BZ Messung

Gute Prüfungsfrage, Don. 😊 Fehler bei der Blutzuckermessung können zu falsch hohen oder falsch niedrigen Werten führen. Man kann sie gut nach den einzelnen Schritten der Messung ordnen.

1. Fehler vor der Messung

Hände nicht gewaschen

Die häufigste Fehlerquelle.

Beispiel:

  • Obst geschält
  • Marmeladenbrot gegessen
  • Traubenzucker angefasst

→ Zuckerreste auf der Haut gelangen in den Blutstropfen.

➡️ Ergebnis: falsch hoher Blutzucker.


Hände noch feucht

Nach dem Händewaschen nicht richtig abgetrocknet.

Das Wasser verdünnt den Blutstropfen.

➡️ Ergebnis: falsch niedriger Blutzucker.


Desinfektionsmittel nicht getrocknet

Wenn Alkohol oder Desinfektionsmittel noch feucht ist, kann ebenfalls eine Verdünnung entstehen.

➡️ häufig zu niedrige Messwerte.

Deshalb:

  • Hände lieber mit Wasser und Seife waschen.
  • Falls desinfiziert wird: vollständig trocknen lassen.

2. Fehler bei der Blutgewinnung

Zu starkes Auspressen des Fingers

Dadurch wird Gewebsflüssigkeit mit herausgedrückt.

Diese enthält weniger Glukose als das Blut.

➡️ Messwert fällt zu niedrig aus.


Zu kleiner Blutstropfen

Manche Teststreifen benötigen eine Mindestmenge.

Ist der Tropfen zu klein:

  • Fehlermeldung
  • oder ungenaue Messung.

Kalte Finger

Bei kalten Händen ist die Durchblutung schlechter.

Man bekommt nur schwer einen guten Blutstropfen.


3. Fehler am Messgerät

Teststreifen abgelaufen

Die Enzyme auf den Teststreifen verlieren mit der Zeit ihre Aktivität.

→ ungenaue Werte.


Teststreifen falsch gelagert

Feuchtigkeit Hitze offene Dose

können die Teststreifen beschädigen.


Verschmutztes Gerät

Blutreste oder Schmutz können die Messung beeinflussen.


Defektes oder nicht kalibriertes Gerät

Moderne Geräte kalibrieren meist automatisch, dennoch können Defekte auftreten.


4. Fehler während der Messung

Blut wird auf den Teststreifen geschmiert

Viele Geräte sollen den Tropfen selbst ansaugen.

Nicht verschmieren.


Teststreifen falsch eingesetzt

Gerät startet eventuell gar nicht oder misst fehlerhaft.


5. Körperliche Einflüsse

Schlechte Durchblutung

z. B.

  • Schock
  • Hypotonie
  • starke Vasokonstriktion

Dann kann kapilläres Blut deutlich vom tatsächlichen Blutzucker abweichen.


Sehr hoher oder sehr niedriger Hämatokrit

Ein ungewöhnlich hoher oder niedriger Anteil roter Blutkörperchen kann manche Messgeräte beeinflussen.


Medikamente

Einige Medikamente oder hohe Dosen von Vitamin C können – je nach Messverfahren – die Ergebnisse verfälschen.


6. Organisatorische Fehler

  • falscher Patient
  • Messwert nicht dokumentiert
  • Einheiten verwechselt (mg/dl oder mmol/l)
  • Uhrzeit nicht beachtet (nüchtern, vor oder nach dem Essen)

Prüfungsrelevante pflegerische Maßnahmen

Vor jeder Messung:

✔ Hände mit Wasser und Seife waschen und gut trocknen. ✔ Seitlich in die Fingerbeere stechen (schmerzärmer). ✔ Finger nicht kräftig auspressen. ✔ Ausreichend großen Blutstropfen gewinnen. ✔ Teststreifen korrekt lagern und Haltbarkeit prüfen. ✔ Messwert dokumentieren und im klinischen Kontext beurteilen.


Merkhilfe: Was macht den Wert falsch hoch oder falsch niedrig?

Fehler Ergebnis
Zuckerreste an den Fingern ⬆️ zu hoch
Hände noch nass ⬇️ zu niedrig
Finger stark ausgedrückt ⬇️ zu niedrig
Abgelaufene/feuchte Teststreifen unzuverlässig
Kalte Hände erschwerte Blutgewinnung, ggf. ungenau
Schlechte Durchblutung (z. B. Schock) Messwert kann deutlich vom tatsächlichen Blutzucker abweichen

💡 Prüfungstipp: Wenn ein Blutzuckerwert nicht zum Zustand des Patienten passt (z. B. 350 mg/dl, obwohl der Patient keinerlei Symptome zeigt, oder 40 mg/dl bei völlig beschwerdefreiem Patienten), sollte die Messung nicht sofort als richtig angenommen, sondern zunächst auf mögliche Fehlerquellen überprüft und gegebenenfalls wiederholt werden. In der Pflege gilt: Nicht nur den Messwert behandeln – immer auch den Menschen beobachten.

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