Diagnostik

Absolut! Das ist ein extrem wichtiger Punkt – du sprichst hier die grundlegende Unterscheidung der diagnostischen Säulen an. Ohne dieses Verständnis hängen alle Untersuchungstechniken irgendwie in der Luft.

Ich baue das mal systematisch auf, damit du es direkt in dein CMS übernehmen kannst:


🏥 Die drei Säulen der medizinischen Diagnostik

In der Medizin und Pflege unterscheiden wir grundsätzlich drei große Wege, um zu einer Diagnose oder einem Befund zu kommen. Jede Säule hat ihre eigene Logik, ihre eigenen Methoden und ihre eigenen Stärken und Schwächen.

Übersicht: Die diagnostischen Säulen im Vergleich

Säule Was ist das? Wer macht es? Beispiele Aussagekraft
1. Klinische Untersuchung Untersuchung mit den eigenen Sinnen (Sehen, Hören, Fühlen, Klopfen) Ärzt:innen, Pflegekräfte, Therapeut:innen Inspektion, Palpation, Perkussion, Auskultation, Funktionsprüfung Erste Einschätzung, Verlaufskontrolle, Screening – oft richtungsweisend
2. Apparative / Bildgebende Diagnostik Untersuchung mit technischen Geräten Meist speziell geschultes Personal (MTRA, Ärzt:innen) Röntgen, CT, MRT, Sonographie, EKG, Endoskopie Anatomische Strukturen sichtbar machen, Funktionsabläufe messen
3. Labor- / Biomaterialdiagnostik Untersuchung von Körperflüssigkeiten oder -gewebe im Labor Labormediziner:innen, MTA Blutbild, CRP, Elektrolyte, Urinstatus, Biopsie, Mikrobiologie Werte auf molekularer Ebene, biochemische Prozesse, Erregernachweis

🔬 Säule 1: Klinische Untersuchung – im Detail

Die klinische Untersuchung ist die Basis und oft der Anfang jeder Diagnostik. Sie findet direkt am Patienten statt, ohne technische Zwischenschritte.

Merkmal Beschreibung
Definition Systematische Erhebung von Befunden durch die Sinne der untersuchenden Person
Instrumente Stethoskop, Reflexhammer, Stimmgabel, Otoskop, Ophthalmoskop, Zungenspatel, Maßband – oder einfach Hände, Augen, Ohren
Ort Direkt am Patientenbett, in der Praxis, zu Hause, im Notfall
Zeitfaktor Sofort verfügbar, keine Vorbereitung nötig
Wiederholbarkeit Beliebig oft, ohne Belastung für den Patienten
Aussagekraft Subjektiv (abhängig von Erfahrung), aber oft richtungsweisend
Typische Pflegerelevanz Tägliche Visite, Aufnahmeassessment, Verlaufskontrolle, Erkennen von Verschlechterungen

Beispiele aus deinem Alltag:

  • Du siehst eine Zyanose (Inspektion) → Verdacht auf Hypoxie
  • Du tastest ein prätibiales Ödem (Palpation) → Verdacht auf Herzinsuffizienz
  • Du hörst feuchte Rasselgeräusche (Auskultation) → Verdacht auf Pneumonie
  • Du prüfst die Pupillenreaktion (Funktion) → Beurteilung nach Schädel-Hirn-Trauma

📸 Säule 2: Apparative / Bildgebende Diagnostik – im Detail

Hier kommen Geräte ins Spiel, die Dinge sichtbar machen, die unseren Sinnen verborgen bleiben.

2.1 Bildgebende Verfahren (Strukturen sichtbar machen)

Verfahren Prinzip Typische Fragen Besonderheiten für Pflege
Röntgen Röntgenstrahlen, Gewebedichte erzeugt Schatten Pneumonie? Fraktur? Herzgröße? Strahlenbelastung, Schutz der Gonaden, Schwangerschaft ausschließen
CT (Computertomographie) Röntgen in Schichten, 3D-Rekonstruktion Metastasen? Blutungen? Frakturen? Höhere Strahlendosis, oft Kontrastmittel, Patientenaufklärung
MRT (Magnetresonanztomographie) Magnetfelder, Wasserstoffprotonen Weichteile, Bandscheiben, Gehirn, Gelenke Laut, lange Dauer, Metall im Körper? Platzangst?
Sonographie (Ultraschall) Schallwellen, Reflexion an Grenzflächen Freie Flüssigkeit im Bauch? Gallensteine? Gefäße? Schnell, schmerzfrei, beliebig wiederholbar – oft von Pflege bei Blasenscan genutzt
Endoskopie Kamera in Körperhöhlen Magen/Darm-Spiegelung, Bronchoskopie Vorbereitung (Nüchternheit!), Nachsorge, Aufklärung

2.2 Funktionelle apparative Diagnostik (Abläufe messen)

Verfahren Was wird gemessen? Typische Fragen Pflegerelevanz
EKG (Elektrokardiogramm) Herzströme, elektrische Erregungsausbreitung Rhythmus? Infarkt? Ischämiezeichen? Ableitung kennen, Patienten ruhig lagern, Artefakte vermeiden
EEG (Elektroenzephalogramm) Hirnströme Epilepsie? Hirntod? Vorbereitung, während der Untersuchung ruhigstellen
Lungenfunktionstest (Spirometrie) Atemvolumina und -ströme COPD? Asthma? Restriktion? Patienten anleiten, korrekt durchzuführen
Doppler-Sonographie Blutfluss in Gefäßen Stenose? Thrombose? Kompressionsstrümpfe ausziehen, Lagerung
Langzeit-Blutdruckmessung Blutdruck über 24 Stunden Hypertonie-Diagnostik, Therapiekontrolle Gerät anlegen, Patiententagebuch führen

🧪 Säule 3: Labor- / Biomaterialdiagnostik – im Detail

Hier wird nicht der Mensch selbst untersucht, sondern Proben, die ihm entnommen werden.

3.1 Arten von Biomaterial

Material Typische Untersuchungen Wer entnimmt? Pflegerelevanz
Blut Blutbild, Elektrolyte, Gerinnung, Entzündungswerte, Enzyme, Hormone Ärzt:innen, Pflege (venöser Zugang), MTA Abnahmesysteme kennen (Serum, Plasma), richtige Röhrchenreihenfolge, Patientenlagerung
Urin Urinstatus (pH, Eiweiß, Glukose, Leukos, Nitrit), U-Kultur, 24h-Sammelurin Patient:in, Pflege Mittelstrahlurin erklären, Sammelurin organisieren
Stuhl Mikrobiologie (Erreger), Blut (okkultes Blut), Elastase (Pankreas) Patient:in, Pflege Hygiene, Probengefäße, korrekte Beschriftung
Sputum Mikrobiologie, Zytologie Patient:in (abgehustet), Pflege (abgesaugt) Gewinnung vor Antibiotika, morgendlicher Tiefenhusten
Liquor Zellzahl, Eiweiß, Glukose, Erreger Ärzt:innen (Lumbalpunktion) Lagerung nach Punktion, Überwachung auf Komplikationen
Punktate / Exsudate Zytologie, Mikrobiologie Ärzt:innen (Aszites-, Pleurapunktion) Steriles Arbeiten, Transport ins Labor
Biopsie Histologie (Gewebeuntersuchung) Ärzt:innen (Endoskopie, Punktion) Beschriftung, Fixierung (Formalin!), Transport

3.2 Wichtige Laborwerte – Grobe Kategorien

Kategorie Was wird gemessen? Beispiele Pflegerelevanz
Blutbild Zellen des Blutes Hb, Erythrozyten, Leukozyten, Thrombozyten Anämie? Infekt? Blutungsrisiko?
Elektrolyte Ionen im Blut Natrium, Kalium, Kalzium, Magnesium Entgleisungen erkennen (EKG!, Muskelschwäche)
Nierenretentionswerte Ausscheidungsfunktion der Niere Kreatinin, Harnstoff, eGFR Niereninsuffizienz, Medikamentendosis anpassen
Leberwerte Leberfunktion, Gallenabfluss GOT, GPT, Gamma-GT, AP, Bilirubin Leberschädigung, Stauung
Entzündungswerte Entzündungsreaktion CRP, Leukozyten, PCT Infekt, postoperativ, Sepsis
Gerinnung Blutungs- und Thromboserisiko Quick/INR, PTT Marcumar, Heparin, Lebererkrankung
Herzenzyme Herzmuskelschädigung Troponin, CK-MB Herzinfarkt-Diagnostik
Blutgase (BGA) Oxygenierung, Säure-Basen-Status pO₂, pCO₂, pH, Bikarbonat, Laktat Beatmungseinstellung, Schock, Azidose

🔗 Zusammenspiel der drei Säulen – Ein Fallbeispiel

Stell dir vor, ein Patient kommt mit Luftnot in die Klinik. So greifen die Säulen ineinander:

Schritt Säule Was passiert? Erkenntnis
1. Ersteinschätzung Klinik Du siehst Zyanose, hörst feuchte Rasselgeräusche Verdacht auf Pneumonie oder Herzinsuffizienz
2. Basisdiagnostik Labor Blutbild, CRP, BGA CRP erhöht → Infekt; pO₂ erniedrigt → Hypoxie
3. Strukturdiagnostik Bildgebung Röntgen Thorax Infiltrat sichtbar → Pneumonie bestätigt
4. Erregerdiagnostik Labor Sputumkultur, Blutkultur Nachweis von Pneumokokken → gezielte Antibiose
5. Verlaufskontrolle Klinik + Labor Tägliche Auskultation, CRP-Kontrolle Rückgang der Rasselgeräusche, CRP fällt → Therapie wirkt

Pflegeaufgaben in diesem Prozess:

  • Klinische Beobachtung (Säule 1) – täglich, stündlich
  • Materialgewinnung (Säule 3) – Blutabnahme, Sputum gewinnen
  • Vor- und Nachbereitung (Säule 2) – Patient zum Röntgen begleiten, aufklären
  • Überwachung (alle Säulen) – Werte im Blick behalten, Veränderungen melden

🏗️ Einbau in dein CMS

Hier ein Vorschlag, wie du das strukturieren könntest:

Diagnostik /
├── 1. Klinische Untersuchung /
│   ├── IPPAF-Schema (Inspektion, Palpation, Perkussion, Auskultation, Funktion)
│   ├── Systematische Untersuchung (Herz, Lunge, Abdomen, Neurologie, Gefäße)
│   └── Vitalzeichenmessung
│
├── 2. Apparative Diagnostik /
│   ├── Bildgebung /
│   │   ├── Röntgen
│   │   ├── CT
│   │   ├── MRT
│   │   ├── Sonographie
│   │   └── Endoskopie
│   └── Funktionelle Diagnostik /
│       ├── EKG
│       ├── Lungenfunktion
│       ├── Doppler
│       └── Langzeitmonitoring
│
└── 3. Labor- / Biomaterialdiagnostik /
    ├── Materialgewinnung /
    │   ├── Blutabnahme
    │   ├── Urin
    │   ├── Stuhl
    │   ├── Sputum
    │   └── Punktate / Biopsien
    └── Laborwerte /
        ├── Blutbild
        ├── Elektrolyte
        ├── Nierenwerte
        ├── Leberwerte
        ├── Entzündungswerte
        ├── Gerinnung
        ├── Herzenzyme
        └── Blutgase (BGA)

Das ist jetzt ein Rahmen, den du nach und nach mit Inhalt füllen kannst. Zu jeder Unterkategorie könnte es dann eine eigene Seite geben – z.B. "EKG" mit Ableitungen, Lagetyp, Infarktzeichen, Pflegeaufgaben etc.

Soll ich für eine dieser Unterkategorien (z.B. Blutabnahme oder EKG) eine detaillierte Seite ausarbeiten?