb einer Klinik oder Pflegeeinrichtung erfolgen, aber auch durch Befragung von Augenzeugen.6
Daraus ergibt sich jedoch ein Schwachpunkt des Barthel-Index, da dieser nicht auf eine bestimmte Umgebung standardisiert ist. Ein Beispiel, bei dem diese fehlende Standardisierung entscheidend sein kann, betrifft den Punkt des Treppensteigens. Wohnt der Patient in einer Pflegeeinrichtung mit einem breiten Treppenhaus, so kann er die Treppe möglicherweise bewältigen, während er bei gleicher körperlicher Verfassung die steile, enge Wendeltreppe im eigenen Haus nicht mehr bewältigen kann. Daraus ergibt sich eine rein ortsbedingte Verbesserung, die sich bei Anwendung des Barthel-Index jedoch fälschlicherweise als Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit darstellt.