COPD

Warum COPD-Patienten einen Fassthorax bekommen

🫁 Chronic Obstructive Pulmonary Disease

1. Kurzdefinition

Chronisch progrediente, nicht vollständig reversible Atemwegsobstruktion mit Entzündungsreaktion der Atemwege und strukturellem Umbau. Meist Folge langjährigen Rauchens.

Die Entstehung

1.) Akute Bronchitis

  • Schleimhautentzündung der Bronchien
  • Schleimhaut schwillt an
  • vermehrte Schleimproduktion
  • Husten
  • vollständig ausheilbar

2.) Chronische Bronchitis

  • Husten + Auswurf mindestens 3 Monate pro Jahr über 2 Jahre
  • Reizstoffe kommen dauerhaft
  • Schleimproduktion wird hochreguliert
  • Flimmerhärchen / -epithel werden geschädigt durch die Noxen
  • chronische Entzündung der Schleimhaut
  • Schleimdrüsen vergrößern sich
  • Becherzellen nehmen zu und es wird mehr Schleim produziert
  • der zähe Schleim blockiert zusätzlich die (wenigen) Flimmerhärchen
  • Selbstreinigungsmechanismus der Lunge funktioniert schlechter
  • Husten mehrt sich
  • noch keine Atemnot

3.) Belastungsdyspnoe mit Hypoxie

  • CO² hoch, O² niedrig
  • dadurch sind HF, RR und AF erhöht
  • = chronische Belastung für das Herz

4.) Bronchiektasen

  • Aussackungen an den Bronchialwänden
  • durch toxische Einwirkungen und chronische Entzündung

5.) Chronisch-obstruktive Bronchitis

  • angeschwollene Schleimhäute
  • verkrampfte - obstruktive Schleimhautmuskulatur der Bronchien

6.) Lungen emphysem

  • Enzymmangel aufgrund der Noxen
  • deswegen zerstörte Wände der Alveolen
  • führt zu einem verminderten Gasaustausch
  • Lungenbläßchen sind mit Luft gefüllt, aber nicht funktionsfähig

7.) Cor pulmonale Cor pulmonale (lateinisch; „Lungenherz“) bezeichnet in der Medizin ein druckbelastetes rechtes Herz infolge einer Drucksteigerung im Lungenkreislauf (pulmonale Hypertonie oder sekundäre pulmonale Hypertonie), wenn deren Ursache in der Lunge und nicht am Herzen zu finden ist.
Diese Drucksteigerung kann verschiedene Ursachen haben, von der Lungenembolie über die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD)

2. Ursachen

  • Nikotinkonsum (Hauptursache)
  • Berufliche Schadstoffexposition
  • Luftverschmutzung
  • Alpha-1-Antitrypsin-Mangel

3. Symptome

  • Chronischer Husten
  • Auswurf
  • Belastungsdyspnoe → später Ruhedyspnoe
  • Giemen, verlängertes Exspirium
  • Zyanose (spät)
  • Gewichtsverlust („Pink Puffer“ / „Blue Bloater“)

4. Komplikationen

  • Exazerbation
  • Respiratorische Insuffizienz
  • Cor pulmonale
  • Pneumonie

5. Pflegerische Probleme

  • Ineffektives Atemmuster
  • Beeinträchtigter Gasaustausch
  • Aktivitätsintoleranz
  • Erschöpfung
  • Angst bei Dyspnoe
  • Mangelernährung

6. Pflegeziele

  • SpO₂ im Zielbereich (meist 88–92 %)
  • AF im Normbereich
  • Reduktion von Dyspnoe
  • Erhalt größtmöglicher Selbstständigkeit

7. Spezifische pflegerische Maßnahmen

  • Oberkörperhochlagerung
  • Lippenbremse anleiten
  • Energieökonomie fördern
  • Sauerstoffgabe mit Vorsicht (CO₂-Retention beachten)
  • Sekretmobilisation
  • Inhalationstechnik kontrollieren

8. Prophylaxen

  • Pneumonieprophylaxe
  • Thromboseprophylaxe
  • Dekubitusprophylaxe
  • Kontrakturprophylaxe
  • Mangelernährungsprophylaxe

9. Edukation

  • Rauchstoppberatung
  • Atemtechniken trainieren
  • Exazerbationszeichen erkennen
  • Inhalation korrekt durchführen

10. Evaluation

  • Verbesserung der Belastbarkeit
  • Dyspnoe-Skala
  • Sättigungswerte stabil?
  • Selbstständige Inhalation möglich?

11. Interprofessionelle Zusammenarbeit

  • Physiotherapie
  • Atemtherapie
  • Ernährungsberatung
  • Pneumologie
  • Sozialdienst

12. ProblemZielMaßnahme

Ineffektives Atemmuster
→ Pflegeziel 1a: AF < 25/min, Dyspnoe reduziert → → Maßnahme: Oberkörperhochlagerung → → Maßnahme: Lippenbremse anleiten → → Maßnahme: Atembeobachtung dokumentieren

Problem 2: Beeinträchtigter Gasaustausch → Pflegeziel 2a: SpO₂ im Zielbereich (88–92 %) → → Maßnahme: O₂-Therapie nach Verordnung → → Maßnahme: Wirkungskontrolle (SpO₂, Vigilanz) → → Maßnahme: CO₂-Retention im Blick behalten

Problem 3: Aktivitätsintoleranz → Pflegeziel 3a: Belastbarkeit verbessert → → Maßnahme: Mobilisation mit Pausen → → Maßnahme: Energiesparstrategien vermitteln → → Maßnahme: Belastung langsam steigern

Problem 4: Angst bei Dyspnoe → Pflegeziel 4a: Patient wirkt ruhiger → → Maßnahme: Ruhige Ansprache → → Maßnahme: Atemrhythmus begleiten → → Maßnahme: Sicherheit vermitteln

Problem 5: Mangelernährung → Pflegeziel 5a: Gewicht stabil → → Maßnahme: Kleine, energiereiche Mahlzeiten → → Maßnahme: Ernährungsberatung einbinden




Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung
englisch: chronic obstructive pulmonary disease
Abkürzung: COPD
übersetzt: „dauerhaft atemwegsverengende Lungenerkrankung“
ICD-Klassifikationssystem: chronische obstruktive Atemwegserkrankung

ist ein Krankheitsbild der Lunge mit einer dauerhaften Verengung der Atemwege, die insbesondere die Ausatmung erschwert (Atemwegsobstruktion).
Die Verengung entsteht durch eine Entzündung der kleinen Atemwege (obstruktive Bronchiolitis), wodurch es zu Schleimproduktion und einer Zerstörung des Lungengewebes (Lungenemphysem) kommt, was dazu führt, dass die Atemwege bei der Ausatmung zusammenfallen.
Ursächlich ist die langjährige Einatmung schädlicher Partikel, wie zum Beispiel beim Rauchen. Patienten leiden häufig an den Symptomen einer chronischen Bronchitis mit Husten und vermehrtem Auswurf sowie Atemnot bei Belastung. Da die Obstruktion die Ausatmung behindert, kommt es häufig zu einer Überblähung der Lunge bis hin zum Fassthorax. Das Fortschreiten der Erkrankung kann nur durch die Beseitigung der Ursache (z. B. Rauchstopp) verhindert werden.

GOLD steht für:

Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease

Das ist eine internationale Leitliniengruppe, die COPD einteilt.

🔎 Was bedeutet GOLD III?

Die Einteilung erfolgt nach der Lungenfunktion (FEV₁-Wert nach Bronchodilatation).

GOLD-Stadium FEV₁ in % vom Sollwert Bedeutung I ≥ 80 % leicht II 50–79 % mittel III 30–49 % schwer IV < 30 % sehr schwer

👉 GOLD III = schwere COPD Die Patientin hat also schon eine deutlich eingeschränkte Lungenfunktion.

Das ist keine Fantasie, das ist absolut Standard in Arztbriefen.



Die Behandlung einer COPD verfolgt folgende Ziele umfangreiche Aufklärung über die Erkrankung zur Übernahme von Selbstverantwortung für die eigene Gesundheit Linderung der Krankheitsbeschwerden Lösungskonzepte für Erleichterungen i Alltag generelle Erhöhung der Lebensqualität Reduktion/Verhinderung von Exazerbationen, häufig mit Klinkaufenthalt positive Beeinflussung des weiteren Krankheitsverlaufs Nutzung von Netzwerkkompetenz, Grupen von COPD- patienten

Die inhalative Therapie

Lungenemphysem Was passiert in der Lunge?

  • Bei allen Formen des Lungenemphysems liegt eine Störung des Enzymhaushaltes der Lunge vor
    • Abbau von Lungengewebe
    • Gasaustausch vermindert
    • während des Ausatmens Teile des Bronchialsystems zusammengedrückt - Obstruktion
    • Überblähung der Lunge, Wände kaputt, Luft kommt rein, wird nicht aufgenommen, kommt nicht wieder raus, man hat das Gefühl das die Luft nicht wieder raus

Ursachen:

  • Störung des Enzymhaushalts in der Lunge
  • Zigarettenrauch, aber auch um andere belastende Substanen handeln wie Abgase
  • Feuerrauch und Feinstaub
  • Inkfektionen der uneteen Atemwege wie bi einer chronichen Bronchitis
  • erblich bedingter Enzymmangel - Alpha 1 Antitrypsin
  • altersbedingtes Lungenemphysem

Lungenemphysem formen

  • entrilobäres Lungenemphysem heuptsächlich im oberen Bereich der Lunge häufig bei Rauchern
  • Panlobäres Lungenemphysem meist genetisch bedingte form des Lungenemphysems
  • Altersemphysem natürliche Alterserscheinung die Lunge verliert an Elastizität nicht als Krankheit eingestuft bildet keine Symptome aus

Symptome

  • Atemnot (schlechtere Sauerstoffversorgung)
  • Husten (morgens)
  • Auswurf mit gelb-bräunlicher Verfärbung (grünlich:Pneumonie, Asthma: schaumig)
  • blaugefärbte Lippen und Fingernägel (Zyanose)
  • fassförmig aufgeblähter Brustkorb (Fasstorax, Luft geht nicht mehr raus)

Therapie

  • die beim Lungenemphysem fortschreitende erstörung der Lungenbläßchen ist irreversibel, d.h. eine Heilung ist nicht mehr möglich
  • Rauchentwöhnung
  • Sport und Physiotherapie
  • Gabe von Sauerstoff
  • Lungenvolumenreduktion = OP
  • Lungentransplantation

    Don, das ist eine der coolsten kleinen Mechanik-Sachen der Lunge. Wenn man das einmal verstanden hat, ergibt plötzlich alles Sinn: Giemen, Luftnot, Lippenbremse usw.

Die Kurzantwort:

👉 Beim Ausatmen werden die Bronchien von außen zusammengedrückt. Wenn sie ohnehin schon verengt sind (Asthma oder COPD), wird das Problem massiv.

Jetzt Schritt für Schritt.


1. Was beim Einatmen passiert

Beim Einatmen:

  • Zwerchfell zieht sich zusammen
  • Brustkorb erweitert sich
  • im Brustraum entsteht Unterdruck

Dieser Unterdruck wirkt auch auf die Bronchien.

Ergebnis:

👉 Die Bronchien werden aufgezogen / geweitet

Die Luft kann relativ gut hinein.

Darum haben Patienten mit Asthma bronchiale oder COPD oft weniger Probleme beim Einatmen.


2. Was beim Ausatmen passiert

Beim Ausatmen passiert das Gegenteil.

  • Brustkorb wird kleiner
  • Druck im Brustraum steigt

Dieser Druck wirkt von außen auf die Bronchien.

Normalerweise ist das kein Problem.

Aber bei Atemwegserkrankungen sind die Bronchien bereits:

  • verengt
  • entzündet
  • voller Schleim

Jetzt drückt der Brustraum sie zusätzlich zusammen.

👉 Die Luft kommt schlechter raus.


3. Der „Ventil-Effekt“

Bei Asthma oder COPD entsteht ein Effekt wie bei einem halb zugedrückten Strohhalm.

Luft kommt:

  • rein → noch möglich
  • raus → schwierig

Die Luft bleibt teilweise in der Lunge.

Das nennt man:

Air Trapping (Luftfalle).

Das führt zu:

  • Überblähung der Lunge
  • verlängerte Ausatmung
  • pfeifende Geräusche

4. Warum man das Pfeifen hört

Wenn Luft durch enge Bronchien strömt, beginnt die Wand zu vibrieren.

Das erzeugt das typische:

Giemen / Pfeifen

Typisch bei:

  • Asthma bronchiale
  • COPD

5. Warum die Lippenbremse hilft

Jetzt kommt der pflegerische Trick.

Bei der Lippenbremse atmet der Patient gegen einen kleinen Widerstand aus.

Dadurch entsteht ein leichter Gegendruck in den Bronchien.

Dieser Druck verhindert, dass die Atemwege kollabieren.

Ergebnis:

  • Bronchien bleiben länger offen
  • Luft kann besser entweichen
  • weniger Luftfalle

Darum sieht man COPD-Patienten oft automatisch so atmen.


Don-Merkbild

Stell dir zwei Situationen vor:

Gesunde Bronchie

→ stabiler Gartenschlauch

Asthma / COPD

→ weicher Strohhalm

Beim Ausatmen drückt die Umgebung drauf → der Strohhalm klappt zusammen.


Don, jetzt kommt der berühmte „Fassthorax“ – ein klassisches Zeichen bei fortgeschrittener COPD. Und er entsteht direkt aus dem Problem, das wir gerade besprochen haben: Luft kommt schlechter raus als rein.


Warum COPD-Patienten einen Fassthorax bekommen

1. Luft bleibt in der Lunge (Air Trapping)

Bei COPD sind die Bronchien:

  • verengt
  • entzündet
  • teilweise instabil

Beim Ausatmen kollabieren sie leichter. Dadurch kann nicht die ganze Luft entweichen.

👉 Ein Teil der Luft bleibt ständig in der Lunge.

Mit jeder Atmung kommt etwas neue Luft dazu.

Das führt zu einer chronischen Überblähung der Lunge.


2. Die Lunge drückt den Brustkorb nach außen

Die Lunge wirkt wie ein aufgepumpter Ballon im Brustkorb.

Normalerweise:

  • Lunge zieht sich elastisch zusammen
  • Brustkorb bleibt beweglich

Bei COPD:

  • Lunge verliert Elastizität
  • bleibt ständig aufgebläht

Der Brustkorb passt sich langsam an.

👉 Er wird breiter und runder.


3. Der Brustkorb wird „fassförmig“

Der Durchmesser des Brustkorbs verändert sich:

Normal:

  • eher oval

Bei COPD:

  • eher rund

Deshalb spricht man vom Fassthorax.

Typische Merkmale:

  • Brustkorb wirkt aufgebläht
  • Rippen stehen fast waagerecht
  • Schlüsselbeinbereich wirkt hochgezogen

Warum das die Atmung noch schwieriger macht

Das Problem: Das wichtigste Atemmuskel-System wird schlechter.

Das Zwerchfell.

Normalerweise ist es:

  • kuppelförmig
  • kann sich gut nach unten bewegen

Bei überblähter Lunge:

  • wird das Zwerchfell abgeflacht

👉 Dadurch arbeitet es mechanisch schlechter.

Der Körper muss dann zusätzliche Muskeln nutzen:

  • Halsmuskeln
  • Schultermuskeln
  • Zwischenrippenmuskeln

Das nennt man Atemhilfsmuskulatur.


Typische Beobachtung in der Pflege

Patient mit schwerer COPD sitzt oft:

  • nach vorne gebeugt
  • Hände auf den Oberschenkeln

Das ist der Kutschersitz.

Warum?

So können die Atemhilfsmuskeln besser arbeiten.


Don-Merksatz (prüfungsfreundlich)

COPD führt zu:

1️⃣ verengten Bronchien 2️⃣ Luftfalle (Air Trapping) 3️⃣ Überblähung der Lunge 4️⃣ Fassthorax 5️⃣ Atemhilfsmuskulatur


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