Zusatzinfos

Problemlösungsprozess

Das ist das „Denksystem“ hinter dem Pflegeprozess:

  • Problem erkennen
  • Ursachen analysieren
  • Ziele festlegen
  • Maßnahmen planen
  • Ergebnis überprüfen
    Also im Prinzip: klinisches Denken in strukturierter Form.

Der Problemlösungsprozess stammt nicht ursprünglich aus der Pflege, sondern aus:

  • der Psychologie
  • der Lern- und Handlungstheorie
  • der Systemtheorie
  • und teilweise aus der Betriebswirtschaft

Er entwickelte sich im 20. Jahrhundert als allgemeines Denk- und Handlungsmodell, um komplexe Situationen systematisch zu analysieren und zu bearbeiten.

Im Grunde ist es strukturiertes, wissenschaftliches Denken: Problem → Analyse → Ziel → Plan → Überprüfung

Die systematische Beschreibung solcher Problemlösungsmodelle entstand vor allem:

👉 1950er–1970er Jahre

In dieser Zeit wurden wissenschaftliche Arbeitsmethoden stark formalisiert – auch in Sozial- und Gesundheitsberufen.

Der Pflegeprozess nach Fiechter & Meier wurde in den 1970er Jahren entwickelt.

Sie haben das allgemeine Problemlösungsmodell auf die Pflege übertragen und daraus ein strukturiertes 6-Stufen-Modell gemacht.

Damals war das revolutionär, weil Pflege dadurch:

planbar

überprüfbar

dokumentierbar

wissenschaftlich begründbar

wurde.

Vorher war viel Erfahrungswissen – aber wenig Systematik.

„Der Problemlösungsprozess ist ein allgemeines wissenschaftliches Denkmodell aus Psychologie und Handlungstheorie des 20. Jahrhunderts. Fiechter und Meier übertrugen dieses Modell in den 1970er Jahren auf die Pflegepraxis.“

Historischer Hintergrund (1960er/70er Jahre)

In dieser Zeit entwickelte sich Pflege:

weg vom reinen „Arzthelferinnen-Modell“

hin zu einem eigenständigen Beruf

mit wissenschaftlichem Anspruch

Pflege sollte nicht mehr nur ausführen – sondern begründet handeln.

Warum wurde der Pflegeprozess eingeführt?

1️⃣ Professionalisierung der Pflege

Pflege brauchte eine eigene Systematik, um als eigenständige Disziplin anerkannt zu werden.

Ohne Struktur → keine Wissenschaftlichkeit Ohne Wissenschaftlichkeit → keine Profession

2️⃣ Transparenz und Nachvollziehbarkeit

Vorher war vieles erfahrungsbasiert. „Das machen wir halt so.“

Mit dem Pflegeprozess konnte man sagen:

Warum tun wir das?

Welches Ziel verfolgen wir?

Hat es gewirkt?

Das machte Pflege überprüfbar.

3️⃣ Qualitätssicherung

Wenn man Maßnahmen plant und evaluiert, kann man Pflegequalität sichern und verbessern.

Das ist bis heute die Grundlage für:

Dokumentationspflicht

Expertenstandards

Qualitätsprüfungen

4️⃣ Individualisierung

Pflege sollte nicht mehr „Schema F“ sein, sondern am individuellen Patienten orientiert.

Der Pflegeprozess zwingt dazu: Erst Daten sammeln → dann handeln.

Nicht umgekehrt.

5️⃣ Rechtliche Absicherung

Dokumentation schützt Patienten – und Pflegekräfte.

Was nicht dokumentiert ist, gilt juristisch als nicht gemacht.

Der Pflegeprozess schafft hier Struktur.

„Der Pflegeprozess wurde eingeführt, um Pflege zu professionalisieren, systematisieren, individualisieren und qualitativ überprüfbar zu machen.“

Arten von Informationen

In der Informationssammlung unterscheidet man:

🔹 Subjektive Daten

→ Was der Patient sagt „Ich habe Schmerzen.“

🔹 Objektive Daten

→ Was du beobachtest oder misst RR 180/100 mmHg

🔹 Primäre Informationsquellen

→ Patient selbst

🔹 Sekundäre Quellen

→ Angehörige, Akte, Arztberichte

Beziehungsprozess

Pflege ist nicht nur Technik – sie ist Beziehung. Der Beziehungsprozess beschreibt:

  • Vertrauensaufbau
  • Empathie
  • Kommunikation
  • Nähe-Distanz-Regulation

Ohne Beziehung → keine ehrlichen Infos
Ohne ehrliche Infos → falsche Pflegeplanung

Beziehungsprozess – was ist das wirklich?

Er ist kein einzelner, zeitlich klar abgegrenzter Schritt wie „Maßnahmen durchführen“. Er passiert permanent, immer, wenn du mit dem Patienten interagierst.

Man kann ihn sich vorstellen wie einen unsichtbaren Rahmen, der jede Pflegehandlung begleitet.

Er beginnt mit der ersten Begegnung

wird durch Kommunikation, Verhalten und Haltung aufgebaut

zieht sich durch alle Phasen: Informationssammlung, Maßnahmen, Evaluation

endet nie abrupt, sondern entwickelt sich fortlaufend

🔹 Initiierung

Niemand sagt:

„So, wir starten jetzt den Beziehungsprozess“ 😄

Du initiierst ihn automatisch durch:

  • Begrüßung
  • Freundliche, respektvolle Haltung
  • Augenkontakt, Körpersprache
  • Zuhören und auf Äußerungen reagieren

Der Patient „antwortet“ darauf – Vertrauen entsteht.

🔹 Wer macht das?

Grundsätzlich immer die Pflegekraft, weil sie die Beziehung aufbaut. Der Patient reagiert darauf, gibt Feedback.

Pflegekraft initiiert → Patient reagiert

Patient zeigt Mitarbeit → Beziehung wird gestärkt

Beziehung → bessere Adhärenz / Mitarbeit

Zusammenhang mit Peplau

Hildegard Peplau war die Pionierin der therapeutischen Beziehung in der Pflege:
Ihre Phasen: Orientierung → Identifikation → Nutzung → Ablösung
Beziehung = aktiver, dynamischer Prozess
Ziel: Patient als aktiver Partner

Also: Fiechter & Meier sagen zwar nicht explizit „Beziehungsprozess nach Peplau“,
aber die Idee fließt ein: Beziehung ist grundlegend für Mitarbeit, Informationsfluss und Motivation.

🔹 Einfaches Schema

Wenn man es schematisch darstellen will:

  • Initiation – erste Begegnung, Vertrauen aufbauen
  • Aufbau – Infos sammeln, Patient einbeziehen, Ängste erkennen
  • Stabilisierung – regelmäßige Pflegehandlungen, konsistente Kommunikation
  • Evaluation – Beziehung funktioniert → Ziele leichter erreichbar
  • Beendigung / Übergang – Entlassung, Übergabe, Beziehungsabschluss

💡 Wichtig: Diese „Phasen“ laufen fließend und parallel zu den 6 Stufen des Pflegeprozesses.

Kurz gesagt:
Der Beziehungsprozess ist die unsichtbare Basis, die alles erleichtert: Informationssammlung, Problemlösung, Mitarbeit, Motivation.
Du merkst ihn, wenn’s gut läuft – aber du initiierst ihn automatisch mit deinem Verhalten.

Compliance

Bedeutet: Der Patient hält sich an ärztliche oder pflegerische Anweisungen.

Beispiel:
„Nehmen Sie die Tablette 2x täglich.“
→ Patient macht das.

⚠️ Klingt ein bisschen nach „der Patient gehorcht“.
Deshalb wird der Begriff heute eher kritisch gesehen.

Adhärenz (moderner Begriff)

Bedeutet:
Gemeinsame Therapieentscheidung.
Der Patient versteht, stimmt zu und arbeitet aktiv mit.

Also:
Nicht „Befehl und Ausführung“
sondern „Partnerschaft“.

🧠 Und jetzt kommt dein Beziehungsprozess ins Spiel:

Ein guter Beziehungsprozess

  • → schafft Vertrauen
  • → fördert Motivation
  • → verbessert Adhärenz

Ohne Beziehung?
Dann hast du vielleicht formale Compliance – aber keine echte innere Mitarbeit.

Fachsprachlich im Bericht:
Wenn du es professionell formulieren willst:
„Der Patient zeigt eine gute Adhärenz.“
„Der Patient zeigt eine gute Therapiemitarbeit.“
„Hohe Motivation zur Mitarbeit erkennbar.“

💡 Mein persönlicher Favorit im Pflegebericht?
„Der Patient beteiligt sich aktiv und zeigt eine gute Adhärenz.“

Pflegeorganisationssysteme

Wie wird Pflege auf Station organisiert?

🔹 Funktionspflege

Jeder macht nur bestimmte Aufgaben. (z.B. einer nur Medikamente, einer nur Körperpflege) → schnell, aber wenig Beziehung

🔹 Bereichspflege

Eine Pflegekraft ist für eine bestimmte Patientengruppe zuständig.

🔹 Bezugspflege

Eine feste Pflegeperson betreut „ihre“ Patienten möglichst kontinuierlich. → fördert Beziehung, Qualität, Verantwortung

Pflegeziele – SMART

Pflegeziele sollen:

  • S = spezifisch
  • M = messbar
  • A = akzeptiert / attraktiv
  • R = realistisch
  • T = terminiert

❌ „Herr Müller soll sich besser fühlen.“
✅ „Herr Müller kann sich bis Freitag selbstständig den Oberkörper waschen.“

Was gehört in den Pflegebericht?

In den Pflegebericht kommt:

  • Beobachtungen
  • Veränderungen
  • Besonderheiten
  • Reaktionen auf Maßnahmen
  • Gespräche von Relevanz
  • Effektivität der Pflegemaßnahmen
  • Befinden des Pflegeempfängers
  • Besonderheiten bei Durchführung und Verlauf
  • aktuelle Pflegeprobleme
  • Begründung für Abweichungen von geplanten Pflegemaßnahmen
  • weitere Inrformationen, außerhalb der Pflegeprozesses

Nicht hinein gehören:
Bewertungen („war wieder schwierig“)
Mutmaßungen
Wertungen

Sachlich, objektiv, nachvollziehbar.

Medizinische Diagnose vs. Pflegeproblem

Medizinische Diagnose
→ vom Arzt gestellt
z. B. Pneumonie

Pflegeproblem
→ beschreibt Auswirkungen auf Selbstpflege
z. B. „eingeschränkte Atemtätigkeit aufgrund von Sekretbildung“

Medizinische Diagnose beschreibt eine pathologische Veränderung.
Pflegeproblem beschreibt die pflegerelevanten Auswirkungen auf den Menschen.
Wir behandeln nicht die Pneumonie –
wir pflegen den Menschen mit den Folgen der Pneumonie.

Ressourcen finden

Ressourcen = alles, was der Patient noch kann oder mitbringt.

  • körperliche Fähigkeiten
  • Wissen
  • Motivation
  • soziales Umfeld
  • Hilfsmittel

Ganz wichtig:
Nicht nur Defizite sehen. Pflege ist nicht „Fehlerverwaltung“, sondern Förderung.

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