Die Lähmung betrifft nicht nur Bewegung, sondern je nach Höhe und Vollständigkeit auch Sensibilität und das vegetative Nervensystem. Dadurch entstehen einige ziemlich spezielle Prophylaxen und Routinen. (AWMF) 
- 7 Halswirbel (Pars cervicalis)
- 12 Brustwirbel (Pars thoracica)
- 5 Lendenwirbel (Pars lumbalis)
- Kreuzbein (Os sacrum)
- Steißbein
Aus dem Rückenmark im Bereich der Halswirbelsäule entspringen auf jeder Seite acht Nervenstränge, die Spinalnerven. Die oberen vier (C1–C4) bilden zusammen das Halsgeflecht (Plexus cervicalis), welches den Hals und die Halsmuskulatur, aber auch das Zwerchfell innerviert. Daraus ergibt sich, dass eine eigenständige Atmung bei Verletzung des Rückenmarks auf Höhe des vierten Wirbelkörpers (oder höher) nicht mehr möglich ist. Die unteren vier (C5–C8; Anm.: Es gibt sieben Halswirbel, aber acht Halsnerven) bilden zusammen mit den Nerven des ersten Brustwirbelkörpers (Th1) das Armgeflecht (Plexus brachialis), welches die Brust- und Armmuskulatur sowie die dazugehörige Haut innerviert.
Als Brustwirbelsäule (BWS) wird der Abschnitt der Wirbelsäule zwischen Hals- und Lendenwirbelsäule bezeichnet. Sie besteht beim Menschen aus 12 Wirbeln, bezeichnet mit Th1 bis Th12 (Th steht für lateinisch Pars thoracica ‚Brustteil‘ von Thorax ‚Brustkorb‘).
Als Lendenwirbelsäule (LWS) wird der in Höhe der Lende (lateinisch lumbo) gelegene, lumbale Teil der Wirbelsäule bezeichnet. Dieser Abschnitt besteht beim Menschen aus 5 Wirbeln, die als Lendenwirbel bezeichnet werden.
Läsion
(lateinisch laesio ‚Verletzung‘) wird eine Schädigung, Verletzung oder Störung einer anatomischen Struktur genannt
Tetraplegie
(von altgriechisch τετρα- tetra-, „vier-“ und πληγή plēgḗ, „Schlag, Lähmung“) ist eine Form der Querschnittlähmung, bei der alle vier Gliedmaßen, also sowohl Beine als auch Arme, betroffen sind. Die Folge ist eine schwere Behinderung. Ursache ist meist eine schwere Schädigung des Rückenmarks im Halswirbelbereich. Sie kann traumatisch, durch einen Tumor, eine Infektions- oder Erbkrankheit, Entzündungen anderer Genese oder idiopathisch bedingt sein:
Dysreflexie
Eine Autonome Dysreflexie ist eine körperliche Reaktion auf die Störung der Weiterleitung eines Nervenimpulses und ein medizinischer Notfall, der typischerweise bei Patienten mit einer Querschnittläsion oberhalb Th6 oder einer Tetraplegie auftritt.1 Auch von Patienten mit schweren Kopftraumata, Subarachnoidalblutung, Guillain-Barré-Syndrom, Drogenmissbrauch von Kokain und Amphetaminen und Läsionen unterhalb Th10, bei denen autonome Dysreflexie aufgetreten ist, wurde berichtet.
Subarachnoidalblutung
Der Subarachnoidalraum, auch Subarachnoidealraum (Spatium subarachnoideum,1 Cavitas subarachnoidea, Cavum subarachnoideale, Cavum hyparachnoidicum2 oder Cavum leptomeningicum3), ist ein spaltförmiger Raum um das Zentralnervensystem (Gehirn und Rückenmark) zwischen den beiden Hirnhäuten Arachnoidea und Pia mater. Da in ihm die Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit (Liquor cerebrospinalis) zirkuliert, wird er auch als äußerer Liquorraum bezeichnet. Er steht mit dem als innerer Liquorraum zu verstehenden Ventrikelsystem in Verbindung. Der Subarachnoidalraum setzt sich entlang der Gefäße, die von außen in das Gehirn ziehen, als sogenannter Virchow-Robin-Raum (nach Rudolf Virchow, 1821–1902, und Charles-Philippe Robin, 1821–1885) oder Spatium perivasculare fort. 
Elektrostimulation/FES
Als Funktionelle Elektrostimulation (FES) wird die elektrische Stimulation eines Muskels direkt oder indirekt über die Motornerven zur Durchführung einer Muskelkontraktion bezeichnet, die auf zweierlei Arten durchgeführt werden kann.
Die wohl erfolgreichste und bekannteste Anwendung von implantierter FES ist der Herzschrittmacher. Je nach Schädigung wird auch hier der Herzmuskel meist im rechten Vorhof oder in der rechten Kammer (vgl. Herz) elektrisch erregt.
Weitere FES-Implantate: Atemschrittmacher (Phrenikusstimulator), Darmschrittmacher, Blasenschrittmacher.
Nervenstimulation
Bei der Nervenstimulation wird eine elektrische Feldstärke mit genügend starken Gradienten angelegt, die im Nerv die Auslösung von Aktionspotentialen bewirkt, welche entlang der Motoneurone zu den Endplatten im innervierten Muskel gelangen. Dort lösen sie Aktionspotentiale aus, die in weiterer Folge eine Kontraktion des Muskels bewirkt.
1. Ursachen – ungefähr welche Anteile?
Hier muss man etwas aufpassen: Die Prozentzahlen schwanken je nach Studie, Zeitraum und danach, ob man frisch eingetretene oder alle Menschen mit Querschnittlähmung betrachtet.
Für Deutschland kann man grob mit etwa 50 % traumatischen und 50 % nichttraumatischen Ursachen rechnen; neuere Erhebungen zeigen allerdings je nach Kollektiv auch andere Verteilungen. (DGUV Publikationen)
Traumatisch – ca. 45–50 %
Typische Ursachen:
- 🚗 Verkehrsunfälle
- 🧗 Freizeit-/Sportunfälle
- 🏠 Stürze
- 👷 Arbeitsunfälle
- Gewaltverletzungen
- Bade-/Tauchunfälle
Bei den traumatischen Fällen sind Freizeitunfälle und Verkehrsunfälle besonders relevant. (Drks)
Nichttraumatisch – ca. 50–55 %
Hier wird das Rückenmark durch eine Erkrankung geschädigt, beispielsweise:
- degenerative Erkrankungen / Spinalkanalstenose
- Tumoren bzw. Metastasen
- vaskuläre Ursachen, z. B. Rückenmarksinfarkt
- entzündliche/autoimmune Erkrankungen
- Infektionen
- Blutungen
- Bandscheiben-/Wirbelsäulenprobleme
- Multiple Sklerose
- selten angeboren oder iatrogen
In den deutschen Daten von 2021 waren degenerative Erkrankungen die häufigste nichttraumatische Ursache. (Drks)
Merksatz:
Früher war Querschnittlähmung vor allem ein Unfallthema – heute ist sie mindestens genauso ein Erkrankungs- und Altersthema.
2. Welche Prophylaxen sind besonders wichtig?
Hier wird es für die Pflege interessant.
| Prophylaxe |
Warum besonders wichtig? |
Beispiele |
| Dekubitusprophylaxe |
fehlende Sensibilität + Druckbelastung |
regelmäßige Druckentlastung, Hautkontrolle, Sitzkissen |
| Thromboseprophylaxe |
Immobilität + fehlende Muskelpumpe |
LMWH, Kompression nach Indikation, Mobilisation |
| Pneumonieprophylaxe |
bei hohen Läsionen eingeschränkte Atemmuskulatur |
Atemtherapie, Mobilisation, Sekretmanagement |
| Kontrakturenprophylaxe |
fehlende aktive Bewegung |
Bewegungsübungen, Physiotherapie, richtige Lagerung |
| Obstipationsprophylaxe |
neurogener Darm |
Flüssigkeit, Ernährung, Bewegung, Darmmanagement |
| Harnwegsinfektprophylaxe |
neurogene Blasenfunktionsstörung/Katheter |
individuelles Blasenmanagement, Katheterhygiene |
| Sturzprophylaxe |
eingeschränkte Motorik/Gleichgewicht |
sichere Transfers, Hilfsmittel |
| Atelektasenprophylaxe |
besonders bei hoher Tetraplegie |
Atemübungen, Mobilisation |
| Osteoporose-/Frakturprophylaxe |
fehlende Belastung der Knochen |
Stehtraining, Mobilisation, ggf. medikamentöse Therapie |
Die Dekubitusprophylaxe ist ein riesiges Thema: fehlende Sensibilität bedeutet, dass der Patient einen gefährlichen Druck möglicherweise überhaupt nicht wahrnimmt. Deshalb ist die regelmäßige Hautkontrolle so wichtig. Bei Transfers muss außerdem Scher- und Zugbelastung vermieden werden. (AWMF)
Und die Thromboseprophylaxe ist gerade in der Immobilisationsphase relevant. Dafür gibt es eine aktuelle AWMF-Leitlinie zur VTE-Prophylaxe. (AWMF)
3. Medikamente und Klistiere
Hier gibt es nicht das eine „Querschnitt-Medikament“. Die Medikamente richten sich nach den Folgen der Rückenmarkschädigung.
🟢 A) Darmmanagement
Das ist bei Querschnittpatienten ein ganz eigenes Konzept.
Durch die Schädigung können unterschiedliche Formen eines neurogenen Darms entstehen:
Reflexiver Darm
Typischer bei Läsion oberhalb des sakralen Rückenmarks.
Der Darm hat grundsätzlich noch Reflexaktivität.
Hier können eingesetzt werden:
- Bisacodyl als Suppositorium
- Glycerin-Suppositorien
- CO₂-Suppositorien
- Mikroklistier
- ggf. Klysma
- digitale Stimulation
- digitale Ausräumung
- Macrogol
- Lactulose
- ggf. Natriumpicosulfat/Bisacodyl oral
Die Leitlinie beschreibt beispielsweise Bisacodyl und Natriumpicosulfat zur Stimulation sowie Macrogol/Lactulose zur Stuhlmodulation. (PubMed Central (PMC))
Areflexiver Darm
Typischer bei Schädigung des sakralen Rückenmarks bzw. unteren Motoneurons.
Hier fehlt der Entleerungsreflex stärker.
Dann steht eher im Vordergrund:
- manuelle/digitale Ausräumung
- ausreichende Stuhlkonsistenz
- ggf. Mikroklistier/Klysma je nach individuellem Regime
- strukturierte Darmentleerung
Die Behandlung wird individuell anhand von Läsionshöhe, Darmfunktion, Stuhlkonsistenz und Entleerungsrhythmus festgelegt. (PubMed Central (PMC))
Wichtig:
Ein Klistier bekommt also nicht automatisch jeder Querschnittpatient.
Das Darmmanagement ist vielmehr ein festes, individuell geplantes Ausscheidungsprogramm – beispielsweise jeden Morgen nach dem Frühstück.
4. Blase – mindestens genauso wichtig
Viele Querschnittpatienten entwickeln eine neurogene Blasenfunktionsstörung.
Typisch ist deshalb:
Intermittierender Katheterismus (ISK/IK)
Die Blase wird regelmäßig mittels Katheter entleert.
Das kann der Patient – abhängig von der Lähmung – später selbst durchführen.
Die aktuelle AWMF-Leitlinie zum intermittierenden Katheterismus wurde 2026 aktualisiert. (AWMF)
Je nach Blasenform können außerdem Medikamente eingesetzt werden, beispielsweise:
- Antimuskarinika wie Oxybutynin
- andere Medikamente zur Senkung des Blasendrucks
- ggf. Botulinumtoxin bei entsprechender Indikation
Das konkrete Regime gehört aber in die Hand von Neuro-Urologie/Ärzteteam.
5. Transfer und Mobilisation – hier lauern einige Fallen
Das ist vermutlich besonders interessant für deine praktische Pflege.
Vor dem Transfer
Zuerst klären:
Wie hoch ist die Läsion?
Denn:
C5 ist pflegerisch eine völlig andere Welt als L3.
Außerdem:
- Ist die Läsion komplett oder inkomplett?
- Welche Muskulatur funktioniert?
- Welche Sensibilität ist vorhanden?
- Darf die Wirbelsäule voll belastet werden?
- Gibt es Orthesen?
- Wie stabil ist der Kreislauf?
- Gibt es Druckstellen?
- Welches Transferhilfsmittel ist vorgesehen?
Beim Transfer
❌ Nicht einfach „hochziehen“
Besonders problematisch sind:
- Scherkräfte
- Reibung
- Ziehen an Armen/Beinen
- unkontrolliertes Fallenlassen
- Druck auf empfindungslose Körperstellen
Gerade weil der Patient möglicherweise keinen Schmerz als Warnsignal wahrnimmt.
Bei Transfers sollte deshalb eine möglichst gleitende, kontrollierte Bewegung erfolgen. Bei Bedarf:
- Rutschbrett
- Lifter
- Aufstehhilfe
- Transfergurt
- weitere individuell angepasste Hilfsmittel
Bei bestehenden Hautproblemen muss die Mobilisation besonders vorsichtig und stufenweise erfolgen. (ResearchGate)
6. Kreislauf ist ein besonderes Thema
Bei höherem Querschnitt kann die autonome Regulation beeinträchtigt sein.
Beim Aufrichten kann es zu:
Orthostase
kommen:
Liegen → Sitzen/Stehen → Blutdruckabfall → Schwindel/Synkope
Deshalb:
- langsam aufrichten
- Vitalzeichen beobachten
- Reaktion des Patienten beobachten
- zunächst kurze Sitzzeiten
- ggf. Kompressionsversorgung/Abdominalband nach Konzept
- Stehtrainer/Kipptisch bei entsprechender Indikation
Die aktuelle S3-Leitlinie weist ausdrücklich auf mögliche Blutdruckschwankungen mit Schwindel und Ohnmacht hin. (AWMF Leitlinienregister)
7. Und dann gibt es noch den „Querschnitt-Spezialfall“
Autonome Dysreflexie 🚨
Vor allem bei Läsionen oberhalb Th6 relevant.
Ein Reiz unterhalb der Läsion – klassisch:
- volle Blase
- verstopfter Darm
- Druckstelle
- eingewachsener Zehennagel
kann eine massive autonome Reaktion auslösen.
Typisch:
- plötzlicher starker Blutdruckanstieg
- Kopfschmerzen
- Schwitzen/Flush oberhalb der Läsion
- Bradykardie möglich
- Unruhe
- ggf. Sehstörungen
Das ist ein medizinischer Notfall.
Und hier sieht man sehr schön, warum Querschnittpflege nicht einfach „Rollstuhl + Transfer“ ist. Ein scheinbar banaler Reiz wie eine volle Blase kann bei einem Patienten mit hoher Läsion plötzlich zu einer hypertensiven Krise führen.
Für deine Pflegeprüfung würde ich mir vor allem diese 6 Punkte merken:
Querschnitt =
- 🛏️ Dekubitus → Hautkontrolle + Druckentlastung
- 🩸 Thrombose → Antikoagulation/Mobilisation/weitere Prophylaxe
- 🫁 Atmung → besonders bei hoher Läsion
- 🚽 Darm → festes Darmmanagement, Laxanzien/Suppositorien/Klistier je nach Konzept
- 💧 Blase → häufig intermittierender Katheterismus
- ❤️ Autonomes Nervensystem → Orthostase + autonome Dysreflexie beachten
Und beim Transfer:
Nicht nur fragen: „Kann der Patient sitzen?“ – sondern: „Was kann er selbst, was spürt er, was darf belastet werden und wo könnte ich ihm gerade unbemerkt Haut oder Gelenke schädigen?“
Das ist eigentlich die Quintessenz der Querschnittpflege.
Ja, Don – grundsätzlich genau das, aber mit einer wichtigen Unterscheidung: Bei Querschnittpatienten versucht man nicht einfach, „die gesunden Muskeln zu trainieren“, sondern verfolgt mehrere Ziele gleichzeitig: Restfunktion erhalten, Muskelatrophie begrenzen, Kreislauf und Stoffwechsel verbessern, Gelenke beweglich halten und möglichst viel Selbstständigkeit zurückgewinnen.
1. Die nicht gelähmten Muskeln: unbedingt trainieren
Das ist sehr wichtig. Durch die zusätzliche Belastung im Alltag können die erhaltenen Muskeln sogar überbeansprucht werden – klassisch etwa Schulter und Arme bei Rollstuhlfahrern.
Deshalb:
- Krafttraining der funktionsfähigen Muskulatur
- Ausdauertraining
- Rumpfstabilität
- funktionelles Training, z. B. Transfers
- ggf. Rollstuhl- und Handbike-Training
Aber: nicht einfach maximal drauflos trainieren. Besonders Schulterüberlastungen sind bei Rollstuhlnutzern ein großes Problem.
2. Gelähmte Muskeln: „bewegen lassen“ – ja, aber das Ziel hängt davon ab
Hier muss man zwischen passiver Bewegung, aktiver Bewegung und elektrischer Stimulation unterscheiden.
Passive Bewegung
Die Pflegekraft/Therapie bewegt beispielsweise das gelähmte Bein:
Hüfte → Knie → Sprunggelenk → Zehen
Das verhindert zwar keine vollständige neurogene Muskelatrophie, ist aber wichtig für:
- Gelenkbeweglichkeit
- Verkürzungs-/Kontrakturprophylaxe
- Durchblutung
- Erhaltung der Gewebestrukturen
- Vorbereitung auf Mobilisation
Aktive Bewegung
Wenn noch Restinnervation vorhanden ist, sollte diese unbedingt genutzt und trainiert werden.
Das ist bei einer inkompletten Querschnittlähmung besonders wichtig.
3. Interessant wird es bei Elektrostimulation ⚡
Bei vollständig gelähmten Muskeln kann man teilweise mit FES/NMES (funktioneller neuromuskulärer Elektrostimulation) arbeiten.
Dabei werden die Nerven bzw. Muskeln elektrisch stimuliert und der Muskel kontrahiert beispielsweise:
Elektroden → Nerv/Muskel → Kontraktion → Bewegung
Damit kann man bei geeigneten Patienten beispielsweise:
- Beinmuskulatur trainieren
- Muskelmasse teilweise erhalten
- Durchblutung verbessern
- Stoffwechselbelastung erzeugen
- Steh- oder Gehbewegungen unterstützen
- teilweise Fahrrad-/Ergometertraining durchführen
Das ist also tatsächlich ein Versuch, dem Muskel zu sagen:
„Hallo, du bist noch nicht arbeitslos.“ 😄
Allerdings funktioniert das nicht bei jeder Läsion. Entscheidend ist unter anderem, ob die peripheren Nerven und die Muskulatur elektrisch erregbar sind.
4. Warum ist Muskeltraining überhaupt wichtig, wenn der Muskel nicht wieder innerviert wird?
Weil Muskelmasse nicht nur für Bewegung da ist.
Muskelaktivität beeinflusst unter anderem:
- Glukoseaufnahme
- Insulinsensitivität
- Energieverbrauch
- Knochenstoffwechsel
- venösen Rückstrom
- Kreislauf
- Körperzusammensetzung
Bei Querschnittpatienten entsteht durch die Immobilität deshalb häufig eine ungünstige Kombination:
↓ Muskelmasse + ↓ Energieverbrauch + ↓ körperliche Aktivität
→ erhöhtes Risiko für metabolische Probleme und Veränderungen der Körperzusammensetzung.
5. Aber: Nicht jede Bewegung ist automatisch gut
Gerade bei einem Querschnittpatienten muss man vorher wissen:
Was ist tatsächlich gelähmt?
Denn beispielsweise kann eine passive Bewegung bei einem Patienten mit spastischer Muskulatur ganz anders durchgeführt werden als bei einer schlaffen Lähmung.
Außerdem muss man aufpassen bei:
- Osteoporose → Frakturrisiko
- Kontrakturen
- heterotoper Ossifikation
- instabiler Wirbelsäule
- Gelenkschäden
- Druckstellen
- Sensibilitätsverlust
Und genau deshalb gilt:
Mobilisieren ja – aber nicht nach dem Motto „viel hilft viel“.
Ein schönes Schema für die Pflege
| Funktion |
Was machen? |
Hauptziel |
| 🟢 normal innervierter Muskel |
aktives Kraft-/Ausdauertraining |
Kraft & Ausdauer |
| 🟡 teilweise gelähmt |
Restfunktion aktiv trainieren |
Funktion erhalten/verbessern |
| 🟠 gelähmt, aber passiv beweglich |
passive Bewegungen |
Beweglichkeit/Kontrakturprophylaxe |
| 🔵 geeignete vollständige Lähmung |
FES/NMES |
Muskelaktivierung/-training |
| 🔴 gefährdete Gelenke/Knochen |
vorsichtige Mobilisation |
Verletzungen vermeiden |
Der entscheidende Punkt: Eine komplette Querschnittlähmung bedeutet nicht, dass man die Muskulatur „aufgeben“ sollte. Man kann sie zwar nicht einfach durch normales Krafttraining wiederherstellen, aber Bewegung, passive Mobilisation und – bei geeigneten Patienten – Elektrostimulation haben trotzdem einen wichtigen Stellenwert.
Und bei einer inkompletten Querschnittlähmung ist das Training der vorhandenen Restfunktion besonders wichtig, weil dort tatsächlich neurologische und funktionelle Verbesserungen möglich sein können.