Hauptgruppen
Typische Bedarfmedikation auf Station
1. Schmerzen (Analgetika)
Kurztext Schmerzmittel gehören zur häufigsten Bedarfmedikation. Vor der Gabe wird meist eine Schmerzskala (NRS) genutzt. Wichtig sind maximale Tagesdosis und Zeitabstand.
Typische Medikamente
- Paracetamol
- Ibuprofen
- Metamizol
- Diclofenac
- Tramadol
Typische Indikation
- Kopfschmerzen
- postoperative Schmerzen
- Gelenkschmerzen
2. Obstipation (Laxantien)
Kurztext Verstopfung ist im Krankenhaus extrem häufig: wenig Bewegung, Schmerzmittel, andere Ernährung. Deshalb fast immer Bedarfsmedikation vorhanden.
Typische Medikamente
- Lactulose
- Macrogol
- Bisacodyl
- Natriumpicosulfat
Pflegerisch
- Stuhlprotokoll
- Flüssigkeit fördern
- Bewegung anregen
3. Übelkeit / Erbrechen (Antiemetika)
Kurztext Nach Operationen, bei Infekten oder Medikamentennebenwirkungen häufig. Wirksamkeit sollte nach ca. 30–60 min kontrolliert werden.
Typische Medikamente
- Metoclopramid MCP
Im Gehirn werden durch Metoclopramid Dopaminrezeptoren (vornehmlich Typ D2) blockiert.
Darin liegt seine antiemetische Wirksamkeit, da Dopamin so an der chemorezeptiven Trigger-Zone der Area postrema nicht mehr angreifen kann.
Metoclopramid exprimiert aber auch eine Affinität zu Serotoninrezeptoren der Untergruppe 5-HT3 und entfaltet dort eine antagonistische Wirkung,
was auch zum antiemetischen Effekt beiträgt.
Deswegen ist Metoclopramid ein antidopaminerg und antiserotonerg wirksames Medikament.
Es regt die Peristaltik im oberen Magen-Darm-Trakt an und beschleunigt die Magenpassage der Nahrung.
Dies geschieht über eine Motilitätssteigerung der Muskulatur (Agonismus an den 5-HT4-Rezeptoren)
und einen verminderten Tonus des Pylorus (prokinetische Wirkung). - Ondansetron
- Dimenhydrinat
Pflegerisch
- Oberkörper hoch lagern
- kleine Flüssigkeitsmengen anbieten
- Aspirationsgefahr beachten
4. Unruhe / Angst / Schlafstörungen
Kurztext Besonders häufig bei älteren Patienten, Delir, Krankenhausstress oder Schlafproblemen.
Typische Medikamente
- Lorazepam
- Melperon
- Pipamperon
- Zolpidem
Pflegerisch
- Reorientierung
- ruhige Umgebung
- Schlafhygiene
5. Durchfall (Antidiarrhoika)
Kurztext Nicht jeder Durchfall wird sofort medikamentös behandelt – oft erst bei stärkerer Symptomatik.
Typische Medikamente
- Loperamid
- Perenterol
Pflegerisch
- Flüssigkeitsbilanz
- Elektrolyte beachten
- Hygiene (Infektionsschutz!)
6. Fieber
Kurztext Oft wird ein Medikament gleichzeitig als Schmerz- und Fiebermittel eingesetzt.
Typische Medikamente
- Paracetamol
- Ibuprofen
- Metamizol
Pflegerisch
- Temperaturkontrolle
- Flüssigkeitszufuhr
- Kreislauf beobachten
7. Atemnot / Bronchospasmus
Kurztext Vor allem bei COPD- oder Asthmapatienten wichtig.
Typische Medikamente
- Salbutamol
- Ipratropiumbromid
Pflegerisch
- Oberkörper hoch
- Lippenbremse
- Atemfrequenz kontrollieren
💡 Mini-Merksatz aus der Praxis
Die häufigsten Bedarfsgruppen sind:
Schmerz – Stuhl – Schlaf – Übelkeit – Atemnot
Das deckt gefühlt 80 % aller Bedarfsmedikationen auf Station ab.
Paracetamol / Ibuprofen → Schmerzen
MCP → Übelkeit
Zopiclon → Schlaf
Lorazepam → Angst/Unruhe
Ibuprofen bei Schmerzen MCP bei Übelkeit Tavor bei starker Unruhe
Schmerzmittel (z. B. Ibuprofen, Paracetamol) Schlafmittel Bedarfs-Sedativa bei Unruhe Antiemetika bei Übelkeit Laxantien bei Obstipation
- Acidosetherapeutika
- Allergene
- (unbesetzt)
- Analeptika/Antihypoxämika
- Analgetika/Antirheumatika
- Antiadiposita/Appetitzügler
- Antiallergika
- Antianämika
- Antiarrhythmika
- Antibiotika
- Antidementiva
- Antidiabetika
- Antidota
- Antiemetika/Antivertiginosa
- Antiepileptika
- Antihämorrhagika (Antifibrinolytika und andere Hämostatika)
- Antihypertonika
- Antihypoglykämika
- Antihypotonika und Mittel zur Schocktherapie
- Antikoagulantia
- Antimykotika
- Antiparasitäre Mittel
- Antiphlogistika
- Antitussiva/Expektorantia und andere Erkältungspräparate
- Arteriosklerosemittel
- Balneotherapeutika und Mittel zur Wärmetherapie
- Betarezeptoren-, Calciumkanalblocker und Hemmstoffe des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems
- Bronchospasmolytika/Antiasthmatika und andere Mittel für den Respirationstrakt
- Cholagoga und Gallenwegstherapeutika
- Cholinergika
- Corticoide (Interna)
- Dermatika
- Desinfizientia/Antiseptika
- (unbesetzt)
- Diagnostika und Mittel zur Diagnosevorbereitung
- Diuretika
- Durchblutungsfördernde Mittel
- (unbesetzt)
- Entwöhnungsmittel/Mittel zur Behandlung von Suchterkrankungen
- Enzyminhibitoren, Präparate bei Enzymmangel und Transportproteine
- Fibrinolytika
- Gen- und Zelltherapeutika sowie RNA-Interferenz-Therapeutika
- (unbesetzt)
- Gichtmittel
- (unbesetzt)
- Gynäkologika
- Hämorrhoidenmittel/Proktologika
- Hepatika
- Hypnotika/Sedativa
- Hypophysen-, Hypothalamushormone, andere regulatorische Peptide, ihre Hemmstoffe und Analoga
- Immunmodulatoren
- Infusions- und Standardinjektionslösungen, Organperfusionslösungen
- Kardiaka
- Kariesmittel und andere Dentalpräparate
- Koronarmittel (Antianginosa)
- Laxantia/Mittel gegen Obstipation
- (unbesetzt)
- Lipidsenker
- Lokalanästhetika
- Magen-Darm-Mittel
- Migränemittel
- Mineralstoffpräparate
- Mund- und Rachentherapeutika (zur lokalen Anwendung)
- Muskelrelaxanzien und -Reversoren
- Narkosemittel (Allgemeinanästhetika)
- Neuropathiepräparate und andere neurotrope Mittel
- Ophthalmika
- Osteoporosemittel/Calcium-/Knochenstoffwechselregulatoren
- Otologika
- Parkinsonmittel und andere Mittel gegen extrapyramidale Störungen
- Psychopharmaka
- Rhinologika/Sinusitismittel
- Roborantia/Tonika
- Schilddrüsentherapeutika
- Sera, Immunglobuline und Impfstoffe
- Sexualhormone und ihre Hemmstoffe
- Spasmolytika/Anticholinergika
- (unbesetzt)
- Thrombozytenaggregationshemmer
- Tuberkulosemittel
- Urologika und Mittel zur Behandlung der Hyperkaliämie und Hyperphosphatämie
- Venentherapeutika
- Virustatika
- Vitamine
- Wund- und Narbenbehandlungsmittel
- Zytostatika, andere antineoplastische Mittel und Protektiva
- Registrierte Homöopathika/Präparateserien
- Biomaterialien/medizinische Kunststoffe
🧠 Lokal vs. systemisch – der „unsichtbare rote Faden“
Die Liste ist nicht strikt danach sortiert, ABER: 👉 einige Gruppen springen sofort ins Auge, weil sie typisch lokal oder typisch systemisch sind.
👀 „Schreit lokal!“ – typische Lokal-Gruppen
Die fallen fast schon aus der Liste raus:
- 32 Dermatika → Haut, klarer geht’s kaum
- 33 Desinfizientia/Antiseptika → nur äußerlich
- 63 Mund- und Rachentherapeutika → lokal im Hals
- 67 Ophthalmika → Auge
- 69 Otologika → Ohr
- 72 Rhinologika → Nase
- 59 Lokalanästhetika → dein Treffer 🎯
👉 Gemeinsamkeit: Wirken dort, wo du sie hinschmierst/träufelst/sprühst
💊 „Systemisch unterwegs“ – die Klassiker
Das Gegenteil – einmal drin, überall Party:
- 17 Antihypertonika
- 12 Antidiabetika
- 53 Kardiaka
- 71 Psychopharmaka
- 65 Narkosemittel (Allgemeinanästhetika)
👉 Wirkung über Blutbahn → ganzer Körper betroffen
🤓 Die spannenden „Zwischenwelten“
Jetzt wird’s prüfungsrelevant:
Beispiel:
- 28 Bronchospasmolytika → z. B. Salbutamol 👉 inhaliert = lokal in der Lunge 👉 aber: bisschen geht immer ins Blut → Nebenwirkungen möglich
🧩 Merksatz (prüfungswürdig 😎)
👉 Applikationsort ≠ Wirkungsort
- lokal gegeben → kann trotzdem systemisch wirken
- systemisch gegeben → kann gezielt wirken (z. B. Rezeptorselektivität)
💡 Pflege-Goldstück
Gerade bei älteren oder multimorbiden Patienten:
👉 lokale Therapie bevorzugen, wenn möglich → weniger Nebenwirkungen → weniger Wechselwirkungen
(„Warum gleich den ganzen Körper stressen, wenn nur das Knie meckert?“ 😄)