Festlegen der Pflegeziele
Pflegeziel = kann man als Soll-Zustand auffassen, den der Patient innerhalb einer vorgegebenen Zeit durch die Pflegemaßnahmen erreichen soll. Das Pflegeziel gibt die Richtung, sowie Art und Umfang der Pflegemaßnahmen vor.
Häufiger Fehler: „Dekubitus vermeiden“ → Das ist kein Zustand, sondern eine Absicht. Besser: „Haut im Sakralbereich bleibt intakt.“
Fehler: „Patient wird mobilisiert“ → Maßnahme, kein Ziel.
Fehler: „Patient wird beraten“ → Maßnahme.
Fehler: „Patient fühlt sich sicher“ → Gefühl, nicht Verhalten.
Pflegeziele beziehen sich auf:
Zustände (das sind körperliche oder psychische Zustände, z.B. Hautzustand)
- „Wie soll etwas sein?“
- Haut ist intakt, keine Rötungen (->Dekubitusprophylaxe)
- Atemfrequenz liegt im Normbereich (->Atemnot)
- Patient ist schmerzarm (->Schmerzmanagement)
- Schleimhäute sind feucht
- Patient wirkt angstfrei
Fähigkeiten (hier geht es um Selbstständigkeit, z.B. Körperpflege selbstständig)
- „Was kann der Patient (wieder)?“
- Patient führt die Körperpflege selbstständig durch
- Patient mobilisiert sich sicher mit Gehhilfen
- Patient kann Inhalation eigenständig durchführen
- Patient kann sich vom Bett in den Stuhl umsetzen
Wissen (Hier geht es um Verstehen und Informiertsein)
- „Was weiß der Patient?“
- Patient kennt die korrekte Anwendung des Inhalators
- Patient weiß, wann er Bedarfsmedikation einsetzen darf
- Patient kennt atemerleichternde Positionen
- Patient weiß, welche Symptome eine Verschlechterung anzeigen
- Wichtig bei: chronischen Erkrankungen (COPD, Diabetes) & Entlassungsmanagement
Wollen (Motivation / Bereitschaft)
- „Ist der Patient bereit, etwas zu tun?“
- Patient ist bereit, an der Atemtherapie teilzunehmen
- Patient zeigt Motivation zur Mobilisation
- Patient äußert Bereitschaft zur Rauchabstinenz
- Patient möchte selbstständig werden
- Besonders relevant: bei Verhaltensänderungen & bei chronischen Erkrankungen
Verhalten (Hier geht es um konkretes Tun im Alltag)
- Verhalten ist beobachtbar.
- „Was macht der Patient regelmäßig?“
- Patient wendet die Lippenbremse bei Atemnot an
- Patient nutzt den Rollator konsequent
- Patient trinkt regelmäßig kleine Mengen
- Patient meldet Schmerzen rechtzeitig
Entwicklungsprozess (das betrifft vor allem: Kinder, Rehabilitation, Langzeitpflege)
- „Was entwickelt sich weiter?“
- Patient steigert schrittweise seine Belastbarkeit
- Patient verbessert seine Feinmotorik
- Kind erlernt altersgerechte Selbstversorgung
- 💡 Oft langfristige Ziele.
messbarer Befunde (Einstellung des Blutdrucks)
„Welche Werte sollen erreicht werden?“
Blutdruck < 140/90 mmHg
SpO₂ zwischen 88–92 % bei COPD
Trinkmenge ≥ 1500 ml/Tag
Schmerz ≤ NRS 3
Um ein Ziel genau festzulegen, sollte es die folgenden SMART-Kriterien erfüllen.
S = spezifisch, genau beschrieben
M = messbar, beobachtbar, man kann überprüfen ob das Ziel erreicht wurde
A = akzeptiert, die beteiligten Personen sind einverstanden
R = realistisch, ein erreichbares Ziel
T = terminiert, ein Zeitpunkt, an dem das Ziel erreicht sein soll
Hier wird kein Problem mehr beschrieben.
Hier wird formuliert, was erreicht werden soll.
Ziele müssen:
- realistisch
- überprüfbar
- möglichst messbar
- zeitlich definiert
Beispiel Dekubitus – Ziel
Kurzfristig:
Haut im Sakralbereich bleibt intakt.
Oder bei vorhandener Rötung:
Rötung bildet sich innerhalb von 3 Tagen vollständig zurück.
Langfristig:
Kein Dekubitus während des gesamten Krankenhausaufenthaltes.
20 Pflegeprobleme – SMART-Ziele
Eingeschränkte Mobilität
Ziel: „Herr L. kann innerhalb von 3 Tagen 5 Meter mit Gehstützen selbstständig gehen, ohne Sturz, und akzeptiert die Unterstützung durch das Pflegepersonal.“
Maßnahme: Gehtraining, Aufstehübungen, Sicherheitsmaßnahmen
Ineffektives Abhusten / Eingeschränkte Atemtätigkeit
Ziel: „Herr S. kann innerhalb von 3 Tagen selbstständig Sekret abhusten und zeigt eine tiefe, effektive Atmung, unterstützt durch Atemtherapie und Lagerung.“
Maßnahme: Atemübungen, Lagerung, Sekretabsaugung bei Bedarf
Schlafstörung aufgrund von Schmerzen
Ziel: „Frau K. kann innerhalb von 3 Nächten mindestens 6 Stunden schlafen, unter Einsatz von Schmerzmedikation und Entspannungsmaßnahmen, und ist bereit, diese aktiv zu nutzen.“
Maßnahme: Schmerztherapie, ruhige Umgebung, Schlafrituale
Unterernährung / vermindertes Essen
Ziel: „Frau M. nimmt innerhalb von 1 Woche alle Standardmahlzeiten vollständig zu sich, wählt ihr Menü selbst und zeigt aktive Mitarbeit beim Essen.“
Maßnahme: Essensanpassung, Motivation, Unterstützung beim Essen
Sturzrisiko / Gleichgewichtsstörung
Ziel: „Herr B. kann innerhalb von 2 Wochen Transfers vom Rollstuhl ins Bett sicher mit Pflegehilfe durchführen, ohne Sturz, und zeigt Vertrauen in die Unterstützung.“
Maßnahme: Hilfestellung bei Transfers, Gehtraining, sichere Umgebung
Soziale Isolation / Traurigkeit
Ziel: „Frau D. beteiligt sich innerhalb von 1 Woche mindestens zweimal an Gruppenaktivitäten oder Gesprächen mit Betreuungspersonal und zeigt aktive Interaktion.“
Maßnahme: Einladung zu Gruppenaktivitäten, regelmäßige Gespräche
Inkontinenz / Retention
Ziel: „Herr G. kann innerhalb von 1 Woche seine Blasenentleerung nach Toilettenplan selbstständig durchführen, unterstützt durch Erinnerung und Motivation.“
Maßnahme: Toilettenplan, Flüssigkeitsmanagement, Hilfsmittel
Dekubitus / Wundheilungsstörung
Ziel: „Frau H. zeigt innerhalb von 1 Woche keine weiteren Hautrötungen oder Druckstellen, durch Lagerung, Hautpflege und Druckentlastung.“
Maßnahme: Lagerungsplan, Hautpflege, Hilfsmittel wie Kissen
Infektionsrisiko
Ziel: „Herr T. hält innerhalb von 1 Woche Hygieneregeln ein und zeigt korrektes Händedesinfizieren, um Infektionen zu vermeiden.“
Maßnahme: Schulung, Erinnerung, Unterstützung bei Hygiene
Beeinträchtigte Kommunikation
Ziel: „Frau S. kann innerhalb von 1 Woche einfache Bedürfnisse verbal oder mit Hilfsmitteln ausdrücken und zeigt Verständnis für Rückmeldungen.“
Maßnahme: Kommunikationshilfen, Übung, Geduld
Beeinträchtigte Sinneswahrnehmung
Ziel: „Herr M. kann innerhalb von 1 Woche alltägliche Aufgaben unter Nutzung von Hilfsmitteln (Brille, Hörgerät) selbstständig durchführen.“
Maßnahme: Hilfsmittel bereitstellen, Umgebung anpassen
Depression / psychische Belastung
Ziel: „Frau L. nimmt innerhalb von 1 Woche an mindestens zwei individuellen Gesprächen oder Aktivitäten teil und zeigt aktive Mitarbeit.“
Maßnahme: Gespräche, Motivation, Beschäftigungstherapie
Angst / Furcht
Ziel: „Herr F. kann innerhalb von 3 Tagen medizinische Maßnahmen mit Unterstützung nachvollziehen und zeigt Reduktion von Angst durch Gespräche und Aufklärung.“
Maßnahme: Aufklärung, Sicherheit vermitteln, Begleitung
Wundheilungsstörung / offene Wunde
Ziel: „Frau P. zeigt innerhalb von 7 Tagen Fortschritte in der Wundheilung, unter Einhaltung der Verbandswechsel und Hautpflege.“
Maßnahme: Verbandswechsel, Hautpflege, Ernährung
Medikationsmanagement / Nebenwirkungen
Ziel: „Herr K. nimmt innerhalb von 1 Woche alle Medikamente korrekt nach Plan ein und zeigt Verständnis für Wirkungen und Nebenwirkungen.“
Maßnahme: Medikamentenplan, Erinnerung, Erklärung
Beeinträchtigte Selbstpflegefähigkeit
Ziel: „Frau T. kann innerhalb von 5 Tagen die Körperpflege größtenteils selbstständig durchführen, mit Unterstützung bei schwierigen Bereichen.“
Maßnahme: Hilfestellung, Motivation, Übung
Flüssigkeitsdefizit / Dehydration
Ziel: „Herr N. trinkt innerhalb von 3 Tagen mindestens 1,5 Liter pro Tag und zeigt Mitarbeit bei Trinkangeboten.“
Maßnahme: Trinkplan, Motivation, Flüssigkeitsangebote
Beeinträchtigte Lebensqualität / eingeschränkte Teilhabe
Ziel: „Frau R. beteiligt sich innerhalb von 1 Woche aktiv an zwei Freizeitaktivitäten oder Interessen, um Wohlbefinden zu steigern.“
Maßnahme: Aktivitätsangebot, Motivation, Unterstützung
Unter- oder Fehlernährung / Schluckstörung
Ziel: „Herr J. kann innerhalb von 1 Woche alle Mahlzeiten unter Berücksichtigung der Diätvorgaben selbstständig zu sich nehmen, unterstützt durch Schlucktraining und Hilfsmittel.“
Maßnahme: Schlucktraining, Hilfsmittel, Motivation
Schmerz / chronischer Schmerz
Ziel: „Frau Q. zeigt innerhalb von 3 Tagen eine Schmerzlinderung auf einer Skala ≤3 und wendet Schmerzmanagement aktiv an.“
Maßnahme: Schmerzmedikation, Wärmeanwendung, Entspannungstechniken