Hohlorgane

Ein Hohlorgan ist ein Organ, das einen inneren Hohlraum, das sogenannte Lumen, umschließt. Dieser Hohlraum ist von einer inneren Gewebeschicht ausgekleidet, die je nach Organ aus Epithel oder Endothel besteht.

Hohlorgane dienen unter anderem dem Transport, der Speicherung, der Weiterleitung oder der Aufnahme und Abgabe von Stoffen.

Im Gegensatz dazu stehen die überwiegend kompakten Parenchymorgane, deren funktionelles Gewebe nicht primär einen zentralen Hohlraum umschließt.

Aufbau

Viele Hohlorgane besitzen einen ähnlichen grundsätzlichen Aufbau:

  • Lumen: Innerer Hohlraum des Organs
  • Innere Auskleidung: Epithel oder Endothel, je nach Organ
  • Bindegewebe: Stabilisiert das Organ und enthält unter anderem Blutgefäße und Nerven
  • Muskulatur: Ermöglicht bei vielen Hohlorganen Bewegung, Transport oder Druckaufbau
  • Äußere Begrenzung: Beispielsweise Bindegewebe, Adventitia oder Serosa

Der konkrete Wandaufbau ist organspezifisch. So unterscheidet sich die Wand des Darms deutlich von der des Herzens oder der Harnblase.

Funktion

Hohlorgane übernehmen unterschiedliche Aufgaben:

Funktion Beispiel
Transport Speiseröhre, Harnleiter
Speicherung Harnblase, Gallenblase
Durchblutung Herz, Blutgefäße
Stoffaufnahme und -abgabe Darm
Luftleitung Luftröhre, Bronchien
Fortpflanzung Gebärmutter, Samenleiter

Beispiele für Hohlorgane

Verdauungssystem

  • Speiseröhre
  • Magen
  • Dünndarm und Dickdarm
  • Gallenblase
  • Gallengänge

Atmungssystem

  • Kehlkopf
  • Luftröhre
  • Bronchien

Herz-Kreislauf-System

  • Herz
  • Blutgefäße

Harnsystem

  • Nierenbecken
  • Harnleiter
  • Harnblase
  • Harnröhre

Genitalsystem

  • Eileiter
  • Gebärmutter
  • Vagina
  • Samenleiter

Muskuläre Hohlorgane

Viele Hohlorgane besitzen eine Muskelschicht in ihrer Wand. Diese ermöglicht beispielsweise:

  • Peristaltik beim Transport von Speisebrei oder Urin
  • Entleerung der Harnblase
  • Kontraktion der Gebärmutter
  • Druckaufbau im Herzen

Die Muskulatur besteht überwiegend aus glatter Muskulatur. Eine wichtige Ausnahme ist das Herz, dessen Wand aus spezialisierter Herzmuskulatur besteht.

Nicht alle Hohlorgane besitzen jedoch eine ausgeprägte Muskelschicht. Blutgefäße beispielsweise verfügen über eine unterschiedlich stark ausgeprägte glatte Muskulatur in ihrer Wand.

Abgrenzung zu Parenchymorganen

Parenchymorgane bestehen überwiegend aus funktionellem Gewebe, dem Parenchym. Sie besitzen keinen durchgehenden zentralen Hohlraum, der das Organ prägt.

Beispiele:

  • Leber
  • Milz
  • Niere
  • Schilddrüse

Die Niere ist ein Sonderfall: Sie ist ein Parenchymorgan, besitzt aber mit dem Nierenbecken auch einen Hohlraum, der den Urin sammelt.

Merksatz

Hohlorgane besitzen ein Lumen – Parenchymorgane bestehen überwiegend aus funktionellem Gewebe.

Die Einteilung beschreibt die vorherrschende Organstruktur und nicht zwingend die vollständige Abwesenheit von Hohlräumen oder Hohlstrukturen.

Stenose und Verschluss

Eine Stenose bezeichnet eine krankhafte Verengung des Lumens eines Hohlorgans oder eines Blutgefäßes. Dadurch kann der Durchfluss von Flüssigkeiten, Gasen oder anderen Stoffen beeinträchtigt werden.

Ursachen einer Stenose:

  • Entzündungen und Schwellungen
  • Narbenbildung
  • Tumoren oder Raumforderungen
  • Arteriosklerotische Veränderungen
  • Angeborene Fehlbildungen

Mögliche Folgen:

  • Erhöhter Strömungswiderstand
  • Verminderter Durchfluss
  • Rückstau vor der Engstelle
  • Funktionsstörungen des betroffenen Organs
Begriff Bedeutung Beispiel
Stenose Verengung des Lumens Pylorusstenose
Okklusion Vollständiger Verschluss Koronararterienverschluss
Obstruktion Behinderung oder Blockierung des Durchflusses Darmobstruktion

Beispiele aus der Pflege:

  • Darmstenose: Der Darminhalt kann nur erschwert passieren. Es können Bauchschmerzen, Erbrechen und ein aufgeblähter Bauch auftreten.
  • Harnröhrenstenose: Der Harnabfluss ist erschwert. Typisch sind ein abgeschwächter Harnstrahl und Restharnbildung.
  • Koronarstenose: Die Durchblutung des Herzmuskels kann vermindert sein. Es besteht das Risiko einer Myokardischämie.

Merksatz: Eine Stenose ist eine Verengung – eine Okklusion ist ein vollständiger Verschluss. Eine Stenose kann sich im Verlauf zu einer Okklusion entwickeln.