Planung Atem-1

Informationssammlung → Probleme → Ressourcen → Ziele → Maßnahmen.

Fallbeispiel Hr. Weber

Herr Weber, 68 Jahre, wurde mit zunehmender Atemnot in die Klinik aufgenommen. Bekannt ist eine langjährige Chronic Obstructive Pulmonary Disease. Seit drei Tagen hat er starken Husten mit gelblich-grünem Auswurf und fühlt sich sehr erschöpft.

Bei der Aufnahme zeigt sich:

  • Atemfrequenz: 26/min
  • Sauerstoffsättigung: 89 % ohne Sauerstoff
  • Patient sitzt vornübergebeugt im Bett und stützt sich mit den Armen ab
  • beim Abhören sind rasselnde Atemgeräusche zu hören
  • Herr Weber hustet häufig, hat aber Schwierigkeiten, das Sekret abzuhusten
  • er wirkt unruhig und äußert Angst, „nicht genug Luft zu bekommen“

Herr Weber ist orientiert und kann Anweisungen verstehen. Er kann selbstständig sitzen, benötigt aber Hilfe beim Aufstehen.


1 Informationssammlung (aus dem Text)

Allgemeinzustand

  • erschöpft
  • unruhig
  • Angst

Atmung

  • Atemfrequenz erhöht (26/min)
  • Dyspnoe
  • SpO₂ 89 %
  • vornübergebeugte Haltung (atemerleichternd)

Sekret

  • produktiver Husten
  • gelblich-grüner Auswurf
  • rasselnde Atemgeräusche
  • erschwertes Abhusten

Diagnose

  • Chronic Obstructive Pulmonary Disease

Mobilität

  • kann sitzen
  • braucht Hilfe beim Aufstehen

2 Pflegeprobleme

Hier denkt man: Was funktioniert gerade nicht richtig?

Problem 1

Beeinträchtigte Atmung / Dyspnoe

Problem 2

Ineffektive Atemwegsreinigung (Sekret kann nicht gut abgehustet werden)

Problem 3

Angst im Zusammenhang mit Atemnot

Problem 4

Eingeschränkte Belastbarkeit


3 Ressourcen

Lehrer lieben diesen Punkt, weil viele Schüler ihn vergessen 😄

Ressourcen von Herrn Weber

  • orientiert und ansprechbar
  • kann Anweisungen verstehen
  • kann selbstständig sitzen
  • hustet grundsätzlich (Hustenreflex vorhanden)

4 Pflegeziele

Ziele müssen realistisch und überprüfbar sein. Viele SMART-Ziele in der Pflege enthalten: Zeit
innerhalb von 24 h
bis morgen
bis zur Entlassung
Messwerte
SpO₂
Atemfrequenz
Gehstrecke
beobachtbare Dinge
Patient hustet Sekret ab
Patient führt Atemtechnik selbstständig durch

Ziel 1 – Atmung

  • Atemfrequenz verbessert sich
  • Sauerstoffsättigung steigt über 92 %

Ziel 2 – Sekret

  • Patient kann Sekret besser abhusten
  • Atemgeräusche nehmen ab
  • Herr Weber kann innerhalb von 2 Tagen Sekret selbstständig abhusten, erkennbar an reduzierten Rasselgeräuschen und produktivem Husten.

Ziel 3 – Angst

  • Patient fühlt sich sicherer
  • äußert weniger Angst
  • Herr Weber berichtet innerhalb der nächsten 12 Stunden über eine verminderte Angst und kann bei Atemnot selbstständig die Lippenbremse anwenden.

Ziel 4 – Mobilität

  • Patient kann mit Unterstützung kurze Strecken gehen
  • Herr Weber kann bis morgen mit Unterstützung 10 Meter im Zimmer gehen, ohne dass die Sauerstoffsättigung unter 90 % fällt.

5 Pflegerische Maßnahmen

Jetzt kommt der praktische Teil.

Atmung verbessern

  • Oberkörperhochlagerung
  • atemerleichternde Position (Kutschersitz)
  • Lippenbremse anleiten
  • Atemfrequenz und SpO₂ überwachen

Sekretmobilisation

  • Inhalation nach Anordnung
  • ausreichende Flüssigkeitszufuhr fördern
  • Atemübungen
  • Mobilisation

Angst reduzieren

  • ruhige Kommunikation
  • bei Atemnot beim Patienten bleiben
  • Atemtechniken gemeinsam durchführen

Mobilisation

  • beim Aufstehen unterstützen
  • kurze Gehstrecken üben
  • Belastung langsam steigern

💡 Klausur-Tipp, Don (fast schon ein Cheatcode):

Wenn du im Text diese Dinge liest:

Symptom im Text Pflegeproblem
Atemnot Beeinträchtigte Atmung
Rasselgeräusche / Auswurf Ineffektive Atemwegsreinigung
Unruhe / Angst Angst
Erschöpfung Eingeschränkte Belastbarkeit

Dann hast du schon 80 % der Analyse fertig.

Sehr gute Idee, Don 😄 Diese 5 Fehler kosten in Pflegeklausuren ständig Punkte, obwohl die Schüler das Thema eigentlich verstanden haben. Prüfer achten da manchmal fast pedantisch drauf.


Die 5 häufigsten Fehler bei Pflegezielen


1 – Ziel ist eigentlich eine Maßnahme

Das passiert extrem oft.

falsch

Der Patient bekommt eine Oberkörperhochlagerung.

Das ist kein Ziel, sondern eine Handlung.

richtig

Der Patient atmet innerhalb von 24 Stunden erleichtert, erkennbar an einer Atemfrequenz unter 20/min.

Merksatz: Ziele beschreiben Zustände, Maßnahmen beschreiben Handlungen.


2 – Ziel ist nicht messbar

Klingt nett, aber niemand weiß, wann es erreicht ist.

falsch

Die Atmung soll sich verbessern.

Was heißt verbessern? Ein bisschen? Sehr?

richtig

Der Patient erreicht innerhalb von 24 Stunden eine Sauerstoffsättigung von mindestens 92 %.

Messbar = Prüfer glücklich 😄


3 – Keine Zeitangabe

Ohne Zeit kann man später nicht evaluieren.

falsch

Der Patient kann Sekret besser abhusten.

Wann? Morgen? Nächstes Jahr?

richtig

Der Patient kann innerhalb von 48 Stunden Sekret selbstständig abhusten.


4 – Ziel ist unrealistisch

In Klausuren passiert das, wenn man zu optimistisch ist.

falsch

Der Patient mit schwerer Chronic Obstructive Pulmonary Disease hat morgen keine Atemnot mehr.

Das wäre ungefähr so realistisch wie ein Marathon nach einem Gipsbein.

richtig

Der Patient kann Atemnot durch Lippenbremse selbstständig reduzieren.


5 – Ziel beschreibt nicht den Patienten

Manchmal rutschen Formulierungen rein, die gar nichts über den Zustand des Patienten sagen.

falsch

Die Pflege achtet auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr.

Das beschreibt wieder die Pflege, nicht das Ziel.

richtig

Der Patient nimmt täglich mindestens 1,5 Liter Flüssigkeit zu sich.


Bonusfehler (der Lehrerliebling)

Viele schreiben Ziele so:

Patient hat keine Atemnot mehr.

Das Problem: zu absolut.

Besser:

Patient berichtet über reduzierte Atemnot in Ruhe.


💡 Don, Klausur-Supertrick: Wenn du bei jedem Ziel diese drei Dinge einbaust, bist du fast immer safe:

  1. Patient tut / erreicht etwas
  2. messbares oder beobachtbares Kriterium
  3. Zeitangabe

Beispiel:

Herr Weber erreicht innerhalb von 24 Stunden eine Sauerstoffsättigung ≥ 92 % in Ruhe.

Das ist praktisch Prüfer-Lieblingssprache.

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