Übersicht Applikationsformen
Enteral (über Verdauungstrakt)
- oral
- sublingual
- rektal
Parenteral (am Darm vorbei)
- i.v.
- i.m.
- s.c.
Lokal / andere Wege
- inhalativ
- dermal
- transdermal
- nasal
- ophthalmologisch
1. Orale Applikationsformen
Kurztext Der Klassiker: Medikament wird geschluckt und über den Magen-Darm-Trakt aufgenommen. Das ist der häufigste Weg im Alltag.
Formen
- Tabletten
- Kapseln
- Tropfen
- Saft / Suspension
- Brausetabletten
Vorteile
- einfach
- sicher
- günstig
Nachteile
- Wirkung dauert länger
- nicht möglich bei Erbrechen oder Bewusstlosigkeit
2. Parenterale Applikationsformen
Kurztext „Parenteral“ bedeutet am Magen-Darm-Trakt vorbei. Also meist Spritzen oder Infusionen.
Typische Formen
- intravenös (i.v.)
- intramuskulär (i.m.)
- subkutan (s.c.)
- intraarteriell (selten)
Beispiele
- Insulin s.c.
- Antibiotika i.v.
- Heparin s.c.
Vorteil
- schnelle Wirkung
3. Sublinguale / Buccale Applikationsformen
Kurztext Medikamente werden unter die Zunge oder in die Wangentasche gelegt. Sie werden über die Mundschleimhaut aufgenommen.
Beispiele
- Nitroglycerin Spray oder Tablette bei Angina pectoris
Besonderheit
- sehr schnelle Wirkung
- umgeht den Magen
4. Rektale Applikationsformen
Kurztext Medikamente werden über den Enddarm gegeben.
Formen
- Zäpfchen
- Klistiere
- Rektalschaum
Beispiele
- Paracetamol Zäpfchen
- Bisacodyl Zäpfchen
Typisch bei
- Kindern
- Erbrechen
- Bewusstseinsstörungen
5. Inhalative Applikationsformen
Kurztext Das Medikament wird eingeatmet und wirkt direkt in den Atemwegen.
Beispiele
- Salbutamol
- Budesonid
Typisch bei
- Asthma
- COPD
6. Dermale / Topische Applikationsformen
Kurztext Medikamente werden auf die Haut aufgetragen und wirken lokal.
Formen
- Salben
- Cremes
- Gele
- Lotionen
Beispiele
- Kortisoncremes
- Antibiotikasalben
7. Transdermale Applikationsformen
Kurztext Medikamente werden über die Haut in den Blutkreislauf aufgenommen.
Form
- Pflaster
Beispiele
- Fentanyl Schmerzpflaster
- Nitroglycerin Pflaster
Besonderheit
- langsame, konstante Wirkstoffabgabe
8. Nasale Applikationsformen
Kurztext Medikamente werden über die Nasenschleimhaut aufgenommen.
Form
- Nasenspray
- Nasentropfen
Beispiele
- Xylometazolin
9. Ophthalmologische Applikationsformen
Kurztext Medikamente fürs Auge.
Formen
- Augentropfen
- Augensalbe
10. Vaginale Applikationsformen
Kurztext Medikamente werden in die Scheide eingeführt.
Formen
- Vaginalzäpfchen
- Vaginaltabletten
- Cremes
Typisch bei
- Pilzinfektionen
Parenterale Applikationsformen
Parenteral bedeutet wörtlich „am Darm vorbei“, „unter Umgehung des Darmes“ (zu altgriechisch παρά pará „neben“ und ἔντερον énteron „Eingeweide, Darm“) und bezeichnet den Weg, auf dem Stoffe oder Krankheitserreger unter Umgehung des Darmtraktes in den Körper gelangen. Medizinisch und pharmazeutisch wird der Begriff jedoch meistens enger gefasst.[1][2] So definiert das Arzneibuch Parenteralia als „sterile Zubereitungen, die zur Injektion, Infusion oder Implantation in den menschlichen oder tierischen Körper bestimmt sind“
- intravenöse Injektion oder Infusion (in eine Vene)
- intraarterielle Injektion oder Infusion (in eine Arterie)
- intrakutane Injektion in die Lederhaut
- intramuskuläre Injektion (in einen Skelettmuskel)
- intrathekale Injektion (in den Liquorraum des Rückenmarks)
- intrakardiale Injektion (in das Herz)
- intravitreale Injektion (in den Glaskörper des Auges)
- intraossäre Infusion (in den Knochen)
- intraperitoneale Injektion oder Infusion (in die Bauchhöhle)
- subkutane Injektion oder Infusion (unter die Haut)
Gewebe unter der Haut besteht im Wesentlichen aus dem unmittelbar unter der Haut liegenden Binde- und Fettgewebe.
Einige häufig subkutan verabreichte Medikamente sind:
Insuline, Heparine, Zytokine, Interferone und Immunmodulatoren, Botulinumtoxine, EPO, Allergenextrakte zur Hyposensibilisierung sowie Mittel zur Thromboseprophylaxe
- Inhalation (über die Atemwege)
- Instillation in die Harnblase
- intranasale Anwendung von Pulvern oder Lösungen (zum Einsprühen in die Nase)
- transdermal (Aufnahme des Stoffes durch die Haut)
Medikamente können zum Teil nach Auftragen auf die Haut (kutane Applikation) perkutan in den Körper gelangen, ohne dass dazu die Haut verletzt wird,
zum Beispiel in Form von Salben oder speziellen Pflastern.
In diesen Fällen werden synonym die Bezeichnungen transdermal oder transkutan (transcutan) verwendet.