IO
💉 Was ist IO überhaupt?
Intraossärer Zugang (IO) = Zugang direkt ins Knochenmark (z. B. Tibia, Humerus)
➡️ Knochenmark ist stark durchblutet → wirkt fast wie „zentralvenös“
🇩🇪 In Deutschland in der Notaufnahme?
👉 Ja, absolut etabliert, aber:
- kein Standard für jeden Patienten
- sondern Notfall-Backup
Typische Situationen:
- Reanimation
- Schock (z. B. hypovolämisch, septisch)
- keine periphere Vene auffindbar („keine Leitung zu legen“)
➡️ Leitlinien (z. B. European Resuscitation Council) sagen klar:
Wenn i.v. nicht schnell möglich → IO ohne Verzögerung
⚡ Vorteile vom IO-Zugang
🚀 1. Extrem schnell
- oft in < 1 Minute gelegt
- kein langes „Venen-Suchen“
🧠 2. Hohe Erfolgsrate
-
auch bei:
- Kollaps
- Adipositas
- Kindern
- „schlechten Venen“
💊 3. Fast alles applizierbar
- Medikamente (Adrenalin etc.)
- Flüssigkeit
- sogar Blutprodukte
➡️ Wirkung ähnlich wie i.v.
❤️ 4. Lebensrettend in der Reanimation
- kein Zeitverlust
- sofortige Medikamentengabe möglich
⚠️ Nachteile / Grenzen
- schmerzhaft (bei wachem Patienten → Lokalanästhesie!)
- nur temporär gedacht
-
Komplikationen (selten):
- Infektion
- Extravasation
- Kompartmentsyndrom
🧠 Pflege-Merksatz:
IO = „Wenn Vene weg, geh in den Knochen“
🤓 Kleine Einordnung (wichtig für Prüfung):
-
Reihenfolge oft:
- peripher i.v.
- IO (wenn i.v. nicht klappt)
- zentralvenös (wenn Zeit & Situation stabiler)
💉 Was darf ich intraossär (IO) geben?
👉 Grundregel:
Alles, was du i.v. geben darfst → darf auch IO rein
✅ Typisch erlaubt
- Rea-Medikamente (z. B. Adrenalin)
- Analgetika, Sedativa
- Katecholamine
- Volumen (NaCl, Ringer)
- Blutprodukte (Erythrozytenkonzentrate etc.)
- Glukose
➡️ Wirkung: vergleichbar mit i.v. (sehr schnell im Kreislauf)
🚫 Was eher problematisch ist
Es gibt kein hartes „verboten“, aber kritisch:
- ❌ stark hyperosmolare Lösungen (vorsichtig!)
- ❌ zelltoxische Substanzen (z. B. Chemotherapie)
- ❌ alles, was bei Fehlplatzierung Gewebe massiv schädigt
👉 Warum? → Wenn’s danebenläuft (Extravasation), wird’s im Knochen/Kompartiment richtig übel 😬
🧠 Wichtig in der Praxis:
- Immer gut spülen (z. B. 10 ml NaCl) vor Gebrauch
- oft Druckinfusion nötig, sonst läuft’s zäh
🪵 1. Was passiert mit „Bohr-Partikeln“?
Kurz: 👉 Die bleiben lokal oder werden problemlos vom Körper abgefangen
Etwas ausführlicher:
- Beim Bohren entstehen kleine Knochen- & Markpartikel
-
das Knochenmark ist:
- sehr durchblutet
- Teil des retikuloendothelialen Systems
➡️ Partikel werden:
- lokal „verdünnt“
- oder über Makrophagen abgebaut
👉 keine klinisch relevante Emboliegefahr im Normalfall
🩸 2. Große Volumina (z. B. Blutkonserven) – macht der „Umweg“ Probleme?
👉 Ehrliche Antwort: Ein bisschen – aber beherrschbar
🔹 Was ist anders?
- Knochenmark = kein riesiges Rohr, sondern schwammiges Netzwerk
- → mehr Widerstand
🔹 Konsequenzen:
- Fluss langsamer als i.v.
- ohne Druck: oft enttäuschend langsam 😅
👉 deshalb:
- Druckinfusion (z. B. Manschette!)
-
dann gehen auch:
- Flüssigkeit
- Blutprodukte
🔹 Klinisch wichtig:
- Für Notfallüberbrückung top
- Für Massivtransfusion eher suboptimal
➡️ Ziel:
IO = Zeit gewinnen → dann „richtigen“ Zugang legen
🔥 Mini-Fazit (prüfungswürdig):
- IO = fast alles i.v. möglich
- Partikel = kein echtes Problem
- Volumen = geht, aber mit Druck besser
- Einsatz = Notfall, nicht Dauerlösung