Sonographie

Ja, Don – und beim Herzen ist das tatsächlich besonders ausgeprägt, weil man versucht, das dreidimensionale Organ mit wenigen standardisierten „Fenstern“ systematisch zu beurteilen.

1. Welche Echo-Achsen gibt es?

Bei der Echokardiographie spricht man hauptsächlich von Schallebenen bzw. Standardansichten. Die wichtigsten sind:

Schallebene / Ansicht Typische Abkürzung Was sieht man grob?
Parasternale lange Achse PLAX linker Ventrikel, linker Vorhof, Mitralklappe, Aortenklappe
Parasternale kurze Achse PSAX Querschnitte durch Herz, z. B. Aortenklappe, LV, Papillarmuskeln
Apikaler 4-Kammer-Blick A4C beide Vorhöfe + beide Ventrikel
Apikaler 2-Kammer-Blick A2C vor allem linker Vorhof + linker Ventrikel
Apikaler 3-Kammer-Blick A3C / apikal long axis LV, LA, Aorta, Mitral- und Aortenklappe
Subkostaler Blick SC Herz von unterhalb des Rippenbogens
Suprasternaler Blick SSN vor allem Aortenbogen und große Gefäße

Image

Image

Image

Image

Image

Image

Dabei ist ein kleiner sprachlicher Stolperstein interessant:

„Achse“ und „Blick“ sind nicht ganz dasselbe.

Die lange Achse beschreibt zunächst die Orientierung des Herzens bzw. der Schnittebene. Der „apikale 4-Kammer-Blick“ beschreibt dagegen eher, welche Strukturen man in dieser Schnittebene dargestellt bekommt.

Parasternale lange Achse

Hier liegt der Schallkopf links parasternal und wird so ausgerichtet, dass man ungefähr entlang der Längsrichtung des linken Ventrikels schaut.

Man bekommt beispielsweise:

LA → Mitralklappe → LV → Aortenklappe → Aorta

Das ist also tatsächlich ein Längsschnitt.

Parasternale kurze Achse

Hier wird der Schallkopf ungefähr um 90° gedreht.

Jetzt schaut man eher quer durch das Herz.

Je nachdem, wie tief man schneidet, bekommt man beispielsweise:

  • Aortenklappe
  • Mitralklappe
  • Papillarmuskel-Ebene
  • Apex

Das ist schön vergleichbar mit einer Orange:

lange Achse: Orange der Länge nach durchgeschnitten kurze Achse: Orange quer durchgeschnitten


2. Warum gibt es beim Herzen so viele verschiedene „Achsen“?

Weil das Herz anatomisch nicht einfach gerade im Brustkorb liegt.

Es liegt:

  • schräg,
  • gedreht,
  • etwas nach links,
  • mit der Spitze nach vorne-unten-links.

Die anatomische Herzachse entspricht deshalb nicht einfach der Körperlängsachse.

Und noch wichtiger:

Der Untersucher interessiert sich nicht nur für eine geometrische Achse, sondern für bestimmte Strukturen.

Deshalb wird das Herz gewissermaßen aus verschiedenen Richtungen „abgesucht“.

Man könnte sagen:

Die Echokardiographie ist weniger „Ich schaue auf das Herz“ und mehr „Ich schneide das Herz virtuell in verschiedene Ebenen“.

Das ist auch der Grund, warum man beispielsweise beim A4C nicht einfach den Schallkopf irgendwo auf den Apex hält. Man versucht eine definierte Standardebene zu treffen.


3. Und wie ist das beim restlichen Körper?

Hier wird es interessant: Ja, auch dort gibt es standardisierte Ebenen und Achsen. Aber man verwendet sie je nach Körperregion unterschiedlich konsequent.

In der allgemeinen Anatomie gibt es zunächst drei klassische Körperebenen:

Sagittalebene

Teilt den Körper in:

rechts | links

Die genaue Mitte heißt Medianebene.

Frontalebene / Koronalebene

Teilt den Körper in:

vorne | hinten

also:

ventral | dorsal

Transversalebene / Horizontalebene

Teilt den Körper in:

oben | unten

also:

kranial | kaudal

Image

Image

Image

Diese drei Ebenen sind eigentlich das universelle Koordinatensystem der Anatomie.


4. Bei der Sonographie wird es aber etwas komplizierter

Beim Ultraschall gibt es nämlich nicht einfach nur:

„Das ist die sagittale Ebene.“

Der Untersucher kann den Schallkopf drehen, kippen und verschieben.

Dadurch entstehen unterschiedliche Schnittebenen.

Man spricht deshalb beispielsweise von:

  • Longitudinalschnitt
  • Transversalschnitt
  • Sagittalschnitt
  • Koronarschnitt
  • Schrägschnitt / oblique

Und je nach Organ gibt es zusätzlich standardisierte Untersuchungsansichten.

Zum Beispiel bei der Niere:

Longitudinal: → Niere längs dargestellt

Transversal: → Niere quer dargestellt

Bei der Leber:

→ verschiedene interkostale und subkostale Schnitte

Bei der Schilddrüse:

→ longitudinal und transversal

Bei Gefäßen:

→ longitudinal und transversal

Bei der Gallenblase:

→ mehrere standardisierte Ebenen, um beispielsweise Wand, Steine und Gallenblasenlumen zu beurteilen.


5. Warum ist das beim Herzen besonders streng standardisiert?

Weil das Herz ständig in Bewegung ist und viele Strukturen räumlich miteinander verbunden sind.

Bei einer Untersuchung möchte man beispielsweise nicht einfach sagen:

„Ich sehe den linken Ventrikel.“

Sondern man möchte reproduzierbar sagen:

„Ich habe den linken Ventrikel in einer bestimmten standardisierten Ebene dargestellt.“

Dann kann man beispielsweise vergleichen:

Untersuchung 2025 → Untersuchung 2026

und feststellen, ob sich etwas verändert hat.

Deshalb sind die Echokardiographie-Standardebenen besonders wichtig.

Das findet man übrigens auch bei anderen hochstandardisierten Ultraschalluntersuchungen, etwa bei:

  • FAST/eFAST in der Notfallsonographie
  • Gefäßsonographie
  • Abdomen-Sonographie
  • Schilddrüsensonographie
  • Geburtshilfe

6. Noch ein wichtiger Unterschied: Anatomische Achse vs. Untersuchungsachse

Hier würde ich für dein Pflege-Wiki zwei Begriffe sauber auseinanderhalten:

Begriff Bedeutung
Körperachse Orientierung des Körpers
anatomische Ebene Sagittal, frontal, transversal
Organachse Längs-/Querorientierung eines Organs
Schallebene Ebene, in der der Ultraschall das Gewebe abbildet
Standardansicht definierte sonographische Darstellung bestimmter Strukturen

Das erklärt auch, warum man beim Herzen von „parasternale lange Achse“ spricht, während man bei einer Niere eher von „Longitudinalschnitt“ spricht.

Es sind keine völlig verschiedenen Konzepte – nur die Terminologie ist organspezifisch stärker ausdifferenziert.

Und ein kleiner Merksatz

Anatomie fragt:

„Wie ist der Körper bzw. das Organ aufgebaut?“

Sonographie fragt:

„In welcher Schnittebene schaue ich gerade hinein?“

Echokardiographie fragt zusätzlich:

„Welche standardisierte Ansicht brauche ich, um genau diese Herzstruktur beurteilen zu können?“

Das ist der Grund, warum beim Herzultraschall plötzlich eine ganze kleine „Landkarte“ aus PLAX, PSAX, A4C, A2C, A3C usw. auftaucht. Das Herz ist da etwas pedantisch – aber aus gutem Grund.