Hygiene
Unter Hygiene versteht man die Gesamtheit aller Verfahren und Verhaltensweisen mit dem Ziel Erkrankungen zu vermeiden und der Gesunderhaltung des Menschen und der Umwelt zu dienen.
Hygiene wude abgeleitet vom Namen der Göttin Hygíeia, der Göttin der Gesundheit.
Warum ist Hygiene nötig?
- weil Gesetze, Verordnungen, Verbraucherschutz, Produkthaftung und Produktsicherheit Hygiene verlangen
- weil es die Qualitätssicherung fordert
- weil des der Patient erwartet und eine hygienisch einwandfreie Versorgung möchte
- weil "hygienische Ignoranz" Risiken birgt und zu gesundheitlichen Problemen führt
Bereiche der Hygiene
Individualhygiene
befasst sich mit der Lebensweise des Einzelnen und die daraus resultierenden Auswirkungen auf die Gesundheit
Sozialhygiene
befasst sich mit den menschlichen Beziehungen innerhalb von Gruppen sowie deren Auswirkungen auf die Gesundheit
Umwelthygiene
befasst sich mit Beziehungen zwischen Gesundheit und äußeren Lebensbedingungen (Luft, Boden, Wasser, Lärm)
Hygiene in Gesundheitseinrichtungen (Krankenhaushygiene)
befasst sich mit der Aufrechterhaltung der Gesundheit des Pesonals sowie der Genesung von PatientInnen(z.B. Reinigung, Desinfektions-/ Sterilisationsmaßnahmen, Ver- und Entsorgung von Verbrauchsgütern, Pflegeuntensilien, technische Geräte, Abfälle)
Hygiene in der Nahrung und Ernährung (Lebenmittelhygiene)
befasst sich mit der Verminderung von gesundheitlichen Beeinträchtigungen oder Schäden durch Lebensmittel (Produktion, Lagerung, Verarbeitung, Zubereitung, Verkauf, Verzehr)
Hygiene in Gesundheitseinrichtungen
Hygieneplan
Der Hygieneplan enthält Anweisungen zur Einhaltung und Gewährleistung von Hygienesrandards. Er muss in allen relvanten Bereichen zugänglich sein
Den Anweisungen ist zwingeng Folge zu leisten
Handschutz
vor Arbeitsbeginn
nach Pausen
nach dem Händewaschen
Handschuhe
bei Kontakt mit Blut, Sekreten oder Ausscheidungen (Blutentnahme, Injektion?, Wundversorgung, Kontakt mit potenziell infektiösem Material)
Schutz vor Kontamination und Unterbrechung der Infektionskette
Unterbindung der Erregerfreisetzung von der Hand in aseptische Bereiche (steriler, medizinischer Einmalhandschuh)
wenn die erwarteten Erreger unempfindlich sind gegen alkoholbasierte Händedesinfektionsmittel (z.B. Clostridium difficile)
bei längerem Kontakt mit Wasser (Körperpflege)
bei Einreibung (Aktivgel, Salbe, ...)
bei Kontakt mit Flächendesinfektion/Reinigungsmittel
bei Kontakt mit Medikamenten
Hände desinfizieren
vor Patientenkontakt
vor aseptischen Tätigkeiten
nach Kontakt mit potentiell infektiösem Material
nach Patientenkontakt
nach Kontakt mit der direkten Patientenumgebung
nach dem Ausziehen von Handschuhen
vor Umgang mit Lebensmitteln
nach Kontakt mit Blut, Sekreten, Ausscheidungen oder damit kontaminierten Gegenständen, trotz Handschuhe tragen
gegebenenfalls nach dem Nasenputzen / Toilettenbesuch
Prozedur
kein Schmuck an Händen und Unterarmen
kurze, unlackierte Fingernägel
trockene Hände
sichtbare Verschmutzungen abwaschen
3ml Desinfektionslösung
30 sec verreiben
Hände waschen
bei Arbeitsbeginn
bei sichtbarer Verschmutzung
nach Toilettenbesuch
Hände pflegen
am Arbeitsende
Individualhygiene in der beruflichen Pflege
Der Mensch ist der kritische Faktor, Keime überall
Haara und Nägel: hohes Infektionsrisiko, Haare zusammenbinden, Nägel kurz, keine künstlichen Nägel
Schmuck: sollte auf ein Minimum reduziert werden: erhöhte Infektionsgefahr, Verletzungsgefahr, Bildung von Keimnischen
Arbeits- und Schutzkleidung: nach den Händen ist die Kleidung häufigsten Vehikel der Keimübertragung, deshalb tragen von Schutzausrüstung (Isolationskittel, Waschschürze bei der Körperpflege), täglicher Wäschewechsel, Taschen der Kleidung sind ebenfalls belastet, keine Strickjacken
Händehygiene: Die größte Menge an Krankheitserregern wird durch die Händer übertragen. Händereinigung und Händedesinfektion gehören daher zu den wichtigsten persönlichen Hygienemaßnahmen und die Benutzung von Schutzhandschuhen
Maßnahmen zur Keiminaktivierung
Prozess der Keiminaktivierung
keimbesiedelte Fläche
-> nach Reinigung 60% - 80% der Keime entfernt
-> nach Desinfektion: 99.5% der Keime entfernt => Antisepsis, Keimarmut
vor Desinfektion Gegenstand gündlich reinigen, , Verschmutzungen können ev. Krankheitserreger einkapseln.
-> nach Sterilisation 99.9999999999% der Keime entfernt => Asepsis, Keimfreiheit, steril
Antisepsis = die Zahl der Krankheitserreger wurde so weit vermindert, dass keine Ansteckung mehr droht, Sporen werden dabei nicht zwingend abgetötet (z.B. Chlostridium)
Asepsis = sogenannte Keimfreiheit nach Sterilisation
Die Infektionskette
Infektionsquelle - Übertragungsweg -> Eintrittspforte -> Infektionsempfänger
Infektion ist das aktive oder passive Eindringen und sich Vermehren von Erregern in einen Wirt (Markro-Organismus) unter Überwindung der lokalen Barrieren.
Die Infektionskette ist der Weg der Übertragung eines Pathogens von einem Wirt auf einen anderen.
Pathogen = Krankheitsbestandteil, z.B. Bakterium, Pilz, Virus
Infektionsquelle & Keimbesiedlung
Exogene Infektionsquellen
kommen von außen auf / in den Körper
z.B. andere Menschen (Tröpfcheninfektion, Schmierinfektion), kontaminierte Gegenstände (Türklinken, Instrumente)
Endogene Infektionsquellen
normalerweise harmlos, werden aber problematisch, wenn:
Haut / Schleimhäute verletzt sind
das Immunsystem geschwächt ist
Keime in „falsche“ Körperregionen gelangen
z.B. Hautflora, Darmflora, Vaginalflora , auch Mundflora → Aspirationspneumonie
E. coli aus dem Darm gelangt in die Harnwege → endogene Infektion
Residente Flora - Schutzflora
Mikroorganismen, die ständig auf oder im Körper leben
Teil der normalen Körperflora
Meist harmlos oder sogar nützlich
befindet sich auf Haut, Mundraum, Vaginalschleimhaut, Magen- & Darmtrakt
Beispiele: Staphylokokken, Corynebakterien, Brevibacterium (verantwortlich für den Körpergeruch), Pilze, Staphylococcus epidermidis (Haut), E. coli (Darm), Lactobacillen (Vagina)
schwer vollständig zu entfernen
schützen vor krankmachenden Keimen (Kolonisationsschutz)
werden erst problematisch, wenn sie in sterile Bereiche gelangen
Residente Flora ist die Hauptquelle endogener Infektionen
Transiente Flora
Transient = vorübergehend
Keime, die kurzzeitig auf Haut oder Schleimhäuten vorkommen
stammen meist aus der Umwelt oder von anderen Menschen
Typische Beispiele:
Staphylococcus aureus
gramnegative Stäbchen
Viren nach Kontakt
Eigenschaften:
sitzen oberflächlich
lassen sich durch Händedesinfektion gut entfernen
häufig krankmachend
Bezug zur exogenen Infektion:
Transiente Flora ist die Hauptquelle exogener Infektionen
Eintrittspforten für Infektionen
Eintrittspforte = Weg, über den Erreger in den Körper gelangen
Man unterscheidet natürliche und künstliche Eintrittspforten.
Natürliche Eintrittspforten
Körperöffnungen und Strukturen, die von Natur aus vorhanden sind
Typische natürliche Eintrittspforten:
Haut & Schleimhäute
kleine Hautverletzungen, Risse, Ekzeme
Atemwege, Nase, Mund, Rachen, Bronchien, Verdauungstrakt, Mund, Magen-Darm-Trakt, Urogenitaltrakt, Harnröhre, Scheide, Augen, Bindehaut
Wichtig: Auch wenn sie „natürlich“ sind, sind sie keine offenen Türen – Schleimhäute, Flimmerhärchen, Magensäure & Immunabwehr schützen.
Künstliche Eintrittspforten
Vom Menschen geschaffene Zugänge, meist im medizinischen Kontext
Typische künstliche Eintrittspforten:
Invasive Zugänge, Venenkatheter, arterielle Zugänge, Portsysteme, Dialysekatheter, Drainagen & Schläuche, Harnkatheter, Magensonde, PEG, Thoraxdrainage, Operative Zugänge, OP-Wunden, Nahtstellen, Stomata (z. B. Colostoma, Tracheostoma)
Besonders gefährlich, weil: natürliche Schutzbarrieren umgangen werden und Keime direkten Zugang haben
Desinfektionsmittel
Wirkungsspektrum
inaktivierend = statisch
abtötend = zid
Bakterien: bakterizid, bakteriostatisch
Viren: viruzid, virostatisch
Pilze: fungizid, fungistatisch
Wirkungsbereiche
A: vegetative Zellen von Bakterien, Mykobakterien und Pilze. Sporen von krankheitserregenden Pilzen werden ebenfalls abgetötet
B: Abtötung von Viren (inkl. Bakterien, also Bereich A)
C: Abtötung der Sporen niediger Resistenz (Milzbranderreger), (inkl. A + B)
D: gößter Wirkungsbereich, praktisch identisch mit dem Sterilisationsverfahren, Abtötung hitzeresistenter Sporen von Bakterien, insbesondere sporen von Clostridien.