Parenchymorgane
Als Parenchym bezeichnet man das organspezifische Gewebe, das die eigentliche Funktion eines Organs erfüllt.
Ein Parenchymorgan ist ein Organ, dessen funktionstragendes Gewebe überwiegend aus Parenchym besteht. Dieses wird von einem unterstützenden Gewebe, dem sogenannten Stroma, durchzogen.
Parenchymorgane besitzen häufig eine kompakte Struktur und keinen zentralen Hohlraum, der das Organ prägt.
Aufbau
Der Aufbau eines Parenchymorgans lässt sich grundsätzlich in zwei Bestandteile unterteilen:
| Bestandteil | Funktion |
|---|---|
| Parenchym | Übernimmt die spezifische Organfunktion |
| Stroma | Stützt das Organ und enthält Blutgefäße, Nerven und Bindegewebe |
Das Parenchym besteht aus spezialisierten Zellen, die je nach Organ unterschiedliche Aufgaben erfüllen.
Beispiele:
- Hepatozyten in der Leber
- Nephrone und Tubuluszellen in der Niere
- Azinuszellen im Pankreas
- Lymphozyten in lymphatischen Organen
Das Stroma bildet das Gerüst, in dem das Parenchym eingebettet ist. Es unterstützt die Versorgung und Stabilität des Organs.
Funktionen
Parenchymorgane übernehmen zahlreiche lebenswichtige Aufgaben:
- Stoffwechsel und Entgiftung
- Blutfilterung und Urinbildung
- Hormonproduktion
- Immunabwehr
- Blutbildung
- Speicherung von Nährstoffen
Beispiele und Übersicht
Die folgende Auflistung umfasst die wichtigsten parenchymatösen Organe des menschlichen Körpers. Die Einordnung ist nicht vollständig einheitlich, da Parenchym streng genommen ein Gewebebegriff ist.
Verdauungssystem
| Organ | Funktion |
|---|---|
| Leber | Stoffwechsel, Entgiftung, Gallenproduktion |
| Bauchspeicheldrüse (Pankreas) | Bildung von Verdauungsenzymen und Hormonen |
Harnsystem
| Organ | Funktion |
|---|---|
| Niere | Blutfilterung, Urinbildung |
Die Nieren sind Parenchymorgane, besitzen jedoch mit dem Nierenbecken auch einen Hohlraum zur Sammlung des Urins.
Endokrines System
| Organ | Funktion |
|---|---|
| Hypophyse | Steuerung zahlreicher Hormondrüsen |
| Zirbeldrüse (Epiphyse) | Melatoninproduktion |
| Schilddrüse | Bildung von Schilddrüsenhormonen |
| Nebenschilddrüsen | Regulation des Calciumhaushalts |
| Nebenniere | Bildung von Hormonen wie Cortisol und Aldosteron |
Lymphatisches und immunologisches System
| Organ | Funktion |
|---|---|
| Milz | Immunabwehr und Abbau alter Erythrozyten |
| Thymus | Reifung von T-Lymphozyten |
| Lymphknoten | Filterung der Lymphe und Immunabwehr |
Fortpflanzungssystem
| Organ | Funktion |
|---|---|
| Hoden | Spermien- und Testosteronproduktion |
| Eierstock (Ovar) | Eizellreifung und Hormonproduktion |
Blutbildende Organe
| Organ | Funktion |
|---|---|
| Rotes Knochenmark | Bildung von Erythrozyten, Leukozyten und Thrombozyten |
Das Knochenmark ist kein eigenständiges Organ im klassischen anatomischen Sinne, sondern ein Gewebe innerhalb der Knochen. Es wird dennoch häufig als blutbildendes Parenchym betrachtet.
Sonderfälle und Abgrenzung
Die Einteilung in Hohlorgane und Parenchymorgane ist nicht immer eindeutig.
Einige Organe besitzen sowohl parenchymatöses Gewebe als auch Hohlräume oder röhrenförmige Strukturen.
| Organ | Besonderheit |
|---|---|
| Niere | Parenchym mit Nierenbecken und ableitenden Harnwegen |
| Lunge | Parenchym aus Alveolen, verbunden mit einem verzweigten Bronchialsystem |
| Herz | Herzmuskelgewebe als funktionelles Parenchym; gleichzeitig Hohlorgan |
| Gehirn | Nervengewebe als Parenchym; enthält Liquorräume und Ventrikel |
| Milz | Parenchym aus weißer und roter Pulpa |
Die Lunge und das Gehirn werden in der Histologie ebenfalls als Organe mit Parenchym bezeichnet. Sie sind jedoch nicht immer Teil der engeren anatomischen Auflistung klassischer Parenchymorgane.
Merksatz
Parenchym = Funktionsgewebe. Stroma = Stütz- und Versorgungsgewebe.
Ein Organ kann Parenchym besitzen, ohne zu den klassischen Parenchymorganen gezählt zu werden.
Ich würde bei deiner Wiki-Navigation die klassischen Parenchymorgane direkt unter Parenchymorgane ablegen:
- Leber
- Milz
- Pankreas
- Nieren
- Nebennieren
- Schilddrüse
- Hypophyse
- Thymus
- Gonaden Lunge, Herz und Gehirn würde ich dagegen weiterhin in ihren eigenen Menüpunkten belassen. Sie besitzen zwar ebenfalls Parenchym, sind aber als eigenständige Organe und Organsysteme so bedeutend, dass eine zusätzliche Unterordnung unnötig wäre.